Urteil gefallen

Essen: Arzt gibt Corona-Patienten nach Todes-Lüge giftige Spritze

Um sein Leid zu verkürzen, verabreichte ein Essener Oberarzt einem Corona-Patienten eine tödliche Spritze. Doch zum Zustand des Patienten hatte er offenbar gelogen.

Essen – Ein ehemaliger Oberarzt des Universitätsklinikums Essen muss wegen Totschlags für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Dazu verurteilte ihn das Essener Landgericht am Mittwoch (3. November), nachdem die Richter zu der Überzeugung gekommen waren, dass der Arzt einem Covid-19-Patienten aus Holland eine tödliche Dosis Kaliumchlorid verabreicht hatte. Wie RUHR24* weiß, soll er die Ehefrau des Patienten zudem angelogen haben, um ihre Zustimmung für sein Tun zu erhalten.

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Corona-Patient getötet: Arzt aus Essen wegen Totschlags zu drei Jahren Haft verurteilt

Am 13. November 2020 erhielt die Ehefrau des getöteten Patienten einen Anruf aus Essen. Der Zustand ihres Mannes hatte sich offenbar so weit verschlechtert, dass ihr nichts anderes mehr blieb, als sich von ihrem Mann zu verabschieden. Zuvor war der mit dem Coronavirus* infizierte Patient aus dem niederländischen Venlo nach Essen verlegt worden.

In der Klinik in Essen, in der aktuell auch an einem neuen Corona-Medikament geforscht wird*, verabreichte der zuständige Oberarzt dem Patienten dann offenbar eine todbringende Injektion Kaliumchlorid. Und das, obwohl möglicherweise noch Hoffnung für den Patienten bestanden haben könnte.

Der Ehefrau des Patienten soll der Arzt jedoch suggeriert haben, dass die Situation aussichtslos sei, berichtet das RND. „Sie haben die Angehörigen angelogen“, erklärte demnach auch Richter Jörg Schmitt in seiner Urteilsbegründung. „Indem sie ihnen gesagt haben, der Sterbeprozesse stehe unmittelbar bevor“.

Essen: Tod eines Corona-Patienten – hatte der Arzt gelogen?

Doch das könnte nicht der Wahrheit entsprochen haben. Denn im Prozess kommt auch die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass letztendlich die Injektion des Arztes – unabhängig von der schweren Grunderkrankung des Mannes – unmittelbar zum Tod des Mannes geführt haben soll. Die Staatsanwaltschaft ging laut Spiegel zudem davon aus, dass eine Weiterführung der Therapie noch möglich gewesen wäre.

Am Universitätsklinikum Essen kämpfen Ärzte jeden Tag um das Leben ihrer Patienten. War der verurteilte Arzt überfordert?

Ein Krankenpfleger hatte am Tag des Todes des Patienten Alarm geschlagen. Gegenüber dem Gericht bestätigte er, dass der Arzt dem Patienten Kaliumchlorid verabreicht hatte. Bei einer Befragung im Klinikum hatte der Arzt die Gabe einer Überdosis des Medikaments noch zugegeben. Er habe das Leid des Patienten beenden wollen (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet* auf RUHR24).

Uniklinik Essen: Arzt tötet Corona-Patienten „aus Überforderung“

Während des Prozesses bestritt der Arzt die ihm vorgeworfene Tat jedoch. „Wir konnten nichts mehr machen“, so der 45-Jährige. Die lebenserhaltenden Geräte seien in Abstimmung mit den Angehörigen abgestellt worden. Die Medikamente habe er dem Sterbenden nur gegeben, weil er den Sterbevorgang habe abmildern wollen.

Allerdings könnten die Angehörigen über den Zustand des Patienten vom Arzt getäuscht worden sein. Die Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens sprach in ihrem Plädoyer von aktiver Sterbehilfe, ein Akt, der strafbar sei. Warum der Arzt das tat? „Wahrscheinlich, weil er überfordert war“, so Jürgens laut RND.

Dem Arzt werden laut Spiegel zwei weitere, ähnliche Fälle des Totschlags zur Last gelegt. Bei diesen Fällen reiche die Beweislage bisher jedoch nicht aus, um einen Prozess zu eröffnen. Auch das Urteil zum nun verhandelten Fall ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung des Arztes hatte laut RND auf Freispruch plädiert. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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