Hashtag trendet bei Twitter

#SterbenmitStreeck: Hetze gegen NRW-Virologen Hendrik Streeck

Der Virologe Hendrik Streeck
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Der Virologe Hendrik Streeck hat auf Twitter einen Shitstorm ausgelöst.

Gegen den Virologen Hendrik Streeck ist bei Twitter ein Shitstorm losgebrochen. Der 43-Jährige ist entsetzt über so viel „Hass“ im Netz.

Nordrhein-Westfalen – Bei den anhaltenden Debatten rund um die Corona-Pandemie sorgt der Virologe Hendrik Streeck mit seinen Aussagen immer wieder für Gesprächsstoff. Spätestens seit dem Ausbruch von Covid-19 in NRW ist der Bonner Wissenschaftler vielen ein Begriff.

Mediziner und VirologeHendrik Streeck
Geboren7. August 1977 (Alter 43 Jahre)
Ausbildungan der Charité in Berlin, Universität Bonn
Seit Oktober 2019Direktor des Institutes für Virologie an der Uni Bonn

Virologe Hendrik Streeck: Heinsberg-Studie brachte dem Corona-Wissenschaftler viel Kritik

Im Mai dieses Jahres stand Streeck zum ersten Mal massiv in der Kritik. Der Grund: Mit der sogenannten Heinsberg-Studie wollte das Land NRW schnelle Antworten auf die Ausbreitung des Coronavirus. Man warf ihm vor, dass er seine Studie zum Infektionsgeschehen im Kreis Heinsberg habe vermarkten lassen.

Der Virologe wehrte sich: „Ich bin persönlich ganz schön davon getroffen, dass man das so darstellt.“ Er habe „in Rekordzeit“ eine Studie erstellt. Doch dann sei es gar nicht mehr um die Studie, sondern um die Frage von Lockerungen der Corona-Beschränkungen gegangen, sagte Streeck im Mai im Gesundheitsausschuss des NRW-Landtags.

Streeck äußert sich zu Corona-Toten: Virologe löst Shitstorm aus

Jetzt hat der 43-Jährige mit seinen Aussagen zu Corona-Todesfällen einen Shitstorm ausgelöst. Schon länger fordert der Virologe trotz hoher Infektionszahlen, ausgelasteten Intensivstationen in den Kliniken und einem starken Anstieg der Corona-Toten einen angstfreien und lockeren Umgang mit der Coronavirus-Krise.

Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte Streeck, dass es zu viel Angst gebe. In der Sendung „Maischberger“ hatte er gesagt, er finde es „müßig, über Todesfälle zu reden“ (Mehr News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Heftige Vorwürfe gegen Hendrik Streeck auf Twitter: Corona-Tote seien ihm egal

Bei einigen Leuten kommen diese Aussagen gar nicht gut an. In den sozialen Netzwerken ist erneut eine Diskussion über den Mediziner entfacht. Auf Twitter trendet seit Montagabend (7. Dezember) der Hashtag „#SterbenmitStreeck“. Einige Nutzer werfen dem 43-Jährigen vor, er habe mit seinen Aussagen die Thesen von Coronaleugnern unterstützt. Ein weiterer Vorwurf bei Twitter: „Dass Ihnen tote Menschen nichts bedeuten, haben Sie ausführlich und medienwirksam kundgetan“, schreibt ein Nutzer.

Am Dienstag (9. Dezember) hat sich der Bonner Virologe nun selbst auf der Kurznachrichten-Plattform zu den persönlichen Anfeindungen zu Wort gemeldet.

Hendrik Streeck äußert sich zu den Anfeindungen: #SterbenmitStreeck löst Shitstorm aus

„Wenn wissenschaftliche Debatte und Forschung dazu führen, dass mit # zu meinem Ableben oder sterben mit mir aufgerufen wird, ist das nicht nur sehr verletzend, es erschreckt mich gerade zu, wie groß der Hass und die Diffamierung im Netz geworden ist“, schrieb Streeck auf seinem Twitter-Kanal.

Die Kritik an den Wissenschaftler verstummte damit jedoch nicht. Im Gegenteil: Viele Nutzer werfen Hendrik Streeck vor, den Hashtag falsch verstanden zu haben. „Der Hashtag #SterbenmitStreeck ruft genau nicht zu Gewalttaten auf, sondern kritisiert Ihre falschen und irreführenden Aussagen, die mit für die hohe Sterblichkeit verantwortlich sind“, so ein Nutzer auf Twitter.

Video: „Weder zielführend noch umsetzbar“ – Ärzte und Virologen kritisieren geplanten Lockdown

Ein weiterer Kommentar geht in eine ähnliche Richtung. „Ich habe den Eindruck, einige verwechseln #SterbenmitStreeck mit #SterbenAnStreeck. Niemand behauptet, #Streeck würde Menschen töten. Es ist aber Streeck, der gesagt hat, es sei ‚müßig‘, über Todesfälle zu reden“, schreibt ein weiter Nutzer und verweist hierzu auf das Gespräch bei „Maischberger“.

#SterbenmitStreeck auf Twitter: Bonner Virologe bekommt auch Unterstützung

„Wer den Hashtag benutzt, disqualifiziert sich meiner Meinung nach selbst für jede ernsthafte Diskussion“, schreibt ein anderer Nutzer. In weiteren Kommentaren wird die Arbeit des Bonner Virologen außerdem in Schutz genommen. „Weder Herr Streeck noch die anderen alternativen Virologen haben das Virus verharmlost. Im Gegenteil, sie haben immer betont, dass man ihn ernst nehmen soll“, heißt es dort.

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