Vorgaben sind eher vage

Coronavirus: Warum Schulen und Kitas in NRW so unterschiedlich reagieren

Kitas und Schulen in NRW versuchen sich im Regelbetrieb. Doch der Umgang mit dem Coronavirus ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Warum?

NRW - Das Geschehen an Schulen und Kitas während der Corona-Pandemie könnte unterschiedlicher kaum sein. Während die eine Schule wegen eines Verdachtsfalls gleich wieder ganz schließt, schickt die andere nur eine handvoll Schüler nach Hause. Wie RUHR24.de* berichtet, tragen die Schüler an der einen Schule den ganzen Tag Masken, an der anderen sind sie von der Maskenpflicht befreit. Und in den Kitas? Auch hier sieht die Situation von Kita zu Kita unterschiedlich aus.

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NRW: Maskenpflicht für Schulen in der Corona-Pandemie - wer entscheidet?

Die größte Unsicherheit besteht derzeit wohl in Bezug auf die Maskenpflicht. Während sie nach den Sommerferien für alle Schüler der weiterführenden Schulen in NRW bestand, ist die Pflicht, auch im Unterricht eine Maske zu tragen, inzwischen aufgehoben worden. 

Seitdem gilt eine ähnliche Regel, wie sie auch an Grundschulen gelebt wird. Auf den Gängen, Toiletten oder auf dem Schulhof gilt: Maske auf. Im Unterricht darf der Mund-Nasen-Schutz aber fallen (mehr Nachrichten aus NRW auf RUHR24.de*).

Seit Aufhebung der generellen Maskenpflicht an weiterführenden Schulen, dürfen Schulen und Schulleiter selbst entscheiden, wie die Regeln zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an ihrer Schule aussehen. Manch einer entschied sich, die Masken völlig aus dem Unterricht zu verbannen, andere wiederum setzen weiterhin darauf, dass alle Schüler immer eine Maske tragen müssen. 

NRW/Corona: Über eine Maskenpflicht kann jede Schule selbst entscheiden

Denn, im Maßnahmenkatalog des Schulministeriums heißt es zur Maskenpflicht auch: "Schulen können sich zudem im Einvernehmen mit der Schulgemeinde darauf verständigen, freiwillig auch weiterhin im Unterricht eine Mund-Nase-Bedeckung (MNB) zu tragen." Der Vorschlag des Präsidenten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, dass vor allem Lehrern im Unterricht eine Maskenpflicht auferlegt werden sollte*, wurde bislang nicht weiter verfolgt.

Der Grund für viele Schulleiter, sich für eine Fortführung der Maskenpflicht im Unterricht zu entscheiden, ist der, dass vom Schulministerium kein alternatives Sicherheitskonzept vorgelegt worden sei, wie Lehrer und Schüler vor einer Infektion geschützt werden sollen. In vielen Schulen kann zudem der Mindestabstand von 1,5 Metern in Klassenräumen nicht eingehalten werden. An einer Schule in Essen bliebe laut WDR aus diesem Grund die Maskenpflicht auch im Unterricht zunächst weiter bestehen.

NRW: Gewerkschaft kritisiert Ministerin Gebauer für Corona-Regeln

So kritisiert die Landesvorsitzende Maike Finnern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: "Schulministerin Gebauer sieht keinen Handlungsbedarf. In ihrer Wahrnehmung sind Schulen sichere Orte. Es gibt keinen Plan B für den Gesundheitsschutz, das ist riskant." 

Dabei gab und gibt es viele Vorschläge, wie das Geschehen an Schulen weit weniger riskant gestaltet werden kann. Immer wieder wird diskutiert, wie kleinere Lerngruppen geformt werden können. Wie der Unterricht entzerrt werden kann, damit im Verdachts- oder sogar Infektionsfall einer Lehrkraft oder eines Schülers nicht die ganze Klasse oder Jahrgangsstufe zu Hause bleiben muss, sondern nur die - möglichst kleine - Lerngruppe. 

NRW: Konkrete Corona-Vorgaben an manchen Schulen schwierig umzusetzen

Doch ganz konkrete Vorgaben, wie der angepasste Regelbetrieb an Schulen aussehen soll, gibt es aus dem Ministerium wenige. Als Grund dafür wird die Ausgangslage an den Schulen genannt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. So ist es an manchen Schulen leichter, kleine Lerngruppen zu bilden, weil genügend Räume und Lehrkräfte zur Verfügung stehen, als an anderen Schulen, die eh schon mit Platzmangel und wenig Personal zu kämpfen haben.

Zum Schuljahresbeginn sprach Schulministerin Gebauer über den angepassten Regelbetrieb an Schulen.

Damit Schulleiter am Ende des Tages also nicht vor der unlösbaren Aufgabe stehen, Konzepte umsetzen zu müssen, die an der Schule zum Beispiel aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht umsetzbar sind, sind die Maßgaben zum Umgang mit der Corona-Pandemie vonseiten des Ministeriums häufig eher vage formuliert.

NRW: Ein Schnupfen allein ist kein Grund, Kinder vom Unterricht auszuschließen

Noch kniffliger wird die Situation, wenn es darum geht, ob Eltern ihre Kinder überhaupt zur Schule und in die Kita schicken dürfen. Bei Fieber, trockenem Husten, Halsschmerzen oder gar Atemnot bleibt das Kind zu Hause. Ein Arzt muss dann abklären, woran das Kind erkrankt ist. In einigen Fällen ist die Situation aber nicht so eindeutig. Zum Beispiel, wenn das Kind Schnupfen hat.

Zwar gilt Schnupfen laut Robert-Koch-Institut (RKI) auch als eines der Symptome einer Covid-19-Infektion, komme in der kälter werdenden Jahreszeit aber auch so häufig vor. Die Empfehlung lautet demnach: Hat ein Kind Schnupfen, sollte es für 24 Stunden zu Hause beobachtet werden. Kommen zum Schnupfen keine weiteren Symptome dazu, kann der Schüler wieder am Unterricht teilnehmen.

Hände waschen vor dem Unterricht: Auch an vielen Schulen in NRW gehört das zum Corona-Alltag.

Allerdings ist auch das eine Empfehlung. Eltern, die überzeugt sind, dass ihr Kind nur eine wetterbedingte Triefnase hat, dürfen ihr Kind in die Kita und Schule schicken. Es sei denn, Kita- oder Schulleitung geben vor, dass das Kind in diesem Fall erst einmal zu Hause bleiben muss.

NRW: In Verdachtsfällen oder bei Infektionen mit dem Coronavirus entscheidet das Gesundheitsamt

Und auch im konkreten Verdachtsfall, etwa wenn ein Schüler oder Kita-Kind Covid-19-Symptome aufweist, läuft es anschließend keineswegs überall gleich. Zwar geben die "Verhaltensempfehlungen" des Ministeriums zunächst recht klare Maßnahmen vor - Schüler müssen bei Symptomen zügig nach Hause, Kita-Kinder abgeholt werden und, bis das geschieht, müssen sie räumlich getrennt von allen anderen untergebracht werden - im Anschluss an die erst Notfallhandlung, entscheidet aber jedes zuständiges Gesundheitsamt individuell, wie weiter verfahren wird. 

Die Gesundheitsämter wiederum bewerten zunächst die Ausgangssituation. Wie der WDR berichtet, mussten in Remscheid trotz einer positiv getesteten Lehrerin, nur 27 Schüler und ein weiterer Lehrer in Quarantäne. In einer ähnlichen Situation in Essen wurde eine Grundschule dagegen komplett geschlossen. 

NRW: Unterschiedliche Ausgangslagen beeinflussen weiteres Vorgehen bei Corona

Denn, während das Gesundheitsamt in Remscheid zum Schluss kam, dass Abstandsregeln und Maskenpflicht eingehalten wurden, war die Situation in Essen wohl deutlich unklarer. Der Kreis der Kontaktpersonen der Lehrkraft konnten hier nicht ohne weiteres eingegrenzt werden.

Ein weiterer Grund, Schulen, Kitas oder einzelne Betreuungsgruppen ganz zu schließen, liegt vor, wenn die Personaldecke so dünn ist, dass eine ausreichende Betreuung oder Unterricht nicht mehr stattfinden kann, sobald weitere Erzieher oder Lehrer mehr ausfallen, weil sie in Quarantäne müssen. 

Letztendlich umfasst das Konzept des Schulministeriums viele Vorgaben, Hinweise und Empfehlungen. Das konkrete Vorgehen, ob die Empfehlungen eher streng oder eher locker umgesetzt werden, obliegt aber den einzelnen Schulen und Kitas. Unterschiede in der Ausführung machen letztendlich das Infektionsgeschehen vor Ort, aber auch bauliche und personelle Unterschiede aus. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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