Chaos, Müll und KVB-Zusammenbruch

Start in den Kölner Karneval: Was lief am 11.11. falsch?

Was lief am 11.11. in Köln falsch? Diese Frage zum Kölner Karneval stellen sich gerade viele. Vor allem für die Stadt Köln gibt es aktuell viel Kritik.

Köln – Bereits im Vorfeld wurden Stimmen laut: Was ist, wenn es am 11.11. in Köln erneut zu unschönen Szenen kommen wird? Bezirksbürgermeister Andreas Hupke befürchtete einen „Saufexzess mit 30.000 Menschen“ und selbst Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte bereits im Vorfeld „Schön wird der 11.11. auch dieses Jahr nicht“. Dabei hat die Stadt extra ein Sicherheitskonzept für die berüchtigte Party-Zone an der Zülpicher Straße erstellen lassen. Doch zu den „unschönen Bilder“ im Kölner Karneval, die viele bereits befürchteten, ist es dennoch gekommen.

Auftakt des Kölner Karnevals: Was lief am 11.11. in Köln falsch?

Kritik nach dem 11.11. in Köln: Das ist beim Karneval schiefgelaufen

► Die KVB wurde in der kompletten Kölner Innenstadt eingestellt.

► Am Eingang zur Zülpicher Straße kam es zu besonders unschönen Szenen: Weil die Party-Zone zu voll war, stürmten Feiernde die Kontrollen. Besonders eng wurde es dabei im Bereich der Unterführung.

► Weil die Zülpicher Straßen wegen Überfüllung gesperrt worden ist, wichen viele auf die nahegelegene Uniwiese aus. Doch Dixiklos und Mülleimer gab es dort nicht. Die Folge: Müllberge, Verschmutzung und eine völlig zerstörte Wiese.

Karneval in Köln: Was lief am 11.11. falsch? KVB-Zusammenbruch, Zülpicher und Uniwiese

Was ist bei der KVB schiefgelaufen? Bereits am Vormittag wurden die Stadtbahnlinien der KVB weitestgehend stillgelegt. Zwar war im Vorfeld klar, dass es Einschränkungen geben wird, das Ausmaß am 11.11. kam für viele dann aber doch überraschend. Der Grund: „Beim Verhalten der Menschenmassen, die am Freitag in Köln waren, konnte dieses Konzept nicht eingehalten werden“, erklärt die KVB im Gespräch mit 24RHEIN.

Vor allem durch die neue Eingangssituation auf der Zülpicher Straße kam es zu Störungen, die sich auf die KVB auswirkten. „Dass wir die Linie 18 auf der Luxemburger Straße trennen mussten, war aus unserer Sicht angesichts des städtischen Konzeptes mit nur einem Eingang zur Feierzone an der Uni-Mensa absehbar.“ Dabei sollte durch den neuen Eingang eigentlich ein besserer Betrieb für die KVB gewährleistet werden.

Im Bereich Aachener Weiher/Richard-Wagner-Straße wurde es ebenfalls eng: Der sichere und ordnungsgemäße Stadtbahn-Betrieb war zeitweise nicht mehr möglich. „Die Einstellung des Stadtbahn-Betriebs im Innenstadt-Tunnel erfolgte nach Aufforderung und in Absprache mit der Polizei. Die Polizei wollte verhindern, dass weitere Menschen in den überfüllten Feierbereich kamen. Hinzu kam, dass bereits Menschen durch den Tunnel liefen, was dort einen sicheren Betrieb ohnehin unmöglich gemacht hätte“, erklärt die KVB weiter.

Was ist beim Eingang der Zülpicher Straße schiefgelaufen? Doch nicht nur auf die KVB hatte das neue Sicherheitskonzept schwerwiegende Folgen. Der Andrang war so groß, dass bereits um kurz nach 11 Uhr der Zugang zur Zülpicher Straße geschlossen worden ist. Doch das Konzept „Entlastungsfläche vor dem Eingangsbereich“ ging nicht auf. Der Bereich wurde so voll, dass die Sicherheitskräfte überfordert waren. Um Schlimmeres zu verhindern und eine drohende Überfüllung in der nahegelegenen Unetrführung zum Bahnhof zu verhindern, musste die Polizei einschreiten.

Welche Rolle spielte die Uniwiese am 11.11.? Eigentlich sollte mit dem neuen Sicherheitskonzept auch die Uniwiese geschützt werden. Teilweise wurden extra Zäune und Schutzmatten aufgebaut, damit die Rasenfläche nicht zu sehr unter der Menschenmasse leidet. Doch als die Zülpicher Straße und die Entlastungsfläche zu voll wurden, wurde die Uniwiese zwischen Zülpicher Straße und Aachener Weiher als Notfläche genutzt. Das Problem dabei: Anders als bei der eigentlichen Entlastungsfläche gab es hier weder Dixiklos noch Mülleimer. Die Folge: Unmengen an Müll und extrem viele Wildpinkler.

Karneval in Köln: Messerstiche, Anzeigen, Wildpinkler – so fällt die Bilanz zum 11.11. aus

Einsätze bei der Polizei: 335
Strafanzeigen:145
Alkoholisierte Personen in Polizeigewahrsam genommen:28
Präventivgespräche vom Ordnungsamt wegen Jugendschutz:206 im Zülpicher Viertel
Jugendschutz-Maßnahmen des Ordnungsamts:60 (davon 57 wegen Alkohol)
Ansprachen wegen Glasverbots: 66 Personen und 2 Gewerbebetriebe
Wildpinkler: 317 (268 Männer und 49 Frauen)
Rettungsdiensteinsätze: 930 (davon 215 im Zülpicher Viertel)

11.11. in Köln war „Desaster mit Ansage“: Kritik für Stadt nimmt nicht ab

Für Bezirksbürgermeister Andreas Hupke, FDP-Geschäfsführer Ulrich Breite und Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn ist klar, dass sich etwas ändern muss. Vor allem für die Stadt gibt es viel Kritik. „Ich bin wirklich fassungslos. Das ist ein Desaster mit Ansage gewesen. Das war haarscharf an einer Katastrophe vorbei“, sagt FDP-Geschäfsführer Ulrich Breite. „Wenn so viele Menschen kommen, kann man doch kein Nadelöhr zum Eingang machen.“ Sein Fazit: „Die Stadt hat auf ganzer Linie versagt.“

„Der Wahnsinn, der da stattgefunden hat, darf sich nicht wiederholen. Der Rat und die Stadt können nicht mehr weggucken“, sagt Bezirksbürgermeister Hupke im Gespräch mit 24RHEIN. „Die Menschen kamen nicht mehr zur Arbeit. Die komplette Kölner Innenstadt war lahmgelegt – lahmgelegt durch die Massen, die von der Stadt herbeigerufen worden sind.“ Schon seit Langem fordert Hupke darum, dass es eine Imagekampagne geben muss.

Weite Teile der Politik sind sich offenbar einig: „Die chaotischen Zustände um den Bereich des Kwartier Latäng (Bereich rund um die Zülpicher Straße; Anm. d. Red.) waren ein Scheitern mit Ansage. Während das Konzept innerhalb des Kwartier Latäng weitestgehend aufging, verdrängte man das Problem unkontrolliert auf die umliegenden Bereiche der Innenstadt“, so Christian Joisten, Vorsitzender SPD-Ratsfraktion.

Und auch das Festkomitee Kölner Karneval (FK) findet deutliche Worte: „Wenn Sperren durchbrochen und Wiesen als Partymeilen missbraucht werden, dann zeigt das, dass einfach zu viele Menschen vor Ort sind. Auch wenn die Stimmung nicht aggressiv war, entstehen durch diese Massen schnell Situationen, die für die Beteiligten gefährlich werden können“, sagt FK-Präsident Christoph Kuckelkorn gegenüber 24RHEIN. „Für diese hohe Anzahl an Feiernden hat das Sicherheitskonzept sichtbar nicht ausgereicht.“ 

Karneval in Köln: Trotz Chaos, Müll und Verschmutzung – Reker sieht 11.11. „überwiegend gelungen“

Und was sagt die Stadt? Von chaotischen Zuständen und einem nicht ausreichenden Sicherheitskonzept will man offenbar wenig wissen. „Das Konzept der Stadt hatte zum Ziel, die Anwohnenden, die einer besonderen Belastung ausgesetzt sind, bestmöglich zu schützen und für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen. Das ist uns überwiegend gelungen“, erklärt Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Wir werden jetzt auswerten, was hat gut funktioniert und was hat weniger gut funktioniert. Diese Ergebnisse werden wir zeitnah dem Runden Tisch Karneval vorstellen.“

Außerdem: Künftig soll offenbar nicht nur das Sicherheitskonzept von einer externen Firma übernommen werden. Auch die Veranstaltung selbst soll eine neue Leitung bekommen. „Als Stadt würden wir es nach wie vor begrüßen, wenn sich professionelle Veranstalter finden würden, die bereit wären, eine Veranstaltung zu organisieren, die zu einer Verteilung der Feiernden und zu einer verbesserten Situation rund um die Zülpicher Straße beiträgt.“

Dass es dazu kommt, dürfte allerdings schwierig werden – auch aufgrund des Verhaltens der Stadt. Denn wie FK-Präsident Kuckelkorn und FDP-Fraktionsvorsitzender Breite erklären, habe die Stadt in der Vergangenheit dafür nur wenig unternommen. Dabei wollte das FK sogar die Stadt unterstützen. „Dieses Angebot von unserer Seite bestand auch schon im Vorfeld auf den jetzigen 11.11., allerdings hatte das Ordnungsamt eine alternative Veranstaltungsfläche als nicht zielführend abgelehnt.“ Ob es für die Tage rund um Rosenmontag 2023 klappt, bleibt abzuwarten. Klar ist allerdings: Viel Zeit dafür bleibt nicht mehr. (jw)

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