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Deichmann testet in NRW einzigartiges Konzept – doch es kommt viel zu spät

Wer heutzutage neue Kleidung braucht, bestellt diese bevorzugt im Internet. Schon bald soll es im Ruhrgebiet aber noch eine andere Möglichkeit geben.

Mülheim/Essen – In Zeiten der Corona-Pandemie hat der Online-Handel in Deutschland einen ordentlichen Boom erlebt. Was früher im Geschäft gekauft wurde, wurde im Lockdown im Internet bestellt. Mittlerweile haben die Geschäfte wieder geöffnet. Eine deutsche Mode-Marke will das für sich nutzen und Internet-Shopping mit dem stationären Einzelhandel verbinden. Aber kann das klappen?

UnternehmenDeichmann
SitzEssen
GründerHeinrich Deichmann

Einzelhändler aus Essen testet im Ruhrgebiet ein neues Konzept für seine Kunden

Einer der größten deutschen Einzelhändler, die Essener Schuh-Marke Deichmann, führt in zwei ausgewählte Filialen im Ruhrgebiet ein einzigartiges Konzept ein: Abholboxen vor den Eingängen, die auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten für Kunden zugänglich sind.

Eine erste Abholstation dieser Art hat Deichmann laut eigener Angabe vor seiner Filiale in Mülheim-Dümpten installiert. Weitere Boxen sollen aber schon bald folgen, verkündete Samuel Deichmann, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, im Online-Netzwerk LinkedIn. Die WAZ (Bezahlinhalt) berichtete zuerst darüber.

Deichmann baut Abholboxen zur Abholung für Online-Bestellungen an seinen Filialen

Aber wie funktioniert das Konzept und für welche Kunden bietet es sich an? Deichmann selbst bezeichnet seine neuen Abholboxen als „24/7 Click&Collect-Abholstation“, die im Grunde ähnlich wie die Packstationen der Deutschen Post funktionieren.

Kunden können ihre gewünschte Ware im Internet bestellen und anschließend in der Filiale abholen - unabhängig der dortigen Öffnungszeiten und dann, wenn es der Person am besten zeitlich passt. Die Abholboxen würden sich also zum Beispiel für Berufstätige eignen, die tagsüber nicht zu Hause sind und Pakete annehmen können. Aber wie rentabel werden die Abholboxen in einer Zeit sein, in der sich Millionen Deutsche bevorzugt alles nach Hause liefern lassen?

Können die Abholboxen von Deichmann mit klassischen Online-Bestellungen mithalten?

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Umsatz des Online-Handels im Jahr 2020 bei insgesamt 83,3 Milliarden Euro und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent an. Den größten Anteil am Online-Handel haben die Textil-Versandhändler: Knapp zehn Milliarden Euro Umsatz wurde allein mit Kleidung gemacht. Rund fünf Milliarden Euro entfallen auf Schuhe.

Anhand der Statistiken lässt sich ganz klar erkennen: Die Nachfrage nach Mode aus dem Internet ist riesig. Aber ist die Nachfrage nach bestellter Mode, die man vor Ort im Laden abholen kann, genauso groß? Wer im Internet bestellt, profitiert vor allem von Bequemlichkeit: Die Pakete werden direkt zur Haustür geliefert, man muss also noch nicht einmal das Haus verlassen.

Kunden können ihre Bestellungen heutzutage ganz flexibel empfangen - Abholboxen überflüssig?

Selbst der Nachteil, dass man zum Lieferzeitpunkt zu Hause sein muss, zieht heutzutage nicht mehr: Bei den gängigsten Versandunternehmen kann man mittlerweile einen Ablageort wählen oder sich einen Wunsch-Liefertag aussuchen. Man muss also gar nicht mehr zwingend zu Hause sein, wenn die Bestellung kommt.

Deichmann hält an seinem neuen Konzept trotzdem fest und plant für die Zukunft, noch weitere seiner insgesamt 1.200 Filialen mit Abholboxen auszustatten. Als nächste Verkaufsstelle wurde das Geschäft am Limbecker Platz in der Essener Innenstadt auserkoren. Für die Abholung der bestellten Ware sollen Kunden einen sechsstelligen Code erhalten, sobald sich das Paket in der Abholbox befindet.

Pakete bestellen oder abholen? Deichmann testet im Ruhrgebiet ein neues Konzept.

Idee von Deichmann kommt zu spät und bringt nicht nur Vorteile - Unternehmen trotzdem siegessicher

Das Unternehmen ist sich sicher, dass das Konzept in Deutschland fruchten wird: „Der Online-Handel und die Verknüpfung mit dem Filialgeschäft werden in Zukunft noch wichtiger werden“, sagte Firmenchef Heinrich Deichmann jüngst der WAZ. Und betonte überdies, dass der Online-Handel alleine keine Konkurrenz sei: „Die einzelnen Vertriebskanäle sind keine Konkurrenten. Im Gegenteil: Sie befruchten sich gegenseitig.“

Eine Marktforschung vonseiten Deichmanns hätte gezeigt, dass viele Kunden ihre Bestellungen vorab im Internet recherchieren. „Die Verknüpfung der Kanäle bringt also mehr Umsatz in den Geschäften“, ist sich der Firmenchef deshalb sicher.

Deichmanns Abholstationen wären eine Alternative zu Click & Meet im Lockdown gewesen

Fraglich bleibt am Ende, warum Deichmann sein neues Konzept erst jetzt an den Markt bringt und nicht schon vor einigen Monaten, als der Lockdown die Einzelhändler zwang, ihre Geschäfte zu schließen. Damals boten viele Mode-Unternehmen ihren Kunden „Click & Collect“ in den Innenstädten an. Die Abholstationen von Deichmann hätten ihnen eine Option mit noch weniger Kontakt zu anderen Menschen geboten.

Deichmann ist in Deutschland vor allem für seine Angebote von preisgünstigen Damen- und Herrenschuhen bekannt. Auch Kinderschuhe sowie Accessoires bietet das Unternehmen aus Essen an.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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