Gemüseverzehrverbot bleibt

Dortmund rätselt wegen PCB-Problem – und warnt die Bürger

Dortmund hat weiterhin ein PCB-Problem. Im Stadtteil Körne sind davon viele Menschen betroffen.

Dortmund – Noch immer gibt es eine hohe PCB-Belastung im Dortmunder Stadtteil Körne. Bereits vor knapp zwei Jahren hat die Stadt Dortmund dort erhöhte Werte festgestellt*. PCB kann in hoher Konzentration krebserregend sein. Nun sind wieder Messungen erfolgt, die nur geringe Abweichungen zu Messwerten vom Vorjahr aufweisen, weiß RUHR24*.

StadtDortmund
BundeslandNRW
betroffener StadtteilKörne

Dortmund: Hohe PCB-Werte in einem Stadtteil – Verursacher ist eine nahe Firma

Seit 2020 beschäftigen die PCB-Immissionen im Umfeld der Firma M+S Silicon an der Hannöverschen Straße viele Menschen im Stadtteil Körne. Damals wurden Messungen an Pflanzen im Umfeld des Kunststoffherstellers durchgeführt und die erhöhten PCB-Werte nachgewiesen.

Aus diesem Grund warnte die Stadt Menschen, die im direkten Umfeld von M+S Silicon leben oder eine Kleingartenanlage besitzen, vor dem Verzehr von dort selbst angebautem Gemüse. PCB ist die Kurzform für Polychlorierte Biphenile. Dabei handelt es sich um giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen, die beim Herstellungsprozess von Silikon entstehen und durch die Kamine der Fabriken in die Luft ausgestoßen werden können.

Auch im vergangenen Jahr seien die Untersuchungen durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz fortgesetzt worden. Auf zwei Gartenparzellen der Kleingartenanlage Nord-Ost wurden in der Zeit vom August bis November 2021 Pflanzcontainer mit Grünkohl aufgestellt. Die Ergebnisse dieser zweiten Grünkohlmesskampagne liegen der Stadt Dortmund jetzt vor.

Dortmund: PCB-Werte sind wider erwarten hoch – Besserung in Sicht?

Der PCB-Gehalt sei vergleichbar mit dem des Vorjahres, teilt die Stadt Dortmund* mit. Heißt: Es ist noch keine Verbesserung der Lage eingetreten. Die Stadt stellt sich nun die Frage, warum es, trotz der in erheblichem Umfang durchgeführten Produktionsumstellung auf einen halogenfreien Vernetzer, zu keiner nachweisbaren Reduktion der Gehalte in der Außenluft und in den Grünkohlproben gekommen ist.

Der Kunststoffhersteller hatte bereits im Jahr 2020 angekündigt, seine Produktion weitestgehend umzustellen. Durch die bereits erfolgte Umstellung sei nach Aussage des Unternehmens die Menge des für die Entstehung der PCB verantwortlichen Vernetzers um 75 Prozent gesenkt worden (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Der rot eingezeichnete Bereich im Dortmunder Stadtteil Körne gilt als besonders vom PCB-Ausstoß des Kunststoffherstellers M+S Silicon betroffen.

PCB-Werte in Dortmund: Firma kündigt weitere Produktionsumstellung an

Warum sich die Werte nicht noch weiter verbessert haben, gehen das Unternehmen und die Behörden auf die Spur, heißt es in einer Stadtmitteilung. Eine Forderung der Stadt: M+S Silicon wird die Produktion für alle weiteren Produkte umstellen müssen. Dazu hat die gemeinsame Untere Immissionsschutzbehörde der Städte Dortmund, Bochum und Hagen bereits verwaltungsrechtliche Maßnahmen eingeleitet – im ersten Schritt in Form einer Anhörung.

Am Freitag (18. Februar) hat das Unternehmen angekündigt, dass noch in diesem Monat zwei weitere Kunden auf eine andere
Produktionsweise umgestellt werden sollen. Das Ziel: Eine zeitnahe Reduzierung der schädlichen Emissionen auf null.

Was bedeuten die weiterhin hohen PCB-Werte für die nahen Anwohner? Für die 201 Gartenparzellen des Gartenvereins Nord-Ost bedeutet dies jedoch, dass die Verzehrempfehlung aus dem Vorjahr weiterhin gültig bleiben muss. Selbst angebautes Blattgemüse sollte demnach nicht häufiger als einmal pro Woche in einer Portionsgröße von 250 Gramm verzehrt werden, heißt es abschließend von der Stadt *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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