Sabotage zwischen Frankfurt und Köln

Festnahme! Mann (51) soll Schrauben auf 80 Metern ICE-Strecke entfernt haben - Bekenner-Schreiben an Angela Merkel

Die Teißtal-Brücke mit der ICE-Strecke (vorne) überspannt das Tal. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden an der ICE-Trasse nahe der Teißtal-Brücke Schienenschrauben auf einer Länge von 80 Metern entfernt.
+
Die Teißtal-Brücke mit der ICE-Strecke (vorne) überspannt das Tal. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden an der ICE-Trasse nahe der Teißtal-Brücke Schienenschrauben auf einer Länge von 80 Metern entfernt.

Auf der ICE-Strecke zwischen Frankfurt am Main und Köln soll ein Mann (51) auf 80 Meter Schrauben gelockert haben - Bekennerschreiben sind aufgetaucht.

  • Am Freitagmorgen (20. März) ist die ICE-Strecke zwischen Frankfurt am Main und Köln gesperrt worden.
  • Einem Lokführer waren lose Gleis-Befestigungen aufgefallen.
  • Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus - auch ein versuchter Anschlag sei denkbar.

Update, Samstag (21. März), 14.54 Uhr: Frankfurt/Köln - Die Polizei hat offenbar einen Tatverdächtigen festgenommen, der die Schrauben an Gleisen auf einer ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln gelockert haben könnte. Wie der Spiegel am Samstag unter Berufung auf Angaben des Frankfurter Generalstaatsanwalts schreibt, soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 51-jährigen Mann handeln. Er sei in der Nähe von Köln von Spezialkräften festgenommen worden.

Der Mann war den Angaben nach erst vor kurzem aus der Haftanstalt Nürnberg entlassen worden, wo er eine Strafe wegen Erpressung verbüßt haben soll. Im Auto des Mannes sollen Fahnder Spezialwerkzeug gefunden haben. Ein Bekennerschreiben an Politiker - auch Angela Merkel - soll die Ermittler auf die Spur gebracht haben, berichtet der Spiegel.

Erstmeldung, Freitag (21. März), 19 Uhr: War es nur ein dummer Streich oder doch ein versuchter Anschlag? Nachdem einem Lokführer am Freitag (20. März) lose Gleis-Befestigungen an der ICE-Strecke zwischen Frankfurt am Main und Köln aufgefallen waren, ermittelt nun das hessische Landeskriminalamt.

Versuchter Anschlag auf ICE-Strecke? Polizei spricht von gelösten Schrauben

Zuvor war die Strecke am Freitagmorgen wegen der Meldung des Lokführers, der laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) ein verändertes Fahrverhalten seines ICE bemerkt hatte, gesperrt worden. Daraufhin hatte die Polizei zunächst von gelösten Schrauben berichtet.

Später hieß es dann, Befestigungsschienen seien gelockert worden. In der Nähe der Stadt Niedernhausen (nördlich von Wiesbaden) in Hessen sollen Unbekannte die Schienenschrauben auf einer Strecke von rund 80 Metern abgedreht und die Befestigung der Gleise abmontiert haben.

Polizei in Hessen ermittelt: versuchter Anschlag auf ICE-Strecke?

Nun ermittelt die Polizei - ein versuchter Anschlag wird nicht ausgeschlossen. "Ja, das steht im Raum", sagte ein Sprecher der Polizei. "Möglicherweise sollte ein Zug zum Entgleisen gebracht werden."

Der Grund für diese Vermutung ist, dass die Befestigungen scheinbar vorsätzlich gelöst worden waren. Dafür benötige man spezielles Werkzeug, das nicht jeder zu Hause habe. "Das passiert nicht eben mal", erläuterte der Polizeisprecher. Womöglich seien an der Tat auch mehrere Personen beteiligt gewesen.

Versuchter Anschlag auf ICE-Strecke? Schrauben auf Brücke gelöst

Nach der Meldung des Lokführers hatten laut Polizeipräsidium Westhessen Bahn-Mitarbeiter die Strecke kontrolliert und festgestellt, dass sich die Schienen auf der Brücke gelöst hatten und fünf Zentimeter mehr auseinander standen als normal. Das hätte zu einem schweren Unglück führen können.

Möglicher versuchter Anschlag auf ICE-Strecke Frankfurt - Köln: Auf dieser Brücke haben Unbekannte die Schienen gelockert.

Denn der Ort, an dem die Gleise manipuliert wurden, befindet sich auf einer Brücke. Hätten diese noch weitere Züge passiert, wären sie womöglich entgleist und in die Tiefe gestürzt. In Sicherheitskreisen soll laut dpa von einem "ernsten Vorfall" die Rede sein, weil es nach einer gut organisierten Tat und eben einem möglicherweise versuchten Anschlag aussehe.

Versuchter Anschlag auf ICE-Strecke? Ermittlungen dauern an

Die Ermittlungen dauern derzeit noch an. Vor Ort sollen zahlreiche Polizisten im Einsatz gewesen und auch noch im Einsatz sein. Auch ein Polizeihubschrauber wurde laut dpa genutzt, um Luftaufnahmen zu machen.

Für den Bahnverkehr, der aktuell wegen der Corona-Krise ohnehin eingeschränkt ist, bedeutet das weitere Probleme. Züge müssen laut Deutscher Bahn umgeleitet werden oder fallen ganz aus. Die Arbeiten an den beschädigten Gleisen sollen noch bis in die Nacht dauern. mit dpa-Material