Kritik am Fleischbetrieb

"Shut down Schweinesystem!" Bundesweite Proteste gegen Tönnies aus dem Kreis Gütersloh

Nach der massiven öffentlichen Kritik gegen den Schlachtbetrieb Tönnies folgten Proteste vor dem Werk im Kreis Güterloh. Aktivisten kündigen nun weitere Aktionen in ganz Deutschland an.

  • Beim Schlachtbetrieb Tönnies kam es zu Protesten.
  • Aktivisten demonstrierten gegen die Arbeitsbedingungen.
  • Weitere Kampagnen und ein bundesweiter Aktionstag sind angekündigt.

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück – Nach dem Coronavirus-Ausbruch in Rheda-Wiedenbrück geriet der Schlachtbetrieb Tönnies stark in die Kritik. Am Wochenende kam es zu Protesten am Werksgelände in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh. Die Aktivisten kündigten zudem weitere Proteste an, wie owl24.de* berichtet.

FleischkonzernTönnies
Zentrale  Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh
Mitarbeiterzahl9007 (2018)
Gründung1971

Das Verschwinden eines 35-jährigen Mannes sorgt in der Stadt seit Sonntag (5. Juli) ebenfalls für Aufmerksamkeit: Nachdem der vermisste Marco R. aus Gütersloh spurlos verschwand, starte seine Schwester einen Suchaufruf bei Facebook, der tausendfach geteilt wurde.

Proteste am Tönnies-Werk im Kreis Gütersloh nach Coronavirus-Ausbruch

Am vergangenen Samstag (4. Juli) begannen Aktivisten bereits am Morgen mit Plakaten gegen Tönnies zu protestieren. Sie sammelten sich an dem Werksgelände im Kreis Gütersloh und forderten unter anderem "Schluss mit der Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur", wie die Presseagentur dpa berichtet. 

Seit dem Coronavirus-Massenausbruch bei Tönnies im Kreis Gütersloh* häufte sich die öffentliche Kritik an den Arbeitsbedingungen für die meist durch Subunternehmer und Werkverträge beschäftigen Arbeitskräfte. Zudem hatte der Ausbruch zu Folge, dass die Kontakt- und Öffnungsbeschränkungen im Kreis Gütersloh und dem angrenzenden Kreis Warendorf wieder eingeführt wurden.

Aktivisten tun sich zusammen für Proteste gegen Tönnies im Kreis Gütersloh

Nach den Protesten vom Wochenende, die auch in Köln und Osnabrück stattfanden, haben sich nun die Aktivistengruppen zusammengeschlossen. In einer Pressemitteilung geben sie bekannt, dass sie gemeinsam einen bundesweiten Aktionstag unter anderem gegen den Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh planen.

 "Unter dem Motto 'Shut down Schweinesystem! – Gegen Rassismus, Leiharbeit und Lohndumping!' haben sich Gruppen aus Berlin, Köln, Bielefeld, Göttingen, Osnabrück und Münster* zusammengeschlossen, um gegen die untragbaren Zustände in der Fleischindustrie aktiv zu werden und sich mit den Beschäftigten zu solidarisieren", heißt es dazu.

Gruppen aus Münster, Berlin und Köln protestieren nach Corona-Ausbruch gegen Tönnies im Kreis Gütersloh

Für die Aktivisten sei der Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies im Kreis Gütersloh nicht unerwartet gewesen: „Es ist keine Überraschung, dass sich das Coronavirus unter der Belegschaft des Konzerns ausbreitet, denn diese ist in Sammelunterkünften zusammengepfercht und muss sich im 'Schichtsystem' Betten teilen“, sagt Jonas Thalberg, Sprecher der Kampagne "Shut down Schweinesystem". Folgende Gruppen zählen laut Pressemeldung zu den Unterstützern der Kampagne: 

  • Antinationale Linke Bielefeld (ALiBi) 
  • Eklat Münster 
  • No Lager Osnabrück 
  • Libertäre Kommunist:innen Osnabrück (LiKOS) 
  • Theorie, Organisation, Praxis Berlin (TOP B3rlin) 
  • Redical M Göttingen 
  • Antifa AK Cologne

Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies (Gütersloh): Kritik an Politik

Doch nicht nur Tönnies wird von den Aktivisten scharf kritisiert – auch die Politik habe die Lage der Arbeitnehmer bei dem Schlachtbetrieb im Kreis Gütersloh zugelassen, wie Thalberg weiter beschreibt: "Die nun empörten Stimmen aus der Politik, haben die ausbeuterischen Verhältnisse über Jahre unterstützt und von ihnen profitiert. So erhielt die lokale CDU Rheda-Wiedenbrück sechsstellige Summen an Spendengeldern von Tönnies."

Die Solidarität der Aktivisten gehöre den Arbeitnehmern von Tönnies im Kreis Gütersloh, so Thalberg: "Dass Sigmar Gabriel vom SPD-Bundespolitiker zum bezahlten Berater von Tönnies geworden ist, spricht für das Verhältnis der Politik zur Wirtschaft. Wir als Kampagne erklären uns daher ausdrücklich solidarisch mit den Arbeiter*innen des Schweinesystems Tönnies, die ökonomischer Ausbeutung und rassistischer Stigmatisierung ausgesetzt sind!"

Nach einem Coronavirus-Ausbruch kam es zu Protesten vor dem Schlachtbetrieb Tönnies in Gütersloh.

Zuletzt war eine der Angestellten in die mediale Öffentlichkeit geraten: Die Tönnies-Mitarbeiterin im Kreis Gütersloh wurde entlassen, nachdem sie Video-Aufnahmen aus der Betriebskantine veröffentlicht hatte*. Vor dem Arbeitsgericht Bielefeld* kämpft sie allerdings gegen die Kündigung.

Nach Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies: Lockerungen für den Kreis Gütersloh in Sicht?

Bei dem Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies handle es sich um das "größte einzelne Ausbruchsgeschehen in Deutschland", wie die Stadt Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) laut dpa berichtet. Von den insgesamt 6100 Betriebsangehörigen von Tönnies seien etwa 23 Prozent mit dem Coronavirus infiziert. Mittlerweile wurden die strengeren Maßnahmen im Kreis Warendorf wieder gelockert, für den Kreis Gütersloh waren sie zuletzt bis zum 7. Juli (Dienstag) verlängert worden. Anfang Juli gelang einem Expertenteam in Ostwestfalen-Lippe nun bei der Bekämpfung des Erregers SARS-CoV-2 möglicherweise ein Erfolg: In Bielefeld (NRW) haben Forscher der Universität einen neuen Corona-Schnelltest entwickelt, der bereits nach 16 Minuten ein Ergebnis bringen soll. Eine Einrichtung in der Stadt musste außerdem am Mittwoch (8. Juli) wegen Covid-19 geschlossen werden: In Bielefeld-Brackwede wurde in der Kita Brock ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet und 77 Betroffene mussten sich in Quarantäne begeben.

Derzeit würden die Coronavirus-Infektionsfälle in der übrigen Bevölkerung jedoch auf "niedrigem Niveau" schwanken, wie der Kreis Gütersloh am Sonntag (5. Juli) berichtet. Damit sind die Menschen gemeint, die nicht für den Schlachtbetrieb Tönnies tätig sind. 473 Menschen seien derzeit akut infiziert. In den letzten sieben Tagen seien 56 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner dazugekommen. Die Übergrenze für erneute Lockerungen liegt bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. 

Seit Donnerstag (16. Juli) dürfen die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Schlachtunternehmen wieder arbeiten: Im Kreis Gütersloh hat der Fleischkonzern Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück (NRW) seinen Betrieb wieder aufgenommen und Landrat Sven Georg Andenauer geriet in die Kritik, weil er nach Auffassung der SPD-Mitglieder etwas verschweige. 

Ein Freizeitpark in NRW hat sich eine nie da gewesene Rabatt-Aktion überlegt: Das Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) bedankt sich bei den Corona-Helfern mit einer großzügigen Aktion und lädt einige Berufsgruppen kostenlos in den Wildlife-Zoo ein.  (*Owl24.de und msl24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.)

Derweil ist der Lockdown im Kreis Gütersloh beendet. Dies beschloss das Oberverwaltungsgericht in Münster.

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