Maßnahmen zur Virus-Eindämmung

Corona-Pandemie: Ist der Lockdown gescheitert? Wieso die Infektionszahlen kaum sinken

Trotz verschärfter Corona-Maßnahmen wollen die Infektionszahlen in Deutschland nicht recht sinken. Ist der „Lockdown light“ gescheitert?

NRW – Seit Anfang November befindet sich ganz Deutschland im Lockdown. Im Vergleich zum Frühjahr, als die erste Corona-Welle das Land erfasst hatte, fällt dieser allerdings deutlich weniger streng aus. Doch der weniger strenge Lockdown scheint offenbar auch weniger Erfolg zu bringen: In NRW wie auch im Rest des Landes sinken die Infektionszahlen kaum, stattdessen stabilisieren sie sich auf hohem Niveau.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
ErkrankungCovid-19
SchutzmaßnahmenKontaktreduzierung, Abstand halten, Maskenpflicht

Corona in NRW: Infektionzahlen sinken höchstens zögerlich

Im Frühjahr war nach wenigen Tagen im Lockdown ein deutlicher Knick nach unten bei den Infektionszahlen zu erkennen. Die Corona-Lage hatte sich in NRW spätestens im April zunehmend entspannt. In der zweiten Welle ist NRW zum Hotspot des Landes geworden: Nahezu alle Landkreise färben sich auf Corona-Karten dunkelrot – mit Inzidenzwerten rund um 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Und das nun schon länger: Bereits Ende Oktober spitzte sich die Lage erneut deutlich zu. Bis jetzt ohne das sich die Lage sichtlich entspannt. Trotz Lockdown light.

Wenn man überhaupt ein sanftes Sinken der Corona-Neuinfektionen in NRW erkennen will, kann man das erst seit wenigen Tagen. Doch um wirklich einen Rückgang der Infektionszahlen zu erkennen, gehört schon eine gute Portion Optimismus mit dazu: Denn nicht nur die Zahl der Neuinfektionen sank laut WDR in den vergangenen Tagen zögerlich ab, auch die Zahl der Coronatests pro Woche in NRW nahm ab. Und wo weniger getestet wird, werden auch weniger Infektionen erkannt (mehr News zum Coronavirus in NRW).

NRW: Corona-Maßnahmen zeigen nicht erwünschten Erfolg

Laut einem Bericht des Nachrichtensenders n-tv gibt es gleich mehrere Gründe, warum das Wachstum der Infektionszahlen nicht in gleichem Maße gebremst werden konnte wie im Frühjahr. Das sind die drei Gründe:

Grund 1: Die aktuellen Beschränkungen sind nicht so massiv wie im Frühjahr

Unserer Kinder gehen noch zur Schule oder in die Kita und wir selbst zum Einkaufsbummel in die belebte Innenstadt. Nicht alles, worauf wir im Frühjahr noch verzichten mussten, ist auch jetzt wieder Tabu. Zwar gibt es im Dezember auch in NRW neue Corona-Regeln, zu denen auch wieder harte Kontaktbeschränkungen gehören, doch in Gemeinschaftseinrichtungen, im Nahverkehr, in anonymen Menschengruppen in der Öffentlichkeit und im Familien- und Freundeskreis kommt es offenbar noch immer zu vielen Neuinfektionen mit dem Coronavirus.

Dass strengere Maßnahmen mehr bewirken könnten, zeigt sich womöglich derzeit in Münster: Die Stadt hatte es am Sonntag (29. November) als einzige Region in NRW erstmal wieder unter eine 7-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geschafft. In Münster galten laut Deutscher Presseagentur (dpa) teilweise Corona-Schutzmaßnahmen, die über die Vorgaben des Landes hinausgingen. So hatte Münster eine generelle Maskenpflicht für Lehrer verhängt, die allerdings inzwischen vom Verwaltungsgericht wieder gekippt worden ist.

Corona in NRW: Diffuses Infektionsgeschehen hält Infektionszahlen hoch

Grund 2: Das diffuse Infektionsgeschehen macht eine Kontaktnachverfolgung besonders schwierig

Wo habe ich mich infiziert? Diese Frage ist für viele, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, inzwischen nicht mehr leicht zu beantworten. Manchmal sind es mehrere Situationen, die für eine Ansteckung infrage kommen, berichtet n-tv. Manchmal sei es auch der Anonymität geschuldet, in der die Infektion erfolgte: Wer sich im Bus oder beim Einkaufen ansteckt, kennt selten die Kontaktdaten seines Gegenübers.

Das Problem der nicht vollständigen Kontaktnachverfolgung hat zudem noch ein ganz anderes im Schlepptau: Wenn die Kontaktnachverfolgung nicht funktioniert – auch weil Gesundheitsämter inzwischen maßlos überlastet sind – werden Infektionsketten nicht durchbrochen. Potenziell infizierte Personen werden nicht immer oder erst nach zu langer Zeit erkannt. Auch eine hohe Dunkelziffer infizierter Personen, so vermuten Experten, könnte inzwischen in das Problem mit reinspielen.

Zweite Corona-Welle traf neben NRW und Bayern auch andere Bundesländer hart

Grund 3: In der ersten Welle wenig betroffene Regionen gingen zu leichtfertig in zweite Welle

Im Frühjahr kamen die Bundesländer im Osten des Landes glimpflich davon. Anders als Bayern oder NRW, die schon zu Beginn der Pandemie mit hohen Infektionszahlen zu tun hatten, fürchteten sich die Menschen in den östlichen Bundesländern offenbar weitaus weniger vor der zweiten Welle. Und so stieg die 7-Tages-Inzidenz in Thüringen oder Berlin auch nach dem Teil-Lockdown Anfang November weiter – bis die Infektionszahlen sogar über dem Bundesdurchschnitt lagen.

Video: Hotspot Hildburghausen: Mehr als 600 Neuinfektionen

Im Süden Thüringens erlangte der Landkreis Hildburghausen traurige Berühmtheit: Mit einer Inzidenz von mehr als 600 lag der Landkreis schon an der Spitze der Neuinfektionen in Deutschland. Gegenüber n-tv lieferte der Bürgermeister der Kreisstadt auch eine Erklärung dazu: Die Bevölkerung sei zu leichtfertig in den Herbst gegangen. Denn im Frühjahr waren sie glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen. Allerdings liefert das nur eine Erklärung für die östlichen Bundesländer - denn auch in NRW bleiben die Infektionszahlen bislang auf hohem Niveau.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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