Umstrittenes Vakzin

Deutschland setzt Impfung mit AstraZeneca aus +++ Jens Spahn spricht über Entscheidung

Deutschland stoppt bis auf Weiteres die Impfung mit dem umstrittenen Impfstoff von AstraZeneca. Grund sind mögliche Hirnvenen-Thrombosen bei Geimpften.

Deutschland - Nachdem bereits neun Länder die Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca ausgesetzt haben, folgt nun auch die Bundesrepublik Deutschland mit dieser Entscheidung.

PolitikerJens Spahn
FunktionBundesgesundheitsminister
ParteiCDU

Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca: Jens Spahn äußert sich zur heutigen Entscheidung

Grund für die Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca seien neue Meldungen über Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang nach der Impfung mit dem Vakzin. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am frühen Montagnachmittag in einer Pressekonferenz mit.

Die Bundesregierung folgt mit ihrer Entscheidung über die Aussetzung des Impfstoffes einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts, weitere Untersuchungen des Vakzins vorzunehmen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA soll nach Abschluss der Untersuchungen entscheiden, wie es mit der Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca weitergehen soll. Bis Montag (15. März) wurden in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Impfdosen von AstraZeneca verimpft (alle Nachrichten zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Jens Spahn: Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca ist eine Vorsichtsmaßnahme

Jens Spahn teilt mit, dass die Aussetzung des Impfstoffes sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen betreffen. Folgeimpfungen könnten aber, sobald die EMA grünes Licht gegeben habt, gegebenenfalls nachgeholt werden. Aussagen darüber, was passiert, wenn die EMA dem Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland keine weitere Zulassung erteilt, darüber konnte der Gesundheitsminister am Montag keine Aussagen machen. „Ich will nicht spekulieren“, so sein Statement über die möglichen Folgen eines Impfstoff-Verbots.

Spahn betont, dass zwischen der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts und der Entscheidung der Bundesregierung wenig Zeit vergangen sei. Deshalb könne man aktuell noch keine Aussagen darüber treffen, wie sich die Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca auf den am Mittwoch stattfindenden Impfgipfel von Bund und Ländern und die Corona-Impfstrategien des Bundes auswirken wird.

„Mir war es wichtig, zunächst die Bundesländer und die Impfzentren über unsere Entscheidung zu informieren“, so der Bundesgesundheitsminister in der Pressekonferenz. „Was die Impfziele angeht, das müssen wir uns in den kommenden Tagen anschauen.“ Spahn hofft in Bezug auf die Impfstrategie der Bundesregierung, dass die EMA noch in dieser Woche zu einer Entscheidung über die Zulassung von AstraZeneca kommen wird.

Jens Spahn: EMA soll Impfstoff von AstraZeneca so schnell wie möglich untersuchen

Der CDU-Politiker betont, dass es sich bei der Aussetzung des Impfstoffes um eine reine „Vorsichtsmaßnahme“ handele. AstraZeneca würde in vielen Ländern „millionenfach“ verimpft werden und man sei sich der Tragweite der Entscheidung durchaus bewusst. Die Entscheidung über den sofortigen Stopp sei nicht leicht gewesen. „Die Entscheidung ist eine fachliche und keine politische“, so Spahn.

Zentrum künftiger Untersuchungen soll die Frage sein, ob die Impfung mit AstraZeneca einen höheren Nutzen hat als mögliche Gesundheitsrisiken. „Man muss sich bewusst sein, dass auch Nicht-Impfungen schwere gesundheitliche Folgen haben können“, sagt Jens Spahn.

Impfung von AstraZeneca: Geimpfte mit einschlägigen Symptomen sollen zum Arzt gehen

Personen, die die Impfung von AstraZeneca bereits erhalten haben und sich in den ersten vier Tagen nach der Impfung „zunehmend unwohl fühlen“ und Symptome wie Kopfschmerzen oder punktuelle Hautblutungen entwickeln, sollen sich umgehend in ärztliche Behandlung geben. Das empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut.

Spahn selbst weiß, wie schwierig die Entscheidung über die Aussetzung des Impfstoffes für jemanden sein muss, der die Impfung gerade erst bekommen hat. Wer Unsicherheiten verspürt, sollte sich deshalb „ärztlichen Rat“ einholen.

Aussetzung von AstraZeneca: Was mit den verbliebenen Impfdosen passieren soll

In Deutschland seien laut Jens Spahn bisher sieben Fälle von Hirnvenen-Thrombosen, die im Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten, aufgetreten. „Sollte sich ein Zusammenhang als wahr herausstellen, dann handelt sich es sich dabei um ein überdurchschnittliches Risiko“, so der CDU-Politiker. „Es ist wichtig, dass man angesichts dieser Größenordnung die Anzahl der Fälle richtig einordnet. Bei den aller allermeisten Impfungen besteht kein Risiko, aber ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen werden.“

Die Impfdosen, die bereits in den Bundesländern angekommen sind, werden dort erst einmal verbleiben. Die übrigen Impfdosen, die zur Anlieferung anstehen, werden zunächst im Zentrallager des Bundes liegen bleiben. Erst nach Entscheidung der EMA über die weitere Zulassung des Vakzins, werde über alle angelieferten Impfstoffe entschieden.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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