Denunziation oder Bürgerpflicht?

Stadt im Ruhrgebiet bittet Bürger darum, Sünder zu verpetzen – „DDR lässt grüßen“

Normalerweise ist das Ordnungsamt für die Erfassung von Parkverstößen zuständig. Im Ruhrgebiet sollen Bürger die Aufgabe nun auch übernehmen.

Gelsenkirchen – Falsch geparkte Autos sind für viele Menschen ein Ärgernis. Kein Wunder, dass die Städte im Ruhrgebiet fast täglich Horden von Ordnungsamtsbedienstete auf die Straße schicken – zumal das auch Geld in die Stadtkasse spült. In Gelsenkirchen sollen Bürger dem Ordnungsamt nun dabei unter die Arme greifen – was wiederum für Kritik sorgt.

StadtGelsenkirchen
LandNRW
OberbürgermeisterinKarin Welge (SPD)

Gelsenkirchen: Bürger sollen Parksünder via App „Ge-meldet“ anzeigen

Möglich ist das seit kurzem mit dem sogenannten Mängelmelder namens „Ge-meldet“. Damit können Bürger online – auch via App – Verstöße aller Art melden. Anzeigen können Nutzer des Services unter anderem defekte Ampeln, Schrottfahrzeuge oder Müllablagerungen. Letzteres können Bürger anderer Städte, etwa in Dortmund, ebenfalls bereits via App tun. In Dortmund heißt das Ganze „Dreckpetze“.

Neuste Funktion in der „Ge-meldet“-App ist der Unterpunkt „Parkverstöße“. Damit können Gelsenkirchener ab sofort unter anderem melden, ob Grundstücke, Rad- oder Gehwege verkehrswidrig zugeparkt sind.

NRW: Stadt Gelsenkirchen ermuntert Bürger dazu, Parksünder zu melden

Die Stadt wirbt dafür, dass derlei Verkehrsverstöße mit der neuen Funktion nun unbürokratisch gemeldet und weiterverfolgt werden könnten. Der Service soll laut Stadtverwaltung die Bürgerbeteiligung weiter verbessern und einen Beitrag dazu leisten, „Gelsenkirchen so lebens- und liebenswert wie möglich zu erhalten“ (hier mehr News aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24 lesen).

Die Parksünder-Meldungen landen nicht nur auf dem Schreibtisch beim Ordnungsamt der Stadt, sondern sind auch öffentlich einsehbar. Auf der Homepage der Stadt Gelsenkirchen unter dem Menüpunkt „Ge-meldet“ findet man eine Auflistung aller gemeldeten „Sünden“ in Gelsenkirchen. Garniert wird die Liste mit einer Karte, auf der alle Meldungen mit exaktem Standort abgebildet werden.

Gelsenkirchen: Gemeldete Verstöße in „Ge-meldet“-App landen öffentlich im Internet

Wer also mit seinem Auto zur falschen Zeit am falschen Ort steht, dessen Fahrzeug könnte schon bald für Hinz und Kunz öffentlich mit Foto und Adresse auf der Homepage der Stadt Gelsenkirchen zu sehen sein. Obendrein gibt es eine Strafe aus dem in 2021 verschärften Bußgeldkatalog.

In der App namens „Ge-meldet“ können Bürger in Gelsenkirchen jetzt auch Parkverstöße melden.

In den Social-Media-Kommentarspalten tobt zu der neuen Funktion bereits eine heiße Diskussion. Während einige User den Schritt der Stadt Gelsenkirchen überfällig finden, bezeichnen andere die neue Funktion als Aufruf zur Denunziation. „DDR lässt grüßen“, lautet etwa ein ziemlich überspitzter Kommentar auf Facebook.

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/dpa

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