Diskussion um Honorar

Impfzentren: Arzt erklärt, warum 150-Euro-Stundenlohn berechtigt ist

In NRW sollen tausende Ärzte die Impfung gegen Corona verabreichen. Dafür sollen sie 150 Euro Lohn die Stunde erhalten. Ein Arzt erklärt nun, warum das gerecht ist.

Dortmund - Nordrhein-Westfalen bereitet sich auf eine noch nie dagewesene Massenimpfung gegen Corona vor. Dafür werden Ärzte gebraucht, die den Impfstoff verabreichen. Im Gespräch ist dafür ein Stundenlohn in Höhe von 150 Euro. Ein Arzt könnte damit bei einer Acht-Stunden-Schicht pro Tag 1200 Euro verdienen. Zu viel, meinen Kritiker. Ein Arzt wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Einrichtung Corona-Impfzentren
Standorte in NRW53
ZweckImpfung gegen das Coronavirus

Ärzte-Honorar in Corona-Impfzentren in NRW: Mediziner wehrt sich gegen „Neiddebatte“

Dr. Med. Ulrich Glatzel ist Chirurg, Unfallchirurg und Orthopäde und bezeichnet die Diskussion als nicht förderliche „Neiddebatte“ und kritisiert das „Ärzte-Bashing“ in der Presse.

Dabei, so Glatzel gegenüber RUHR24, sei ein Honorar von 150 Euro pro Stunde für Ärzte in Impfzentren angemessen. Der Mediziner verweist darauf, dass mit dem Honorar die Kosten gedeckt werden müssten, die durch die Schließung der eigenen Praxis entstünden.

Arzt-Honorar in Impfzentren: Mediziner spricht von 185 Euro die Stunde an Kosten

Die Kosten für Raum, Personal und Einrichtung liefen weiter, während sich der Arzt in einem Corona-Impfzentrum zur Verfügung stelle. Glatzel rechnet die Kosten für eine Arzt-Praxis vor: „Diese Kosten betragen mindestens 185 Euro pro Stunde.“

Seine Daten hat der Arzt aus dem „Zi-Praxis-Panel“, einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von über 7000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten zu betriebswirtschaftlichen Daten durch das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland.

Laut dieser Rechnung würde ein Arzt sogar draufzahlen, würde er in einem Impfzentrum „nur“ 150 Euro die Stunde verdienen.

Ärzte-Honorar in Impfzentren: Mediziner sieht Lohn zu Unrecht in der Kritik

Glatzel sieht Ärzte demnach zu Unrecht in der Kritik als diejenigen, die sich die Taschen mit Geld voll machten. Bei einem Handwerkermeister, der 130 Euro die Stunde berechne, oder einem Anwalt, der für 250 Euro die Stunde anfange zu arbeiten, würde sich laut Glatzel niemand wundern. „Bei Ärzten allerdings verlangt man einen Stundenlohn von höchstens 50 Euro?“

Die Impfzentren in NRW sind fast einsatzbereit. Was noch fehlt: Der Impfstoff.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wehrt sich gegen das Klischee des geldgierigen Arztes. Für die Arbeit in den Impfzentren in Westfalen-Lippe hätten sich viele Ärzte gemeldet, bevor die Höhe des aus Steuergeldern finanzierten Honorars diskutiert worden sei, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion.

KVWL verweist für Ärzte in NRW-Impfzentren auf hohe Verantwortung

Die KVWL verweist neben den ausfallenden Praxis-Einnahmen zudem auf die „hohe medizinische sowie gesellschaftliche Verantwortung“ von Ärzten in den Corona-Impfzentren. Die KVWL spricht von einer „enorm hohen Arbeitsbelastung“ der die Ärzte „im Rahmen dieses Jahrhundertereignisses“ ausgesetzt seien (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen)..

Dennoch: In Rheinland-Pfalz gibt es bereits Ärger über die finanzielle Regelung für die Impfzentren. Nach Angaben des SWR empfinden einige Mediziner sie als „unverhältnismäßig, unanständig, überzogen“.

Rubriklistenbild: © Achim Scheidemann/dpa (Symbolfoto)

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