Kindesmissbrauch

Kindesmissbrauch von Bergisch Gladbach: "Bewerter" sollen Psycho-Arbeit für Polizei machen

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Missbrauchsfall Bergisch Gladbach

Im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach sichten neu eingestellte "Bewerter" die riesigen Datenmengen mit kinderpornografischen Bildern und Videos. Der Fall gilt als Bewährungsprobe, denn sie gehören nicht der Polizei an.

  • Bei den Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach wurden große Datenmengen sichergestellt.
  • Statt Polizeibeamten übernehmen "Bewerter" die Sichtung der sichergestellten Bilder und Videos.
  • Dazu wurden 14 "Bewerter" neu eingestellt.

LKA setzt "Bewerter" im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach ein

Bergisch Gladbach - Es ist eine Bewährungsprobe für die 14 neu eingestellten "Bewerter". Sie sollen die Sichtung des kinderpornografischen Materials übernehmen, dass die Polizei im Zuge der Ermittlungen im Fall von Bergisch Gladbach sichergestellt hat.

Es sind riesige Datenmenge die der Polizei vorliegen. Und noch können die Ermittler die Dimension des Missbrauchsfalls von Bergisch Gladbach nur erahnen: Denn neben den bereits identifizierten Tatverdächtigen, könnten noch weitere, unbekannte Täter weiterhin aktiv sein. Die Ermittler erwarten, dass sie ihre Suche weiter ausdehnen werden - bis in andere Bundesländer, vielleicht sogar bis ins Ausland. 

Missbrauch von Bergisch Gladbach: Täter tauschten Bilder in riesigen Chat-Gruppen

Laut Kölner Polizei haben die Verdächtigen sich in Chat-Gruppen mit mehr als 1800 Mitglieder ausgetauscht. Fotos und Videos von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern wurden hin und hergeschoben. 250 Ermittler arbeiten bereits an der Aufklärung. Doch die Sichtung der riesigen Datenmengen können sie nicht stemmen - auch, weil es die Beamten zum Teil massiv belastet.

Deswegen hat das LKA jetzt neue Mitarbeiter eingestellt. Per Ausschreibung wurde gezielt nach Personen gesucht, die damit umgehen können, "Kontakt mit kinderpornografischen Darstellungen arbeitstäglich" zu haben. Zu den Aufgaben der "Bewerter" gehört also das "Sichten und selbstständiges Einordnen der Bilder und Videos" - und das jeden Tag.

Die neuen Mitarbeiter kommen vom freien Arbeitsmarkt. Sie verdienen nach Landes-Tarifvertrag (Stufe 11) rund 3200 Euro im Monat, im ersten Jahr. Insgesamt suchte das LKA schon im Frühjahr nach 24 externen Mitarbeiter, von denen eben jene 14 "Bewerter" speziell zur Sichtung kinderpornografischen Materials eingesetzt werden. Ihren ersten Einsatz, und somit ihr Bewährungsprobe, haben sie jetzt mit dem aktuellen Missbrauchsfall aus Bergisch Gladbach.

Bewerter im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach ohne kriminalistische Erfahrung

Laut einem Bericht vonSpiegel Online, sollen bei der Polizei in NRW zukünftig immer wieder Mitarbeiter ohne kriminalistische Erfahrung zum Sichten kinderpornografischen Materials eingesetzt werden. Wie das LKA gegenüber Spiegel Online bestätigt, komme man bei den immer weiter steigenden Datenmengen kaum hinterher.

Für die Bewerber auf diese Stellen gelten laut des Berichts besondere Anforderungen: "Sie müssen psychisch belastbarer sein als der Normalbürger." Und: "Sie müssen sich Gesichter und Stimmen gut merken können", heißt es vom LKA.

Neben den zu bewältigenden riesigen Datenmengen - wie es auch schon im Missbrauchsfall von Lügde der Fall war - gibt es aber noch einen weiteren Grund, diese Aufgabe nicht mehr ausschließlich in die Hände der Polizisten und Ermittler zu legen. Ermittler, die bisher mit dem Sichten des Materials beschäftigt waren, berichten von der großen psychischen Belastung, die diese Arbeit mit sich bringe. 

Das pure Grauen: Bilder vom Missbrauch wie in Bergisch Gladbach

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung ist die Rede von Wut, davon, dass die Arbeit der Ermittler deren Partnerschaft und deren Sexualität beeinflusse. Und auch davon, dass es manchmal einfach nicht mehr auszuhalten sei auf die Bilder und Videos zu starren, die mitunter das pure Grauen zeigen. Aber auch der Angst der Ermittler, vor einem Gewöhnungseffekt. 

Tatsächlich entdeckten Ermittler im Jahr 2012 bei der Sichtung einer Käuferliste von kinderpornografischen Bildern nicht nur den Namen damaligen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, sondern auch einen ehemaligen Gruppenleiter beim BKA. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung stellte eine Psychologin allerdings klar: "Man kann aus psychologischer Sicht nicht pädophil werden durch das Betrachten, aber man kann Interessen bei sich entdecken, von denen man vorher nichts ahnte."