Kinder in Lügde von Tätern abwechselnd missbraucht - jetzt spricht ein Anwalt der Opfer

Missbrauchs-Prozess Lügde
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Missbrauchs-Prozess Lügde

Der Prozess im Fall Lügde zum hundertfachen Kindesmissbrauch läuft seit gut einer Woche. Jetzt äußerte sich ein Anwalt der Opfer.

Der Prozess im Fall Lügde, bei dem den Tätern hundertfacher Kindesmissbrauch vorgeworfen wird, läuft seit gut einer Woche. Während der Verhandlungen kommen immer wieder schreckliche Details der Taten ans Licht. Jetzt äußerte sich ein Anwalt der Opfer.

  • Kinder wurden wechselseitig von den beiden Hauptangeklagten missbraucht.
  • Den Tätern werden brutale Misshandlung und Vergewaltigung an mehr als 40 Mädchen und Jungen vorgeworfen.
  • Neben den zwei Hauptangeklagten steht ein weiter Mann vor Gericht.

Update, Montag (22.Juli), 7.30 Uhr: NRW-Familienminister Stamp (FDP) nimmt die Jugendämter in die Pflicht und fordert mehr geschultes Personal.

Erstmeldung, Samstag (6. Juli): Noch ist unklar, inwieweit sich die Täter abgesprochen haben. Klar ist aber, "dass die Kinder wechselseitig missbraucht wurden." Und zwar von beiden Hauptangeklagten, so Opferanwalt Roman von Alvensleben in einer Verhandlungspause am Landgericht Detmold am Freitag. Auf dem Campingplatz in Lügde habe es eine Art Konkurrenzverhältnis der beiden Angeklagten im Umgang mit den Kindern gegeben.

Lügde-Opfer sagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden inzwischen mehrere Kinder und zum Teil deren Angehörige als Zeugen gehört. Bei den Aussagen der jungen Zeugen zwischen sechs und 13 Jahren hatte das Gericht teilweise auch die Angeklagten ausgeschlossen. Anwälte der Nebenkläger hatte das beantragt und mit der Angst der Kinder vor ihren Peinigern begründet. Die Mutter eines Opfer wurde von einer Psychologin begleitet.

Zum Prozessauftakt äußerte sich die Deutsche Kinderhilfe zu den Taten in Lügde und fand deutliche Worte. Demnach sei der - juristisch korrekte - Ausdruck „schwerer sexueller Missbrauch“ nahezu verharmlosend. Stattdessen müsse klar sein, dass es sich um schwere Vergewaltigungen vieler Kinder handele.

Zwischenzeitlich wurde außerdem bekannt, dass auch minderjährige Opfer gezwungen wurden, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen.

Missbrauchsvorwurf gegen zwei Täter

In diesem Verfahren stehen noch zwei, statt vormals drei, Angeklagte vor Gericht. Der 56-jährige Dauercamper Andreas V. aus Lügde und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim.

Das Verfahren gegen den 49-jährigen Heiko V. aus dem niedersächsischen Stade wurde abgetrennt. Er soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben. Das Gericht will hierzu am 17. Juli ein Urteil verkünden.

Den Haupttätern wirft die Staatsanwaltschaft hundertfachen sexuellen und schweren Missbrauch von Kindern vor. Die Deutschen sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben.

Bei den Ermittlungen zu dem Fall wurde den Behörden und der Polizei immer wieder vorgeworfen nachlässig gehandelt zu haben. Zwischenzeitlich geriet auch Innenminister Herbert Reul in die Kritik.

Und nach den Fällen von Lügde und Bergisch Gladbach hat die Polizei eine Dritte Plattform für Kinderpornografie abgeschaltet. Diese war nach einer bundesweiten Razzia entdeckt worden. Sie soll zur Verbreitung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten, sowie zum Verabreden zum sexuellen Missbrauch von Kindern genutzt worden sein.