Erfolgreicher Kampf

Horror-Plage in NRW ist 2020 ausgeblieben - aber warum eigentlich?

Der Eichenprozessionsspinner ist in NRW nicht nur wegen der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in den Hintergrund gerückt. Wir erklären, was dahinter steckt.

NRW - Trotz des grassierenden Coronavirus konnten wir in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 den ein oder anderen Sommerabend im Park oder am See verbringen. Anders als im Vorjahr machte uns der lästige Eichenprozessionsspinner dabei keinen Ärger. Hatten die Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren Nachsicht?

NRW führt erfolgreichen Kampf gegen Eichenprozessionsspinner - wirksames Biozid eingesetzt

Wohl kaum. Die Voraussetzungen für eine große Verbreitung des Eichenprozessionsspinners waren auch 2020 ideal. Trockenheit und Wärme liefern den Raupen des unscheinbaren Falters beste Bedingungen.

Straßen.NRW hat deshalb früh reagiert und ist mit eigens angeschafften Turbinenspritzen zielgenau gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners vorgegangen. „Wir haben zudem erstmals in den Bereichen, in denen im Vorjahr ein besonders hoher Befall zu finden war, zwei Mal das zugelassene Biozid versprüht“, sagt Clemens Lenzen, Fachagrarwirt und Baumsachverständiger der Regionalniederlassung Niederrhein.

Mit Turbinenspritzen wird das Biozid auf die Blätter befallener Eichen gespritzt.

Das Biozid, welches auf dem Bodenbakterium „Bacillus thuringiensis“ basiert, wurde bereits im Frühjahr auf die Eichenblätter gesprüht. Frisst die Raupe das Blatt, entfaltet der Stoff im Darm seine Wirkung und die Raupen sterben ab, bevor sie im dritten Larvenstadium die gefährlichen Brennhaare ausbilden. Für Menschen und Tiere ist das Biozid ungefährlich. Durchschnittlich 70 bis 90 Prozent weniger Nester haben die Straßen- und Autobahnmeistereien verzeichnet.

Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner in NRW: Fallen ohne nennenswerten Erfolg

Mit dem konsequenten Vorgehen gegen den Eichenprozessionsspinner schützt Straßen.NRW nicht nur Fußgänger und Radfahrer, sondern auch die eigenen Mitarbeiter. „Sie sind nicht nur während der Raupensaison betroffen, sondern auch noch im Herbst und Winter, wenn sie zum Beispiel für die Gehölzpflege im Böschungsbereich unterwegs sind“, so Straßen.NRW-Direktor Dr. Sascha Kaiser.

Denn die Brennhaare bleiben gefährlich. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare, die noch lange am Boden liegen und bei Arbeiten immer wieder aufgewirbelt werden.

Am Niederrhein wurden zehn Eichen nicht mit dem Biozid präpariert, sondern mit Fallen. Der Erfolg war allerdings überschaubar. Nur in zwei Fallen wurden tote Raupen gefunden, fünf Fallen haben die Eichenprozessionsspinner schlicht „überbaut“ und drei weitere Fallen blieben wirkungslos, weil die Raupen nur ganz oben in der Krone des Baumes aktiv waren.

Für eine erste Bilanz zu der Wirksamkeit der 300 Nistkästen für Meisen, die Straßen.NRW in der Regionalniederlassung Ruhr aufgehängt hat, ist es noch zu früh. Die Nistkästen seien erst in diesem Frühjahr bezogen worden, der Nutzen lasse sich noch nicht abschließend bewerten.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa, Straßen.NRW; Collage: RUHR24

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