„Das finde ich doof“

NRW: Schülerin aus Hagen ändert jetzt bei Corona-Protest ihre Strategie

Weil sie sich nicht mit dem Coronavirus anstecken will, sitzt eine Schülerin aus dem Ruhrgebiet jetzt auf dem Schulhof. Den Unterricht verfolgt sie online.

Update, Freitag (14. Januar), 12.20 Uhr: Hagen – Der Corona-Protest der Schülerin Yasmin (13) aus Hagen hat diese Woche große Wellen geschlagen. Nachdem das Jugendamt der Stadt eingegriffen hatte, lernt das vorerkrankte Mädchen nun in einem gesonderten Raum in der Schule, berichtet der WDR. Zuvor hatte sie sich geweigert, gemeinsam mit ungeimpften Klassenkameraden unterrichtet zu werden – und war bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Schulhof umgezogen.

StadtHagen
BundeslandNordrhein-Westfalen
Corona-Inzidenz362 (14. Januar)

Hagen: Schülerin Yasmin (13) verweigert Unterricht mit ungeimpften Klassenkameraden in Corona-Pandemie

Erstmeldung, Mittwoch (12. Januar), 17.20 Uhr: Dick angezogen und mit einer Decke sitzt Yasmin Telsemeyer (13) vor der Heinrich-Heine-Realschule in Hagen. Weil sie Angst hat, sich bei ihren ungeimpften Mitschülern mit dem Coronavirus anzustecken, harrt sie nun bei 0 Grad Celsius vor der Schule aus, berichtet die WAZ am Mittwoch (12. Januar).

Der Grund für den drastischen Schritt: Yasmin sei vorerkrankt und weigert sich nun, die Schule zu betreten, solange ihre Mitschüler nicht geimpft sind. Drinnen wie draußen trägt die Schülerin FFP2-Maske, ist dreifach geimpft. Das trifft nicht auf alle ihre Mitschüler zu. Einige seien nicht geimpft und würden sich auch nicht an die Hygieneregeln halten. „Mit denen setze ich mich nicht mehr zusammen in einen Raum“, sagt Yasmin der WAZ.

Stattdessen steht nun ein Einzeltisch draußen vor der Realschule. Über einen Laptop der Schule verfolgt die 13-Jährige den Unterricht im Klassenraum. Streiken wolle sie nicht, doch die Schulpflicht gilt auch für sie weiter – Corona hin oder her. Obwohl sie draußen friert, wolle sie so lange durchhalten, wie nötig, sagt sie.

Das Coronavirus kann auch von Infizierten ohne Symptome übertragen werden. Dabei verbreitet sich auch die neue Omikron-Variante über Aerosole in der Luft. Kinder bekommen nur selten einen schweren Verlauf, für Menschen mit Vorerkrankungen ist das Risiko dafür aber deutlich höher.

Corona in NRW: Schülerin Yasmin (13) aus Hagen kann sich regelmäßig aufwärmen

Die Schule hat dem Wunsch der Schülerin entsprochen. Die Pausen könne sie sich laut dem Bericht im leeren Büro einer Vertrauenslehrerin verbringen. Regelmäßig holt die Schulleiterin sie ins Gebäude, damit sie sich aufwärmen kann (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24 lesen).

Yasmin ärgert vor allem, dass Ungeimpfte überall rausgeworfen würden, bloß in der Schule nicht. „Das finde ich doof“, sagt sie der WAZ. Sie wolle mit der Aktion ein Zeichen setzen. Ihre Pflegemutter unterstützt den Wunsch der 13-Jährigen, die unter anderem in einer Theatergruppe des Stadttheaters Hagen spielt: „Ich stehe voll hinter dem, was sie tut.“

In den Schulen in NRW gilt Masken- und Testpflicht.

Corona in NRW: Situation in Schulen sorgt länger für Probleme

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Situation in den Schulen in NRW angespannt. Nachdem vorübergehend Distanzunterricht angeordnet wurde, kehrte das Schulministerium zuletzt wieder zum Präsenzunterricht mit Maskenpflicht zurück. Dabei soll es auch vorerst bleiben, trotz hoher Inzidenzwerte vor allem unter Schülern.

Häufigere Corona-Tests in den Schulen in NRW sollen neuen Ausbrüchen vorbeugen. Laut Robert Koch-Institut sind von den 12- bis 18-Jährigen in NRW erst rund 61,3 Prozent vollständig geimpft. Eine Booster-Impfung haben allerdings erst 11,5 Prozent bekommen (Stand: 12. Januar). Aktuell wird noch über eine allgemeine Impfpflicht diskutiert. Ein wenig wird Yasmin sich also noch gedulden müssen.

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