Beleidigungen 

Coronavirus in Gütersloh: Mutter und Tochter in Münster angefeindet

Zwei Frauen aus Gütersloh waren mit ihrem Auto in Münster unterwegs. Wegen des GT-Kennzeichens fielen die beiden auf und wurden übelst beschimpft.

  • Zwei Frauen aus Gütersloh wurden nach dem Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies angefeindet. 
  • In Münster fielen Mutter und Tochter wegen ihres GT-Kennzeichens auf. 
  • Sie mussten sich üble Beleidigungen gefallen lassen. 

Gütersloh/Münster – "Ihr alten Drecksschlampen, verschwindet!" Mit diesen Worten wurden eine Mutter und ihre Tochter aus Gütersloh in der Domstadt in Münsterland empfangen. Mit ihrem Auto waren sie nach Münster gefahren. Das GT-Kennzeichen an dem Wagen verriet, woher sie stammen. 

Gütersloh

Bevölkerung

96.404 (Stand 2010)

Höhe

75 Meter

Fläche

112 Quadratkilometer

Bürgermeister

Henning Schulz (CDU), geboren in Bielefeld

Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies: Menschen aus Gütersloh werden massiv beleidigt 

Seitdem beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück das Coronavirus ausgebrochen ist, hat sich das Leben der Menschen im KreisGütersloh stark verändert, wie owl24.de* berichtet. Der Lockdown, den die NRW-Landesregierung verlängert hat, brachte viele Veränderungen mit sich. Doch damit nicht genug. Einige Bewohner werden nun öffentlich beleidigt und sogar bedroht. Währenddessen haben in Bielefeld (NRW) Forscher der Universität einen neuen Corona-Schnelltest entwickelt, der bereits nach 16 Minuten ein Ergebnis bringen soll. Eine Einrichtung in der Stadt musste außerdem am Mittwoch (8. Juli) wegen Covid-19 geschlossen werden: In Bielefeld-Brackwede wurde in der Kita Brock ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet und 77 Betroffene mussten sich in Quarantäne begeben.

Mutter Beate Bredenbals (51) und ihre Tochter Leonie (20) aus Gütersloh mussten dies nun am eigenen Leib erfahren, wie der WDR berichtete. Die beiden Frauen waren am vergangenen Wochenende in Münster. Nachdem sie die Stadtgrenze passiert hatten, bemerkten sie, dass etwas nicht stimmte. Es folgte ein Lichthupen-Gewitter. Der Anfangsverdacht bestätigte sich schließlich an einer Ampel. Aus einem Nachbarauto brüllten ihnen zwei Frauen zu: "Verpisst Euch, Ihr Drecksschlampen!

Gütersloh-Kennzeichen führt zu Anfeindungen in Münster

Den Opfern war schnell klar, woher die Anfeindungen stammen würden. Sie machten den Corona-Hotspot Gütersloh und das Gütersloher Kennzeichen dafür verantwortlich. Zuletzt wurden Menschen aus der Krisenregionen immer wieder beleidigt und bedroht, weil sie mit dem Fleischkonzern Tönnies in Verbindung gebracht werden. 

Für viele Menschen aus Gütersloh steht der Urlaub auf der Kippe und zwischenzeitig hatte die Regierung in Österreich für das gesamte Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) eine Reisewarnung ausgesprochen. Inzwischen gilt diese nur noch für den Kreis Gütersloh. Vor wenigen Tagen sorgte dann auch noch ein TV-Star für Aufsehen: Comedian Oliver Pocher hat sich für seine RTL-Show "Pocher - gefährlich ehrlich!" in Gütersloh als Clemens Tönnies ausgegeben, um den Fleischkonzern auf die Schippe zu nehmen. Doch für diese Aktion erntete der Komiker auch Kritik. 

In der Stadt Gütersloh hat sich Oliver Pocher als Clemens Tönnies ausgegeben (Symbolbild). 

Mutter und Tochter aus Gütersloh bedroht – Polizei Münster schreitet ein 

Mit einer symbolischen Handbewegung schoss schließlich ein Mann auf die beiden Gütersloher Frauen. Diese Aktion brachte das Fass zum Überlaufen. Mutter und Tochter fühlten sich bedroht und alarmierten daraufhin die Beamten der Polizei Münster. Die Einsatzkräfte konnten sie schließlich sicher aus der Stadt führen. Beate Bredenbals erstatte schließlich Anzeige wegen Beleidigung

Die Skandal-Aufnahmen bei Deutschlands größten Fleischkonzern werfen weiterhin fragen auf: Die Urheberin des Tönnies-Videos im Kreis Gütersloh wurde gekündigt, doch die Frau wehrt sich nun gegen ihre Entlassung und zieht vor das Arbeitsgericht in Bielefeld.

Das Verschwinden eines 35-jährigen Mannes sorgt in der Stadt seit Sonntag (5. Juli) ebenfalls für Aufmerksamkeit: Nachdem der vermisste Marco R. aus Gütersloh spurlos verschwand, starte seine Schwester einen Suchaufruf bei Facebook, der tausendfach geteilt wurde.

Ein Freizeitpark in NRW hat sich eine nie da gewesene Rabatt-Aktion überlegt: Das Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) bedankt sich bei den Corona-Helfern mit einer großzügigen Aktion und lädt einige Berufsgruppen kostenlos in den Wildlife-Zoo ein.

*Owl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa