Augenzeuge verrät Details

Mallorca: Urlauber aus NRW wirft RTL Party-Inszenierung am Ballermann vor - Sender reagiert

Nach Party-Bildern vom Ballermann auf Mallorca während des Coronavirus wirft ein NRW-Urlauber RTL Inszenierung vor. Der Sender reagiert. 

  • Der exzessive Partybetrieb auf Mallorca trotz Coronavirus (alle Entwicklungen im NRW-Ticker) hat für eine Schließung etlicher Lokale am Ballermann gesorgt.
  • Wirte und Urlauber warfen den Medien vor, falsche Bilder gezeigt zu haben.
  • Ein Urlauber aus NRW entkräftet diese Vorwürfe, erhebt aber selbst welche gegen den TV-Sender RTL. Der Sender reagiert.

Update, Mittwoch (29. Juli), 15.47 Uhr: Dortmund/Mallorca – Auf Nachfrage von RUHR24 hat sich RTL zu den erhobenen Vorwürfen des Urlaubers aus Nordrhein-Westfalen geäußert. Die Stellungnahme im Wortlaut.

Mallorca: RTL reagiert auf Vorwürfe eines NRW-Urlaubers gegen ein Kamerateam auf der Bierstraße

"Wir können bestätigen, dass wir am 12. Juli auf der Bierstraße gedreht haben. Am darauffolgenden Tag wurde die Maskenpflicht auf Mallorca umgesetzt. Wir können die Arbeit unserer Kollegen nicht beanstanden, sowohl unser Material - als auch die Aufnahmen des Augenzeugen, zeigen deutlich, wie die Situation an diesem Abend vor Ort war. Unsere Kollegen sind zur Einhaltung aller angeordneten Vorsichtsmaßnahmen angehalten."

Erstmeldung vom 29. Juli, 13.15 Uhr: Das Wochenende um den 11. und 12. Juli war für die Wirte auf der beliebten Bierstraße und der Schinkenstraße in El Arenal auf Mallorca ein folgenreiches. Bilder von trotz des grassierenden Coronavirus unbedarft feiernden Urlaubern machten die Runde und der schrittweisen Rückkehr zum Normalbetrieb vorerst einen Strich durch die Rechnung. Zwei Monate lang bleiben die dort angesiedelten Lokale am Ballermann qua Beschluss der Regierung dicht.

Insel

Mallorca

Fläche

3.640 Quadratkilometer

Einwohner (2019)

896.038

Größte Gemeinde

Palma de Mallorca

Lokale am Ballermann auf Mallorca nach Corona-Partys dicht: Tiefschlag für die Wirte

Für die Wirte ist das ein Nackenschlag. Sie hatten die Vorräte nach der langen Corona-Zwangspause gerade wieder aufgestockt, schon müssen sie etliche Lebensmittel und Getränke wegschmeißen oder anderweitig loswerden. Mitarbeiter, die gerade wieder ein Licht am Ende des Tunnels sehen konnten, sind nun wieder arbeitslos.

Die Wut ist groß und das Verlangen nach einem Sündenbock nur allzu verständlich. Den Medien wird dabei mindestens eine Teilschuld vorgeworfen. "Dann sind teilweise Bilder gezeigt worden, die sind fünf Jahre alt. Da hängen Girlanden bei uns im Laden, das muss an Karneval gewesen sein", sagt beispielsweise Michael Bohrmann, der das "Deutsche Eck" betreibt, dem Express.

Vorwürfe nach Corona-Schließung auf Mallorca richten sich auch gegen die Medien

Einen ähnlichen Tenor besitzen die Klagen zahlreicher verärgerter Urlauber, die ihren Unmut über die Schließungen am Ballermann über Soziale Netzwerke äußerten. Besonders der Facebook-Post von Annett Hubersberger ging viral.

"Der Urlaub war sehr schön, trotz Corona. Aber seit gestern herrscht auf Mallorca komplette Maskenpflicht. Warum? Weil die Nachrichten lügen. Die zeigen dort die Schinkenstraße voll mit Leuten die feiern. Die war leer, keine Menschenseele", steht darin unter anderem.

Das Recherchezentrum Correctiv hat sich im Detail mit den Vorwürfen auseinandergesetzt, die gegen die Darstellungen in den Medien erhoben wurden. Im Ergebnis heißt es, dass die Vorwürfe teilweise falsch seien und es durchaus Verstöße von Feiernden gegen die auf Mallorca geltenden Corona-Regeln gegeben habe. Allerdings hätten manche Medien Fehler gemacht, so zum Beispiel beim fehlenden Hinweis auf ein Symbolfoto. Weitaus fragwürdiger scheint ein Kamerateam von RTL gehandelt zu haben.

Urlauber aus NRW bestätigt Fehlverhalten der Mallorca-Urlauber, geht aber hart mit RTL ins Gericht

Für die Recherche hat Correctiv unter anderem mit Niko Papadopoulos gesprochen. Der Urlauber aus NRW hat sich an besagtem Wochenende nachweislich auf Mallorca und mit gutem Blick auf die Szenerie aufgehalten. Feierende, auch in größeren Ansammlungen, seien keine Erfindung gewesen. Besonders das "Las Palmeras" hätte sich hier negativ hervorgetan.

"Sie haben mit Dumpingpreisen für Getränke die Massen angelockt. Dementsprechend war dort auch die Stimmung. Gröhlende Feiernde, wie man es von Mallepartys eben gewohnt ist", beschreibt er seine Eindrücke. Draußen habe sogar ein DJ aufgelegt, weswegen auch die Straße vor dem Lokal gut gefüllt gewesen sei.

Der beliebte "Bierkönig" am Ballermann ist weiterhin geschlossen.

Die Bierstraße selbst sei aber nie wirklich überfüllt gewesen, auch wenn RTL es so hätte aussehen lassen. Der Vorwurf von Niko Papadopoulos aus NRW: Neben wartenden Menschen und Straßenverkäufern hätten Kamerateams, darunter das von RTL, die Straße noch zusätzlich zugestellt.

NRW-Urlauber wirft RTL bewusste Inszenierung des Party-Geschehens auf Mallorca vor 

So seien kurzzeitig "Nadelöhre" unvermeidbar gewesen. Genau diese Momente hätte RTL ausgenutzt, um zu filmen. Die Kamera sei dabei immer auf das "Las Palmeras" gerichtet gewesen, weswegen es dann "natürlich übertrieben voll auf der Straße" ausgesehen hätte.

Die Tage nach dem Freitagabend (10. Juli) seien wesentlich entspannter gewesen, berichtet NRW-Urlauber Niko Papadopoulos, in dessen Bundesland aktuell die Corona-Fallzahlen steigen. Auch das "Las Palmeras" hätte Absperrbänder aufgehängt und Security angestellt.

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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