Sänger macht Ankündigung

Michael Wendler zieht auf Insel der Verbannten – folgt ihm Donald Trump?

Michael Wendler hat ein neues Netzwerk gefunden, um seine Fans zu „informieren“. Die Social-Media-Plattform „Gettr“ hat eine durchaus interessante Vorgeschichte.

Cape Coral (Florida) – Michael Wendler und Donald Trump teilen das gleiche Schicksal: Beide haben derart viel fragwürdiges Zeug von sich gegeben, dass ihre Accounts in sozialen Netzwerken gesperrt wurden. Während es Trump bei Facebook und Twitter erwischt hat, sucht man Michael Wendler bei Instagram seit längerer Zeit vergeblich.

SchlagersängerMichael Wendler
Geboren22. Juni 1972 (Alter 49 Jahre), Dinslaken
EhepartnerinLaura Müller (verh. 2020), Claudia Norberg (verh. 2009–2020)
KinderAdeline Norberg

Michael Wendler ist jetzt auf „Gettr“ – soziales Netzwerk wurde für Donald Trump geschaffen

Der Schlagersänger verglich sich sogar mit dem früheren US-Präsidenten. Dass sein Instagram-Profil gesperrt wurde, sei für Michael Wendler keine wirkliche Überraschung gewesen. „Wie zuletzt bei Donald Trump und seinem Twitter-Account zu sehen war, scheinen die Tech-Giganten vor nichts mehr zurückzuschrecken, um Meinungsfreiheit einzugrenzen“, sagte der 49-Jährige damals.

Da ist es nur folgerichtig, dass sich künftig beide auf der gleichen Insel der Verbannten wiedertreffen könnten: der Social-Media-Plattform „Gettr“. Hinter dem Netzwerk steckt Jason Miller – ein alter Weggefährte Trumps, der unter anderem als Sprecher der Wahlkampfkampagne zur Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 auftrat. Er hat Gettr am 4. Juli 2021 – dem Independence Day in den USA – eingeführt.

Michael Wendler und Laura Müller sind auf Trump-Plattform „Gettr“ – doch Donald Trump selbst fehlt

Wie Michael Wendler am Mittwoch (1. September) zwischen Villa-Verkäufen und angeblichen Flucht-Versuchen in seinem Telegram-Chat ankündigte, ist er ab sofort auch auf Gettr aktiv. Und tatsächlich: Auf der Plattform, die optisch an Twitter erinnert, gibt es bereits ein Profil des Musikers. Knapp 6000 Leute folgen dem Wendler dort bereits. Er selbst folgt nur zwei anderen Accounts: seiner Frau Laura Müller und seiner Mit-Verschwörerin Miriam Hope.

Doch Donald Trump, den Michael Wendler im Wahlkampf wiederholt unterstützte, sucht man unter den gefolgten Accounts vergeblich. Wie kommt das? Der Grund ist simpel: Trump ist Gettr bislang noch nicht beigetreten. Der Ex-Präsident und Geschäftsmann will sich Anteile an der Plattform sichern und befindet sich laut US-Medien aktuell noch in entsprechenden Verhandlungen.

Michael Wendler und Laura Müller haben bereits einen „Gettr“-Account.

Bis dahin muss das neue soziale Netzwerk noch ohne ihr vermeintlich größtes Zugpferd auskommen. Dabei lief der Start für Gettr ohnehin schon alles andere als rund. Schon am ersten Tag wurde die Plattform gehackt. Die Profile von Trump-Berater Jason Miller und Ex-US-Außenminister Mike Pompeo wurden mit „Free Palestine“-Botschaften gekapert. Der mutmaßliche Hacker sagte dem Business Insider später, es sei ziemlich leicht gewesen, sich Zutritt zu verschaffen.

Donald Trump und Michael Wendler bald in einem sozialen Netzwerk? „Gettr“ erlebte Stolperstart

Und auch sonst stolperte Gettr aus den Startlöchern. Der Twitter-Verschnitt wurde kurz nach dem Launch mit wirren Botschaften und obszönen Darstellungen überflutet – zum Ärger der Plattform. Dabei kündigt sich Gettr selbst als neuen „Marktplatz der Ideen“ an, der auf den Grundsätzen der „freien Rede“ beruht. Politische Zensur und die „cancel culture“ lehne man ab.

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass Michael Wendler Gettr als Ersatz für seinen Instagram-Account auserkoren hat. Immerhin war die angebliche Zensur seiner Inhalte einst der Grund, warum der Schlagersänger nach seinem allerersten Corona-Statement einen Telegram-Kanal eröffnete. Nur dort könne man noch „frei kommunizieren“.

Donald Trump kann nicht mehr twittern, weil sein Account gesperrt wurde.

Einige Inhalte – darunter illegaler, obszöner oder gewalttätiger Content – werden aber selbst bei Gettr gesperrt, wie die FAZ berichtet. So sei etwa bereits der Account von Anthime Joseph „Tim“ Gionet gesperrt worden. Der US-Amerikaner ist vor allem unter seinem Künstlernamen „Baked Alaska“ bekannt und war eines der prominenten Gesichter beim Sturm auf das Kapitol in Washington im Januar 2021.

Wendler nutzt Trump-Plattform „Gettr“: „Marktplatz für Ideen“ oder Sammelbecken für Trolle?

Nicht nur wegen solcher Nutzer fällt das Urteil der FAZ für Gettr vernichtend aus. Die Plattform wirke anachronistisch. „Das größte Problem der Plattform dürfte sein, dass sie von Trollen und Gestrigen lebt. Von einem ‚Marktplatz der Ideen‘, wie Gettr sich selbst nennt, ist hier nichts zu erkennen“, schreibt die deutsche Tageszeitung.

Ob es trotzdem – oder gerade deshalb – auf Gettr in naher Zukunft zu einem Wiedersehen von Donald Trump und Michael Wendler kommt? Ein Konto mit der Signatur „@realDonaldTrump“ soll für den Republikaner bereits reserviert sein. Nicht ausgeschlossen, dass aus dem „Twitter-Präsidenten“ bald der „Gettr-Ex-Präsident“ wird.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa, Sergio Flores/AFP; Collage: RUHR24

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