Einigung in Sicht

Kohleausstieg in NRW: Klimaschützer können aufatmen - aber nur teilweise

Bund und Länder haben sich auf einen Ausstieg aus der Kohle geeinigt. Was für die Regierung in NRW akzeptabel ist, ist nur ein Teilerfolg für Klimaschützer.

  • Die Regierung hat sich auf einen Fahrplan beim Kohleausstieg geeinigt.
  • Klimaschützer in NRW dürfen sich freuen: Der Hambacher Forst bleibt.
  • Dafür geht ein neues Kraftwerk ans Netz

Berlin - Nichts hatte den Klimaaktivismus so sehr polarisiert wie der Hambacher Forst - na, gut Greta Thunberg (17) vielleicht. Aber der Schutz des Waldes, kurz "Hambi",  war zu einem regelrechten Symbol für den Klimaschutz geworden. Nicht nur in NRW, sondern auch international gingen tausende Menschen für den Wald auf die Straße. Nun gibt es gute Nachrichten für alle, die ihn davor schützen wollten, dass er dem Braunkohletagebau zum Opfer fällt: Hambi bleibt

Kohleausstieg in NRW: Hambi bleibt, Datteln kommt

Die Einigung auf den deutschlandweiten Kohleausstieg fiel in der Nacht auf Donnerstag (16. Januar). Besonders interessant ist das für NRW und einige ostdeutsche Bundesländer, denn hier gibt es noch die meisten Kohlekraftwerke. Doch die sollen nun nach und nach abgeschaltet werden. Bis 2038, so der Plan.

Bis dahin ist aber noch etwas Zeit. Deshalb hat man sich zwar langfristig auf den Kohleausstieg geeinigt, bis dahin kann aber noch einiges verfeuert werden. Denn auch wenn bis Ende 2022 insgesamt sieben Braunkohleblöcke abgeschaltet werden sollen, kommt dafür gleich ein neues ans Netz: das umstrittene Werk Datteln 4.

Kohleausstieg ungenügend: Klimaaktivisten in NRW kündigen weitere Proteste an

Besonders Klimaschützer und Umweltaktivisten haben deshalb die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Denn neben zahlreichen Protesten zum Schutz des Hambacher Forstes waren auch tausende Menschen, unter anderem Greta Thunberg, gegen den Bau des Steinkohlekraftwerks auf die Straße gegangen. 

Umweltverbände hielten das umstrittene Kraftwerk für ein falsches Signal im Klimaschutz und befürchten, dass noch mehr CO2 ausgestoßen werden könnte. Sie kündigten nun an, ihre Proteste rund um den Hambacher Forst, auf das Kraftwerk Datteln 4 zu überragen. "Datteln 4? Nicht mit mir!" heißt der Slogan der Proteste, die jetzt nochmal so richtig an Fahrt aufnehmen sollen, obwohl sie bereits seit mehr als zehn Jahren andauern.

Hambi bleibt: Teilerfolg beim Kohleausstieg in NRW

Und die Proteste rund um den Hambacher Forst hatten ganz NRW in Atem gehalten. Selbst in Dortmund hatte man für den Erhalt des Waldes demonstriert - aber aus einem ganz bestimmten Grund. Und letztendlich mit Erfolg wie man sieht. Denn: Hambi bleibt!

Der Tagebau bei Hambach soll im Rahmen des Kohleausstiegs verkleinert werden, sodass die Bäume nicht gerodet werden müssen. Anders sieht es in Garzweiler aus. Hier wird wie geplant weiter gebaggert. Und das bedeutet: Zahlreiche Menschen müssen hier umgesiedelt werden. 

So verläuft der Kohleausstieg in NRW

Dennoch bezeichnet NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Einigung beim Kohleausstieg als "wichtigen Durchbruch für den Klimaschutz". Man habe sich auf einen Plan geeinigt, der den Schutz des Klimas, die Versorgungssicherheit, die Industrie und die Struktur der betroffenen Regionen vereint, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). 

Der Plan beim Kohleausstieg sieht in NRW diese Schritte vor:

  • 2020 soll der erste Kraftwerksblock in NRW abgeschaltet werden. Welcher das sein wird, ist noch unklar.
  • Bis Ende 2022 werden sieben weitere Blöcke abgeschaltet: vor allem alte Anlagen wie in Neurath, Niederaußem und Weisweiler.
  • Weitere fünf Blöcke gehen bis 2030 in Niederaußem und Weisweiler vom Netz.
  • Die ab 2020 übrigen drei Braunkohle-Blöcke sollen über eine optimierte Anlagentechnik verfügen und deshalb bis 2038 aktiv bleiben.
  • Ebenso wie das Steinkohlekraftwerk Datteln 4. Deren Inbetriebnahme wollte die Politik nicht verhindern.

NRW soll nicht unter dem Kohleausstieg leiden

Die Sorge in den Kohleregionen wie NRW ist immer groß, wenn es um den Kohleausstieg geht. Wie steht es um Arbeitsplätze, fragen sich viele. Und auch hier sieht der Plan der Regierung eine Lösung vor:

Betreiber wie RWE bekommen eine Entschädigung von 2,6 Millionen Euro. Zudem werden 700 Millionen für Mitarbeiter in Kraftwerken und Tagebauen gezahlt, deren Arbeitsplätze wahrscheinlich entfallen. Zusätzlich erhält NRW vom Bund in den nächsten 20 Jahren 15 Milliarden - für Strukturhilfen. M it dpa Material

Rubriklistenbild: © dpa/Collage: Ruhr24

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