Oberbürgermeister sorgt für Wirbel

Kurioses Video mit Farid Bang: Politisches Durcheinander für OB Thomas Geisel in Düsseldorf 

Nach dem Video mit Farid Bang gibt es in Düsseldorf Kritik für OB Thomas Geisel. Nicht allen gefällt der Aufruf des umstrittenen Rappers. 

  • Farid Bang rief in einem Video der Stadt Düsseldorf dazu auf, sich an die geltenden Corona-Regeln zu halten.
  • Der Düsseldorfer Rapper stand in der Vergangenheit wegen einiger Textzeilen in seinen Songs in der Kritik.
  • Den Vorwurf des NRW-Ministers Joachim Stamps, nicht mehr "alle Tassen im Schrank zu haben", kontert Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Düsseldorf – Knapp 100.000 Aufrufe hat der Corona-Appell des Rappers Farid Bang (34) nach zwei Tagen allein auf YouTube. "Benehmt euch. Hört auf hier Unfug zu machen, sonst ziehe ich euch die Ohren lang", heißt es darin unter anderem. So weit, so unspektakulär – wäre es nicht der offizielle Kanal der Landeshauptstadt Düsseldorf, auf dem das Video hochgeladen wurde.

Thomas Geisel: OB von Düsseldorf steht wegen Corona-Video von Farid Bang in der Kritik

Dem deutschsprachigen Musiker mit marokkanischen und spanischen Wurzeln wurde in der Vergangenheit vorgeworfen, frauenfeindliche, gewaltverherrlichende und antisemitische Texte zu verbreiten. Die Zeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" sorgte im Vorfeld der Echo-Verleihung 2018 für einen regelrechten Aufschrei in der Musikszene.

Trotzdem entschied sich die Stadt Düsseldorf dafür, den umstrittenen Rapper für den Corona-Appell (alle Entwicklungen zum Coronavirus in NRW im Ticker) einzusetzen. Man wollte damit Zielgruppen erreichen, die für andere Vertreter der Stadt nicht zugänglich seien. Überwiegend junge Männer hätten in der Altstadt und am Rheinufer für Zustände gesorgt, "die wir in Düsseldorf nicht haben wollen", so Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD).

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp fragt sich, ob Thomas Geisel "alle Tassen im Schrank hat"

Quer durch die Parteien und auch von der jüdischen Gemeinde wurde der 41-sekündige Videoclip mit Farid Bang kritisiert. Besonders harsch fiel die Kritik von NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) aus. "Ich sag's ganz ehrlich: Ich habe mich gefragt, ob der OB noch alle Tassen im Schrank hat", so der 50-Jährige im WDR.

Zu viel für Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, der dem Minister in einem auch auf Facebook veröffentlichten Brief antwortet. "Zunächst einmal finde ich es mehr als befremdlich, dass ein Landesminister aus dem Amt heraus, während des Kommunalwahlkampfes in dieser Art und Weise agiert", schreibt Geisel.

Nicht nur die "derbe, unangemessene Ausdrucksweise", sondern auch das Fehlen jeglicher konstruktiver Vorschläge zu den Problemen in Düsseldorf, die sicherlich auch eine Folge mangelnder Integration seien, stören Thomas Geisel. Der SPD-Politiker wirft Joachim Stamp vor, angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl in NRW schlicht Wahlkampf zu betreiben.

Düsseldorf-OB Thomas Geisel schießt gegen Joachim Stamp zurück: "Farid-Bang-Video" nicht wirklich interessiert

"Zur Sache kann ich Ihnen versichern, dass ich durchaus 'alle Tassen im Schrank' habe und ich mir sehr wohl überlegt habe, ob ein solches Video mit Farid Bang hilfreich sein kann für die Lösung der darin angesprochenen Probleme. Das hätte ich Ihnen gerne auch persönlich erklärt, wenn es Sie denn wirklich interessiert hätte. Den Versuch einer Kontaktaufnahme Ihrerseits hat es aber nicht gegeben."

Dennoch scheint der Druck auf den Oberbürgermeister Düsseldorfs ob des Corona-Appells von Farid Bang zu groß zu werden. In einem der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegenden Brief an seine Wahlkampfunterstützer und SPD-Mitglieder signalisiere er Bereitschaft, das Video zu entfernen.

Nach dem Vorwurf des Antisemitismus im Zusammenhang mit der Echo-Verleihung 2018 besuchten Farid Bang (l.) und Kollegah (r.) die KZ-Gedenkstätte Auschwitz.

Sollte sich die Mehrheit der demokratischen Fraktionen im Rat dafür aussprechen, werde er das Video löschen lassen. Angesichts der kontroversen Diskussionen auch in seiner eigenen Partei stelle er sich die Frage, ob er richtig gehandelt habe.

Düsseldorf: Thomas Geisel entschuldigt sich nach Farid-Bang-Video bei Queer-Community – mahnt aber zur Toleranz

Entschuldigende Worte richtet Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel in dem Schreiben auch an die vielen Frauen und Mitglieder der Queer-Community, die "regelrecht entsetzt und zum Teil auch persönlich getroffen und verletzt" worden seien. Vor der Entscheidung für das Video mit Farid Bang habe er diesen Aspekt "offensichtlich nicht gründlich genug recherchiert".

Es gehöre aber auch zur Toleranz, "Anschauungen, Lebensentwürfe und Äußerungen auszuhalten, die unseren Vorstellungen von zivilisatorischem Fortschritt und Political Correctness nicht entsprechen". Zu dieser vielfältigen Gesellschaft gehörten auch Farid Bang, seine Fans und "die jungen Männer, die am Wochenende das Rheinufer unsicher machen".

Düsseldorf zählt seit Beginn der Pandemie 2.037 Infektionen (Stand: 24. Juli 2020) mit dem neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2). Nach Köln, dem Kreis Gütersloh und Aachen samt Städteregion Aachen ist die Landeshauptstadt damit in Nordrhein-Westfalen in absoluten Zahlen am viertstärksten von dem Virus betroffen. Mit dpa-Material

Rubriklistenbild: © Youtube/Stadt Düsseldorf, dpa; Collage: RUHR24