Kein Missbrauch, sondern Vergewaltigung: Kinderhilfe macht Schwere der Lügde-Taten deutlich

Missbrauch in Lügde. Foto: Guido Kirchner/dpa
+
Missbrauch in Lügde. Foto: Guido Kirchner/dpa

Mit dem Begriff "Vergewaltigung" will die Deutsche Kinderhilfe im Fall Lügde die Schwere der grausamen Taten deutlich machen. Der Prozess gebinnt bald.

Der Prozess im Fall Lügde startet in Kürze. Bevor die Verhandlungen beginnen, macht die Deutsche Kinderhilfe deutlich: Der Vorwurf "schwerer sexueller Missbrauch" klinge fast unbedeutend. Viel mehr gehe es um die Vergewaltigung vieler Kinder.

  • Mehr als 40 Kinder wurden in Lügde Opfer sexueller Gewalt.
  • Der Prozess beginnt am 27. Juni.
  • Deutsche Kinderhilfe spricht von Vergewaltigung.

Es geht um grausame und menschenverachtende Taten: Der Strafprozess vor dem Detmolder Landgericht nach dem jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde steht kurz vor seinem Beginn.

Als der Prozess gut eine Woche läuft, kommen während der Verhandlungen immer wieder schreckliche Details der Taten ans Licht.

Der Fall Lügde: Drei Männer auf der Anklagebank

Am 27. Juni werden drei Männer, die sich bereits seit Monaten in Untersuchungshaft befinden, auf der Anklagebank sitzen und sich ihren schrecklichen Taten stellen müssen.

+++ Kinderpornos, Waffen und Zeitungsartikel über vermisste Kinder bei Wuppertaler Rentner gefunden +++

Der Fall Lügde brachte in den vergangenen Monaten immer neue und immer schlimmere Grausamkeiten ans Licht. So sollen nicht nur mehr als 40 Mädchen und Jungen, die jüngsten Opfer sollen erst vier Jahre alt gewesen sein, brutal misshandelt worden sein.

Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass auch minderjährige Opfer gezwungen wurden, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Des Weiteren wurden Vorwürfe gegen die Polizei laut. 155 Datenträger gingen verschwunden, außerdem kam heraus, dass ein Polizist wegen Kinderpornografie vorbestraft war.

Grausamkeit der Taten soll deutlich werden

Strafen soll es auch für die Täter von Lügde geben. Unter anderem werden dem heute 56-jährigen Dauercamper Andreas V. 298 Straftaten vorgeworfen. 23 Mädchen sollen Opfer seiner Quälereien im Sommer 1998 und von Anfang 2008 bis Ende 2018 geworden sein.

Der 34-jährige Mario S. soll in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht haben, manche schwer. Der dritte Angeklagte, der 49-jährige Heiko V. soll teilweise zu den Taten angestiftet haben.

Allen drei Männern wird schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Dieser juristisch korrekte Ausdruck macht laut Rainer Becker, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, jedoch nicht deutlich, wie grausam diese Taten sind.

Deutsche Kinderhilfe spricht von Vergewaltigung

Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas V. bei zehn Kindern vor, mehrfach "Beischlaf" vorgenommen zu haben und Handlungen, die "mit einem Eindringen in den Körper verbunden gewesen sein sollen". Das sei dem Grunde nach Vergewaltigung, so Becker.

Indes hofft Opferanwalt Roman von Alvensleben, dass die Kinder nicht vor Gericht aussagen müssen. "Ich appelliere an alle Beschuldigten, Geständnisse abzulegen", sagte der Jurist aus Hameln (Niedersachsen) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mit dpa-Material

Und nach den Fällen von Lügde und Bergisch Gladbach hat die Polizei eine Dritte Plattform für Kinderpornografie abgeschaltet. Diese war nach einer bundesweiten Razzia entdeckt worden. Sie soll zur Verbreitung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten, sowie zum Verabreden zum sexuellen Missbrauch von Kindern genutzt worden sein.