Kommentar

Saukalt in NRW-Schwimmbädern – sind euch die Kinder egal?

Draußen ist es kalt, die Heizung für drinnen ist teuer. Auch Schwimmbäder sparen. Doch, wie sinnvoll ist das? Ein Kommentar.

NRW – Die Energiekrise hat viele Gesichter. Mal zeigt sie sich in Form von teuren Preisen im Supermarkt, dann wieder in Sparmaßnahmen zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten im Ruhrgebiet. Eines eint diese ganzen Probleme: Die Stimmung bei vielen Menschen in NRW ist so kühl wie ihre Schlafzimmer, in denen die Heizung aus Trotz vor den hohen Energiepreisen nicht eingeschaltet wird.

BundeslandNRW
Thema Energiesparmaßnahmen
FolgeKälte im Winter

„Mir ist kalt“ – Energiesparen in Hallenbädern kann besonders für Kinder in NRW ungemütlich werden

Kalt wurde mir auch, als ich vor knapp einer Woche zum Schwimmen ins Hallenbad nach Soest gefahren bin. Nach einer langen Arbeitswoche wollte ich entspannen und ein paar gemütliche Runden drehen. Umgezogen und geduscht schlug mir allerdings der kalte Atem der Energiekrise entgegen. Stimmt, da war ja was.

Da ich generell ein sparsamer Mensch bin, der auch gern mal aus Umweltgründen verzichtet, machte sich nach dem ersten Frösteln dennoch ein Lächeln auf meinen Lippen breit. Ja, es ist kalt – aber was ein Luxusproblem. Schnell ab ins Wasser und ein bisschen bewegen. Vielleicht wird es dann besser.

Das Wasser hatte etwas von lauwarm. Ganz in Ordnung. Mir fällt die Instagram-Story von einer Influencerin ein, der ich folge. Hier ging es um kleine Kinder, denen bei den kühlen Temperaturen in den Schwimmhallen nicht nur kalt, sondern schnell auch mal sehr kalt werden kann. Steht der Winter ins Haus, könnte das unter Umständen sogar gefährlich werden – Stichwort Lungenentzündung.

Kalte Jahreszeit lässt Sparmaßnahmen wegen der Energiekrise in NRW deutlich spüren

Jetzt ist mir auch wieder kalt. Immerhin fällt der Umstieg vom Erlebnisbecken ins Sportbecken nicht mehr so schwer – beides nicht mehr als lauwarm. Als die ersten Schwimmbäder im Sommer aufgehört haben ihre Becken hochzuheizen, dürfte das kaum wen gestört haben. Schließlich war der August vielerorts der trockenste und heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen – eine Folge der Klimakrise.

Einige Monate und Einsparungen später dagegen fällt mir auf, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine in vielen Bereichen gar nicht so weit weg ist, wie uns lieb wäre. Wir spüren die Reaktion von Putin auf die deutschen Sanktionen im Portemonnaie. Gas ist knapp sowie teuer geworden – mit dem Energieträger auch Döner, Grundnahrungsmittel und die Heizung.

Müssen Schwimmbäder in NRW wegen der Energiekrise sparen?

Und in meinem kalten Schwimmbad-Feierabend merke ich die Einsparungen auch am eigenen Körper. Doch, wie ist die Rechtslage hier eigentlich? Hat die Bundesregierung klare Vorgaben für Schwimmbäder gemacht? In der Energiesparverordnung der Bundesregierung vom 1. September heißt es:

„In Gebäuden oder zugehörigen privaten Gärten ist die Beheizung von privaten, nichtgewerblichen, innen- oder außenliegenden Schwimm- und Badebecken einschließlich Aufstellbecken mit Gas oder mit Strom aus dem Stromnetz untersagt. Satz 1 ist nicht anzuwenden, sofern die Beheizung zwingend notwendig für therapeutische Anwendungen ist“.

Kinder könnten sich in schlecht beheizten Hallenbädern schnell verkühlen (Symbolbild).

Das lässt sich nun aber eher auf das private Badevergnügen Zuhause übertragen. Wie sieht es aber bei den Schwimmbädern aus? Fakt ist: Viele sparen mehr oder weniger freiwillig. Ob wirklich wegen eines guten Gewissens oder gar wegen der Umwelt – wohl eher auch wegen der hohen Kosten. Viele Freizeitbäder stellen aus diesem Grund unter der Woche auch Schwitzkabinen im Saunabereich aus.

Freizeitbecken in NRW sollen abgeschaltet werden – Sportbund gibt Empfehlungen für Schwimmbäder

Öffentliche Gebäude sollen nicht höher als auf 19 Grad beheizt werden. Für Sporthallen empfiehlt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine Temperatur von 17 Grad. Lässt sich das so leicht auf Schwimmhallen, in denen sich nasse, bekleidete Menschen allen Alters und Gesundheitszustandes bewegen, übertragen?

Der DOSB hat für Schwimmbäder eigene Richtlinien entworfen. Wie die Tagesschau berichtet, sollen beheizte Außenbecken abgeschaltet werden. Und es wird noch radikaler. Demnach sollen nämlich alle Becken bis auf Sport- und Lehrbecken außer Betrieb genommen werden. Die verbleibenden Becken sollen nicht wärmer als 26 Grad sein.

Dabei handelt sich erstmal nur um Empfehlungen. Im schlimmsten Fall könnte sogar eine Abschaltung ganzer Bäder drohen, da sie nicht zur kritischen Infrastruktur gehören, wie ein Sprecher der Bundesnetzagentur der WAZ gesagt hat. Das dürften die durch Corona gebeutelten Bäder und Eltern mit Kindern, die gerade schwimmen lernen, anders sehen.

Wegen der Energiekrise heizen auch viele Schwimmbäder weniger (Symbolbild).

Whirlpool wird zum Notnagel im kalten Hallenbad: Bleiben Kunden wegen Energiesparmaßnahmen weg?

Ich bin mittlerweile dann doch mit meinem Partner in das wärmste Becken umgezogen – den Whirlpool. Hier lässt es sich aushalten. Ich bemerke, dass auch mehr Kinder das eigentlich recht langweilige Becken aufsuchen, als vermutlich sonst. Insgesamt ist das Bad an diesem Sonntagabend sehr leer – nur der Whirlpool ist quasi ausgebucht. So sehr, dass der Bademeister aus Coronagründen zwischendurch Gäste zum Gehen motiviert.

Doch, was kann die Lösung für die kalten Schwimmhallen in NRW sein? Und kann es überhaupt eine geben? Denkbar wäre es, die Taktik der Saunaeinsparungen zu wählen. Also lieber weniger Becken heizen, als alle nur ein bisschen aufzuwärmen. Falls dies technisch überhaupt umsetzbar wäre (mehr News aus NRW bei RUHR24).

Dabei ist aus meiner Sicht das Wasser gar nicht das Hauptproblem. Es geht mehr um das herauskommen. Wer kränkelt, jung oder alt ist, könnte sich an der frischen Luft schnell verkühlen. Es ist also zu überlegen, wie sinnvoll solche Einsparungen generell sind. Oder ob es nicht besser wäre mehr auf das Energiesparen im privaten zu setzen und dafür Groß und Klein gemeinschaftliche Wärmeoasen wie Schwimmbäder zu lassen.

Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © biky/Imago

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