Nach Kindesmissbrauch in Lügde: Minister will Veränderungen in Jugendämtern

Joachim Stamp nimmt Kommunen in die Pflicht. Foto: Christophe Gateau/dpa
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Joachim Stamp nimmt Kommunen in die Pflicht. Foto: Christophe Gateau/dpa

NRWs Familienminister Joachim Stamp (FDP) sieht nach dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde personelle Schwächen bei den Jugendämtern.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) sieht nach dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde personelle Schwächen bei den Jugendämtern. Er sieht die Kommunen in der Pflicht.

  • Stamp will speziell für Missbrauchsfälle geschulte Mitarbeiter in Jugendämtern.
  • Er fordert Kommunen zum Handeln auf.
  • Jugendämter hatten Warnungen vor Andreas V. ignoriert, der 40 Kinder missbrauchte.

Die Kommunen, so Stamp gegenüber dem Westfalen-Blatt, müssen in ihren Jugendämtern sicherstellen, dass speziell geschulte Mitarbeiter für Fälle von Kindesmissbrauch verfügbar sind. "Manche Kommune steht da noch auf der Bremse - auch, was die Frage der Mindestgröße von Jugendämtern angeht", so Stamp.

"Nicht in jedem Jugendamt hinreichend Expertise vorhanden"

Man brauche eine gewisse Mindestgröße bei Jugendämtern, damit auch Mitarbeiter mit speziellen Qualifikationen anwesend sind. "Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist ein eigener Aspekt, der zusätzlich geprüft werden muss. Und da ist nicht in jedem Jugendamt hinreichend Expertise vorhanden", sagt der Minister.

Auf einem Campingplatz in Lügde wurden über 40 Kinder von 2008 bis Dezember 2018 tausendfach missbraucht und vergewaltigt. Haupttäter ist der 56-jährige Dauercamper Andreas V., er steht momentan vor Gericht.

Jugendämter haben Hinweise auf Pädophilie und akuter Kindswohlgefährung ignoriert und Andreas V. trotzdem Kinder in Pflege gegeben. Zusätzlich verschwanden bei der Polizei Beweismittel. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von "Behördenversagen an allen Ecken und Kanten".