Dunkle Folgen von Covid-19

Häusliche Gewalt wegen des Coronavirus: Hier findet man in NRW Hilfe

Unter häuslicher Gewalt leiden vor allem Frauen und Kinder während des Coronavirus in NRW.
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Unter häuslicher Gewalt leiden vor allem Frauen und Kinder während des Coronavirus in NRW.

Dass Personen in NRW wegen des Coronavirus Zuhause bleiben sollen, hat auch schreckliche Nebenwirkungen - wie Gewalt. Doch es gibt Hilfe für Frauen.

  • Dadurch, dass viele Menschen wegen des Coronavirus in NRW Zuhause bleiben, erfahren Frauen auch schreckliche Schattenseiten des Zusammenlebens mit ihrem Partner.
  • Experten befürchten, dass die Fälle von häuslicher Gewalt steigen werden.
  • In anderen Ländern gibt es für die Opfer von häuslicher Gewalt ungewöhnliche Hilfe.

Dortmund/ NRW - Um die Ausbreitung des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen (NRW) und anderen Teilen von Deutschland zu stoppen, sollen sich die Bewohner möglichst in den eigenen vier Wänden aufhalten. Doch das kann auch gravierende Folgen haben, wie RUHR24.de* berichtet.

Coronavirus: Gemeinsame Zeit Zuhause kann einschneidende Folgen haben

Seitdem es Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote wegen des Coronavirus gibt, verbringen Familien und Paare ihre Zeit fast rund um die Uhr zusammen. Was sich zunächst idyllisch anhört, kann für einige Frauen und Kinder einschneidend sein.

Denn durch die viele gemeinsame Zeit, die die Personen miteinander verbringen, befürchten Experten, dass die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen nun weiter ansteigt.

Das liege vor allem daran, dass einige Menschen durch die Ungewissheit um ihren Arbeitsplatz und den beengten Platz Zuhause wegen des Coronavirus mit Existenzängsten und Aggressionen zu kämpfen haben, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) schreibt.

Vermutlich mehr Fälle häuslicher Gewalt in Coronavirus-Zeit

Daher sehen die verantwortlichen Organisationen nun schwarz. "Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen", erklärt Jörg Ziercke gegenüber dem Spiegel. Er ist der Bundesvorsitzende der Opferschutzorganisation "Weißer Ring".

Auch während Feiertagen wie an Weihnachten steige die Zahl von Fällen häuslicher Gewalt deutlich an. Dennoch erreiche die Situation wegen des Sars-CoV-2-Erregers, der weltweit bereits über eine Million Menschen mit der neuartigen Krankheit Covid-19 infiziert haben soll, nun ein neues Level.

Stress wegen des Coronavirus: Ursache für mehr häusliche Gewalt

Das liege daran, dass die Kontaktsperre und die Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus schon deutlich länger andauren als die üblichen Feiertage, erklärt Jörg Ziercke dem Spiegel. Dadurch sei auch der Stressfaktor höher und der Stress anderer Art als im gewöhnlichen Alltag der Personen.

Ein weiterer Risikofaktor für diese Art von körperlichen und seelischen Attacken im Haushalt sei zudem, dass viele soziale Einrichtungen aufgrund des Coronavirus aktuell geschlossen hätten, so die Süddeutsche Zeitung.

Das zählt als häusliches Gewalt in NRW

Zu häuslicher Gewalt zählen laut dem Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. neben Beleidigungen, Demütigungen und Erniedrigungen auch Drohungen, Prügel und das Verdrehen von Tatsachen.

Symbolbild - Häusliche Gewalt nimmt wegen des Coronavirus vermutlich auch in NRW zu und hat viele Merkmale.

Die Polizei NRW definiert häusliche Gewalt als "alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen Personen in zumeist häuslicher Gemeinschaft", die vielfältige Erscheinungsformen besitzt. Dabei sei es zunächst irrelevant für die Tat, in welchem Verhältnis die beteiligten Personen zueinander stehen.

Die Polizei NRW macht außerdem klar, dass häusliche Gewalt "verletzend, strafbar und keine Privatangelegenheit" ist.

Coronavirus: Diese Hilfen gibt es in anderen Ländern gegen häusliche Gewalt

Auch in anderen Ländern ist häusliche Gewalt aufgrund des Coronavirus* ein großes Problem, wie die CNN berichtet. Daher flüchten die Frauen in Spanien in Drogerieläden. In Frankreich suchen Frauen in Not Apotheken auf, um dort unterzukommen. 

Wie ernst es dort ist, macht die CNN deutlich. Die Fälle häuslicher Gewalt sollen in Paris nach dem sogenannten "Lockdown" wegen des Coronavirus um 36 Prozent gestiegen sein.

Häusliche Gewalt und Sexualverbrechen: Hier finden Frauen und Kinder in NRW Hilfe

Auch in NRW gibt es im Falle von häuslicher Gewalt oder sexuellen Übergriffen einige Anlaufstellen für Frauen und Kinder.

Dazu gehört der Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. Die Mitarbeiter dort sind sowohl per Mail unter mail@frauenberatungsstellen-nrw.de als auch per Telefon unter der Nummer 0201-74947895 bei Vorfällen und Problemen erreichbar.

Außerdem brauchen sich die betroffenen Personen nicht davor scheuen, die Polizei NRW zu kontaktieren, denn die Beamten entfernen die gewaltbereite Person aus dem Haushalt und sprechen ein zehntägiges Verbot aus, diese vier Wände erneut zu betreten.

In Fällen häuslicher Gewalt: "Weißer Ring" in Dortmund hilft weiter

Die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" ist eine weitere Anlaufstelle für Personen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind. Auch in Dortmund gibt es eine Außenstelle der Organisation. 

Auch wenn durch die Ausbreitung des Coronavirus in NRW* viele Hilfsangebote vor Ort aktuell schließen mussten, ist beispielsweise der Weiße Ring sowohl online als auch per Mail unter NRW-Westfalen-Lippe@weisser-ring.de und per Telefon unter 0231/98194850 erreichbar. 

Diese Hilfe gibt es bei häuslicher Gewalt während des Coronavirus in NRW

Auch die Mitarbeiter vom Hilfetelefon haben ein offenes Ohr für Frauen, die häusliche Gewalt erfahren mussten. Unter der Nummer 08000-116016 ist das Hilfetelefon erreichbar.

Für den Fall, dass Kinder in Not sind, setzen sich die Kindernothilfe und der Kinderschutzbund für sie ein.

Zudem gibt es mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW eine Anlaufstelle, falls auch Männer oder Jungen von häuslicher Gewalt oder sexuellen Übergriffen betroffen sein sollten. malm

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