Corona-Pandemie

Neue Corona-Inzidenzstufe in NRW: Massive Lockerungen im Anmarsch

In NRW gilt bald eine neue Inzidenzstufe, die Stufe 0. Sie soll in Städten und Kreisen mit Inzidenzen unter 10 gelten. Statt Masken- und Abstandspflicht gelten dann nur noch Empfehlungen.

Dortmund – Die Landesregierung in NRW schafft eine neue Inzidenzstufe: die Stufe 0. Sie soll dort gelten, wo sich in der Woche weniger als 10 Menschen pro 100.000 mit dem Coronavirus anstecken. Das gab NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch (7. Juli) bekannt.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Inzidenzwert5,8 (+0,2; Stand: 7. Juli)
GesundheitsministerKarl-Josef Laumann (CDU)

NRW schafft neue Corona-Inzidenzstufe 0 – viele Verbote fallen weg

Die neue Inzidenzstufe 0 soll ab Freitag (9. Juli) gelten und dafür sorgen, dass Ge- und Verbote „weitestgehend wegfallen“, sagte Laumann am Mittag bei einer Pressekonferenz. Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht seien dann nur noch eine Empfehlung. Weiter würden sie nur dort gelten, wo Ungeimpfte oder gefährdete Menschen sich weiter anstecken können, etwa im ÖPNV oder in Arztpraxen.

Grund für die neue Stufe sei die „ziemlich entspannte Situation“, die aktuell auch in den Krankenhäusern herrsche. Es gebe nur drei oder vier Kreise in NRW, die noch eine Inzidenz von über 10 hätten, sagte Laumann. Daher sei es eine „gute Idee“, die Situation von vor der Pandemie in diesen Regionen wieder herzustellen. Tests als „Schutzschild“ hält er jedoch weiter für zwingend. Für Genesene und Geimpfte entfällt die Testpflicht.

Die drei bisherigen Inzidenzstufen in NRW würden unverändert greifen, sobald der Inzidenzwert acht Tage lang zu hoch sei. Die Coronaschutzverordnung werde somit auch nicht abgeschafft, sondern in neuer Form bis zum 5. August 2021 verlängert.

Corona in NRW: Neue Inzidenzstufe lässt Maskenpflicht und Kontaktbeschränkung auslaufen

In der neuen Inzidenzstufe 0 in NRW gelten folgende grundsätzliche Regeln:

  • Es gibt keine Kontaktbeschränkungen mehr. Abstandsgebot im öffentlichen Raum gilt nur noch als Empfehlung.
  • Die Maskenpflicht ist grundsätzlich nur noch eine Empfehlung, wenn NRW-weit Stufe 0 gilt.

Aktuell würde NRW ebenfalls in der neuen Stufe 0 liegen, da die Inzidenz seit Tagen unterhalb von 10 liegt.

Corona-Inzidenzstufe 0 in NRW: Regeln für Gastronomie, Kultur und Kirmes

Kulturveranstaltungen: Wenn ein negativer Test verlangt wird, gilt bei Stufe 0 nur noch Maskenpflicht oder Abstandsregel. Wo bislang nur Maskenpflicht oder Testpflicht galt, fallen beide Regelungen weg.

Sportveranstaltung: Ab 5.000 Zuschauern brauchen alle Nicht-Immunisierten einen negativen Test, wobei auch geimpfte Zuschauer mitgezählt werden. Maximal sind 25.000 Zuschauer oder 50 Prozent Auslastung erlaubt. Hygienekonzept ist nötig.

Volksfeste, Kirmes, Straßenfest: Dürfen wie zuvor stattfinden. Alle Besucher müssen jedoch einen negativen Test vorlegen. Das Ordnungsamt kontrolliert stichprobenartig.

Discos: Können ab Stufe 0 öffnen, mit Test und Hygienekonzept auch mit mehr als 100 Personen. Landkreis und NRW-weit muss Stufe 0 gelten.

Private Feiern: Ab 50 Teilnehmern Testpflicht, dann keine Beschränkungen. Ohne Test gelten Maskenpflicht und Mindestabstand.

NRW-Gesundheitsminister Laumann informiert heute über die aktuelle Corona-Lage.

Corona in NRW: Neue Regeln für Handel, Hotels und Versammlungen

Handel und Dienstleistung: Keine Einschränkungen bis auf Maskenpflicht oder Tests im Einzelhandel und körpernahen Dienstleistungen.

Körpernahe Dienstleistungen und Gastronomie: Entweder Angestellte und Bedienungen tragen eine Maske, oder sie lassen sich alle 48 Stundennegativ auf das Coronavirus testen.

Versammlungen: Keine Einschränkungen mehr.

Hotels: Keine Beschränkungen bis auf Abstände zwischen den Tischen: 1,50 Meter. Bei Übernachtung weiterhin Kontakterfassung.

NRW: Ausnahmen der neuen Inzidenzstufe 0

Ausnahmen von diesen Regeln gelten dort, wo Menschen anwesend sind, die noch nicht ausreichend vor dem Coronavirus geschützt sind, also etwa Ungeimpfte. Zu diesen Orten gehören unter anderem:

  • Öffentlicher Personennahverkehr
  • Einzelhandel
  • Taxen und Schülertransporte
  • Arztpraxen

Eine Sonderregelung wird es für die Schulen in NRW geben. In den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien werde eine Maskenpflicht gelten. Weil dort noch viele ungeimpfte Kinder sitzen, vor allem diejenigen unter 12 Jahren, werden dann gesondert beraten.

Corona in NRW: Testpflicht für Arbeitnehmer nach dem Urlaub

Eine besondere Regelung wurde zudem in die neue Coronaschutzverordnung aufgenommen. Sie betrifft ab dem 1. Juli Beschäftigte, die nach dem Urlaub oder mindestens fünf freien Tagen an den Arbeitsplatz zurückkehren.

„Sie müssen am ersten Tag an ihrem Arbeitsplatz ein negatives Testergebnis vorweisen oder vor Ort einen Selbsttest durchführen“, sagte Laumann. Die Vorschrift solle verhindern, dass Angestellte nach Reisen keine Viren einschleppen. Die generelle Pflicht sei nötig, da es den Arbeitgeber nichts angehe, wohin jemand in den Urlaub fahre, sagte er.

Neue Inzidenzstufe in NRW: Laumann hat keine Sorge vor der Delta-Variante

Auch die Delta-Variante macht Karl-Josef Laumann deshalb keine Sorgen. Denn sobald diese Mutation des Coronavirus sich durchsetzt, würde der Inzidenzwert rasch wieder oberhalb des Wertes von zehn liegen. Dann greifen die Verschärfungen der Inzidenzstufe 1 wieder – also auch Maskenpflicht und Abstandsregeln. Alle Regeln der Stufe 0 hat das NRW-Gesundheitsministerium hier zusammengefasst.

Damit sind laut Laumann ab Freitag auch wieder Volksfeste, Jahrmärkte und Hochzeiten möglich, sofern die Inzidenz stimmt. Dies sei „in jeder Hinsicht verantwortbar“, sagte der Gesundheitsminister. Wenn sich die Lage verändert, würden die Einschränkungen zurückkehren.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa