Kommentar

Cranger Kirmes cancelt „Layla“ und ignoriert damit das echte Problem an Sexismus

Immer mehr Volksfeste in Deutschland verbieten den Sommerhit „Layla“ – auch die Cranger Kirmes. Doch das verschleiert nur echte Probleme. Ein Kommentar.

NRW – Ein Volksfest in Würzburg hat es vorgemacht und unter anderem die Rheinkirmes in Düsseldorf und die Cranger Kirmes ziehen nach: Der Sommerhit „Layla“ von DJ Robin und Schürze darf bei den Veranstaltungen nicht gespielt werden. Der sexistische Songtext sei der Grund dafür. Doch mit dem Verbot werden nur echte Probleme kleingehalten, meint unsere Autorin.

VolksfestCranger Kirmes
Termin 2022Donnerstag, 4. August - Sonntag, 14. August
Homepagecranger-kirmes.de

Sexismus in Deutschland: Frauen verdienen immer noch weniger als Männer

Und damit sind nicht einmal die offensichtlichen Probleme wie der Ukraine-Krieg, die immer noch grassierende Corona-Pandemie oder der Klimawandel gemeint. Auch in Sachen Sexismus gibt es in Deutschland noch viel Nachholbedarf.

2022 verdienen Frauen nämlich in den gleichen Positionen immer noch rund 18 Prozent weniger als Männer, wie die Tagesschau berichtet. Einige arbeiten sogar gänzlich unbezahlt bei sogenannter „Care-Arbeit“. Kindererziehung, Fürsorge und Pflege von Angehörigen oder den Haushalt schmeißen ist leider noch immer Frauensache. Laut Oxfam können rund 42 Prozent der Frauen, aber nur 6 Prozent der Männer wegen dieser Aufgaben keiner erwerbsfähigen Tätigkeit nachgehen.

„Layla“-Verbot auf Cranger Kirmes: Sexismus ist noch ein Problem

Nicht einmal über ihren eigenen Körper haben Frauen ein absolutes Entscheidungsrecht. Abtreibungen sind laut Paragraf 218 Strafgesetzbuch (StGB) in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei.

Währenddessen trällert „Layla“ durch die Charts. Ein Song, der auf so vielen Ebenen problematisch ist. Und trotzdem bringt das Unterbinden auf der Cranger Kirmes nur herzlich wenig – es macht sogar umso wütender.

Sexismus – Was bedeutet das eigentlich?

Sexismus: Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die (daher für gerechtfertigt gehaltene) Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts. Quelle: Duden

Cranger Kirmes verbietet „Layla“: Symbolpolitik, die einfach nur wütend macht

„Schöner, jünger, geiler“: So wird die „Puffmutter“ Layla in dem Song beschrieben. Was erst nach einem gut gemeinten Kompliment klingen mag, ist in Wahrheit pure Objektifizierung und Degradierung von Frauen. Das Weltbild, das hier transportiert wird, duldet offenbar keine „alten“ Frauen und erst recht nicht solche, die nicht attraktiv sind. Frauen sind nur dann etwas wert, wenn sie schön und willig sind.

Hinzu kommt das generell komplexe und umstrittene Oberthema Prostitution. Eine Branche, in der es zwar auch selbstbestimmte Frauen gibt. Fakt ist aber, dass 95 Prozent der Beschäftigten angeben, schon einmal sexuelle Belästigung erfahren zu haben. Hier liegt ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen vor, das im Song „Layla“ beschönigt wird.

Ein Verbot von „Layla“ wird Sexismus in Deutschland nicht beenden.

Der Song wird völlig zu Recht kritisiert. Wer noch denkt, dass „Layla“ nicht sexistisch, sondern ein Kompliment an eine selbstbewusste Frau sei, nimmt es wohl auch persönlich, wenn Lebensmittelhersteller ihre rassistischen Produktnamen ändern, wie etwa Knorr bei einer Grillsauce. Der blanke Hohn an der ganzen Sache: Andere Schlager- oder Hip-Hop-Songs, die ebenso sexistisch sind, werden weiterhin gespielt. Diese Symbolpolitik bringt niemanden weiter und ist wohl eher wie ein Faustschlag ins Gesicht für Frauen.

„Layla“ darf auf Cranger Kirmes nicht gespielt werden: Für Frauen ändert das nichts

Denn eins ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Auch mit „Layla“-Verbot werden Frauen in Werbung, Filmen und anderen Songs weiterhin auf ihren Körper reduziert werden. Das „Layla“-Verbot wird auch nicht verhindern können, dass es 2022 auf genannten Rummeln und Volksfesten zu sexuellen Übergriffen kommen wird und die Opfer – je nach Outfit – am Ende nicht ernst genommen werden. Ein „Layla“-Verbot kann nicht verhindern, dass Frauen im Dunkeln Angst haben, wenn sie alleine auf dem Weg nach Hause sind.

Diese Symbolpolitik hält Frauen im Grunde weiterhin klein, statt echte Probleme anzugehen. Sexismus und Ungleichheit wird vielleicht oberflächlich von der Cranger Kirmes verbannt, aber nicht aus den Köpfen. Und gerade dort müsste ein Umdenken stattfinden, statt ein Verbot von Musik durchzuringen. Davon kann ich mir als Frau wortwörtlich auch nichts kaufen.

Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Hans Blossey/Zuma Wire/Imago; Collage: RUHR24

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