Covid-19

Hochzeit in der Corona-Pandemie: Wie hoch das Risiko einer Infektion ist 

Viele Paare lassen sich trotz Corona-Pandemie trauen.
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Viele Paare in NRW lassen sich trotz Corona-Pandemie trauen.

In NRW haben sich schon häufiger Gäste bei Hochzeiten mit dem Coronavirus angesteckt. Warum die Gefahr einer Infektion besteht und wie hoch sie ist.

  • Bei einer Hochzeit im Kreis Kleve (NRW) haben sich Dutzende Menschen mit dem Coronavirus angesteckt.
  • Das hat eine Debatte über das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 bei Hochzeitsfeiern entfacht.
  • Experten raten weiter dringend zu Schutzmaßnahmen.

Dortmund/NRW – Bei einer Hochzeitsfeier im Kreis Kleve (NRW) haben sich kürzlich mehr als 60 Menschen mit dem Coronavirus (alle News aus NRW im Live-Ticker) angesteckt. Jetzt wird viel über Hochzeiten diskutiert. Doch wie wahrscheinlich ist es, sich auf einer solchen Feier Covid-19 einzufangen?

Hochzeit und Coronavirus in NRW: Kaum weniger Trauungen – Virologe aus Essen warnt

Wie so oft in der Coronavirus-Pandemie lautet die Antwort auf diese Frage: Es kommt darauf an. Denn nicht jede Hochzeitsfeier in NRW ist gleich ein Superspreader-Event, bei dem ein Infizierter die anderen Besucher ansteckt.

Viele Paare in NRW lassen sich trotz Corona-Pandemie trauen.

Was zunächst einmal überrascht, ist die Zahl der Hochzeiten. Sie ist etwa in Dortmund in den vergangenen Monaten nicht so stark gesunken, wie man meinen sollte. Wie die Ruhr Nachrichten berichten, haben im April, Mai und Juni demnach insgesamt 561 Paare aus Dortmund standesamtlich geheiratet. Im Vorjahr waren es mit 716 Eheschließungen im gleichen Zeitraum nur unerheblich mehr.

Und das, obwohl die Paare in diesem Zeitraum wegen des Coronavirus nur einen Trauzeugen mitbringen durften. Erst seit Mitte Juli sind bei der Trauung in NRW wieder 20 Gäste erlaubt.

Hochzeit in NRW im August: Paradiesische Zustände trotz Coronavirus

Wie viele Paare die Hochzeit mit ihren Gästen anschließend gefeiert haben, ist hingegen unklar. Wer seine geplante Feier etwa auf den August verschoben hat, der findet in Nordrhein-Westfalen derzeit jedoch geradezu paradiesische Zustände vor.

Denn nach der Coronaschutzverordnung in NRW gilt eine Hochzeitsfeier als "herausragender Anlass" – genau wie eine Taufe, Geburtstagsfeier oder Beerdigung. Daran dürfen seit dem 15. Juli 150 Menschen teilnehmen. Extra genehmigt werden müssen Feiern von den Behörden zudem nicht.

Besondere Schutzvorkehrungen gibt es dabei keine, schreibt das Land NRW: "Das Abstandsgebot und die Maskenpflicht gelten dabei nicht, soweit geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zur einfachen Rückverfolgbarkeit sichergestellt sind." Das gilt dann auch auf der Tanzfläche. Gut durchlüftete Räume werden jedoch empfohlen.

Coronavirus: Hochzeiten dürfen in NRW ausgelassen gefeiert werden – auch ohne Schutz

Damit steht einer ausgelassenen Hochzeitsfeier in NRW derzeit also nichts im Wege - Coronavirus hin oder her. Doch genau das kann gewisse Gefahren bergen, weiß ein Virologe aus Essen.

Mirko Trilling von der Uniklinik Essen sagte der WAZ: "Das Infektionsrisiko steigt, sobald man ohne AHA-Maßnahmen Kontakte hat." Das bedeutet: Abstand, Hygiene und Alltagsmaske.

Bei der Einschätzung, wie gefährlich eine Hochzeit für die Ansteckung sein kann, würden jedoch mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Etwa, wie viele Menschen mit einer Corona-Infektion an der Feier teilnehmen und ob es Schutzmaßnahmen gibt, sagt der Experte.

Bei Superspreader-Events wie der Hochzeit im Kreis Kleve (NRW) hatte sich mehr als die Hälfte der Partygäste mit Covid-19 angesteckt. Das sei jedoch eher unwahrscheinlich, schätzt der Virologe laut dem Bericht. Im Schnitt stecke ein Infizierter ohne besondere Schutzmaßnahmen rund zwei bis drei weitere Personen an. Dennoch könnten auch solch kleine Events verheerende Folgen haben, sagt er.

Coronavirus: Ausbrüche nach Hochzeiten in Kleve und Bielefeld lassen R-Wert steigen

Vorfälle wie der in Kleve oder Mitte Juli in Bielefeld, wo sich ebenfalls ein Großteil der Hochzeitsgäste infiziert hatten, haben auch dafür gesorgt, dass der sogenannte R-Wert des Robert Koch-Insituts (RKI) erneut angestiegen ist. Er beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt.

Derzeit liegt der R-Wert (sieben Tage) in Deutschland bei knapp 1. Seit den Lockerungen im Juli sei er durch eine größere Zahl kleinerer Ausbrüche wieder angestiegen, berichtet das RKI.

Damit zeigt sich, dass Feiern wie Hochzeiten durchaus weiterhin das Risiko bergen, sich dort mit dem Coronavirus anzustecken. Senken lässt sich das nur durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Oder indem man einfach nicht hingeht – so schwer das auch fallen mag.