Ein Kommentar

Warum der neue Corona-Mini-Lockdown unlogisch wirkt und sogar unberechtigt ist

Der Westenhellweg in Dortmund wird aufgrund des Corona-Lockdowns ab dem 2. November nicht mehr so voll sein.
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Der Westenhellweg in Dortmund wird aufgrund des Corona-Lockdowns ab dem 2. November nicht mehr so voll sein.

Am Montag (2. November) startet der zweite Corona-Lockdown (light). Das sorgt für Unmut, wirkt unlogisch und könnte in Teilen unberechtigt sein. Ein Kommentar.

Restaurants und Bars schließen. Theater, Konzerthäuser und Kinos ebenso. Auch Sporteinrichtungen wie Schwimmbäder, Kletterhallen oder Fitnessstudios müssen ab Montag (2. November) vier Wochen lang dicht machen. Der Corona-Lockdown-Light trifft die Gesellschaft hart.

VirusSARS Cov 2 / Covid 19 / Coronavirus
Symptome Häufig: Fieber, trockener Husten, Müdigkeit
VerbreitungTröpfcheninfektion

Zunächst einmal ist es im ersten Schritt richtig, dass die Regierung handelt. Die Corona-Neuinfektion sind in den vergangenen Wochen in die Höhe geschossen, auch in NRW (alle Infos im Corona-Live-Ticker auf RUHR24.de). Schlimmer jedoch ist die Lage der sogenannten intensivmedizinisch behandelten Fälle, die sich laut Bundeskanzlerin Angela Merkel in den vergangenen zehn Tagen verdoppelt haben.

Lockdown: Regierung handelt gegen Corona und fährt gesellschaftliche Leben herunter

Nur, muss deshalb direkt ein (kleiner) Lockdown her? Nicht nur Wissenschaftler und Ärzte rund um den NRW-Virologen Hendrik Streeck sehen einen Lockdown kritisch. Auch für viele Menschen in München, Hamburg, Berlin oder Dortmund ist ein neues Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Zuge der Coronavirus-Pandemie (alle News zum Coronavirus in NRW) nur schwer verständlich.

Zwei Beispiele: Auf den ersten Blick erscheint der Schritt, eine Bar zu schließen, in der Menschen umherlaufen und mit zunehmendem Alkoholgenuss lauter und mit mehr Leuten reden, sinnvoll.

Der Fußball hat Pause, da der Corona-Lockdown jeglichen Sport untersagt. Hier der Platz in Jülich, NRW (Symbolbild).

Zumindest sinnvoller als die Schließung eines Cafés, in dem man nachmittags seine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen in gesitteter Runde genießt. Eine Bar-Schließung scheint auch sinnvoller als die eines Restaurants, in dem man ein Abendessen zu sich nimmt.

Corona-Lockdown: Nicht alle Schließungen sind logisch und nachvollziehbar

Die Unterbrechung des Fußball- und Handballsports, bei dem es im Spiel zu zahlreichen Kontakten kommt, erscheint hingegen sinnvoller als die Schließung von Schwimmbädern, Kletter-, Tennis- oder Badmintonhallen. Das Gleiche gilt für Theater, Kinos oder ähnlichen Einrichtungen, oder?

Video: Corona-Lockdown: Wut bei Gastronomen und Veranstaltern enorm

Sind das alles Infektionsherde, Treiber der Pandemie? Kann man die Schließung aller genannten Einrichtungen noch nachvollziehen? Angela Merkel argumentiert damit, dass aktuell circa 75 Prozent der Neuinfektionen nicht mehr nachverfolgbar seien. Heißt: Wenn wir nicht wissen, wo sich die Leute anstecken, dann schließen wir eben einfach alles.

Allerdings weisen Verbände der Gastronomie, zum Beispiel der DEHOGA (Deutsche Hotel und Gaststättenverband e.V.), daraufhin, dass Gaststätten und Hotels keine Infektionsherde seien. Allerdings: Auch sie können es am Ende nicht zu 100 Prozent nachweisen.

Lockdown: Wo die Corona-Infektionsherde sind

Laut einer Studie des RKI aus dem August 2020 stecken sich die meisten Menschen im privaten Räumen und Altenheimen mit dem Coronavirus an. Auch eine Studie des US-Magazins „Science“ sieht eher den privaten Haushalt, private Feiern und Verbreitung durch Reisende als die Motoren der Pandemie.

Es wirkt demnach so, als dass nicht etwa Besucher von Gastronomiebetrieben oder Sporteinrichtungen mit Hygienekonzept gegen die AHAL-Regeln (Abstand, Hygiene, Atemmaske, Lüften) verstoßen haben, sondern Menschen auf Großhochzeiten oder privaten Feiern. Und von da aus ist das Virus dann in die Haushalte gelangt.

Doch wie sieht eine mögliche Lösung aus? Es müsste auf die Betriebe in Gastronomie, Kultur oder Sport Rücksicht genommen werden, wo es möglich ist. Die Infektionsherde liegen offenbar häufig an anderen Stellen. Da, wo keine große Gefahr lauert, sollten Existenzen geschützt werden. Das erfordert unterschiedliche Regelungen für unterschiedliche Einrichtungen - auch wenn das nicht einfach ist.

Also: Schließt die Einrichtungen, die gegen Hygienekonzepte verstoßen oder die als Infektionsherde bekannt sind. Aber es sollten Restaurants, Cafés, Kultur- und Sporteinrichtungen, wo nicht viel passiert ist, offen bleiben dürfen. Solange die AHAL-Regeln gewährleistet werden können, ist die Gefahr gering.

Corona-Lockdown erscheint unlogisch für zahlreiche Institutionen

Der neue Lockdown erscheint leider unlogisch und ist für zahlreiche Institutionen der Gesellschaft nicht berechtigt. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht abzuschätzen. Aber der Unmut von Gastronomen, Kulturschaffenden und Co. ist berechtigt. Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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