Auswirkungen Covid19-Pandemie 

Schausteller-Präsident kritisiert Spahn: Zweifel an Corona-Maßnahmen wegen Ansteckungsgefahr auf Volksfesten

Schausteller-Präsident Albert Ritter fordert eine Lockerung der Corona-Maßnahmen für Schausteller in ganz Deutschland
+
Schausteller-Präsident Albert Ritter fordert eine Lockerung der Corona-Maßnahmen für Schausteller in ganz Deutschland

Volksfeste sind aufgrund des Coronavirus bis Ende August tabu. Der Schaustellerverband kritisiert dauerhafte Restriktionen und stellt Forderungen.

  • Volksfeste in ganz Deutschland müssen wegen des Coronavirus ausfallen.
  • Der Verband der Schausteller kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung.
  • Gleichzeitig stellen die Schausteller Forderungen.

Dortmund - Normalerweise würde die Freiluftsaison für viele Schausteller in NRW jetzt so richtig losgehen. Oster- und Frühlingskirmessen, danach der Sommer mit seinen vielen Volksfesten. Doch in 2020 müssen die Schausteller in NRW aufgrund des Coronavirus monatelang mit fehlenden Einnahmen rechnen, weiß RUHR24.de*.

 "Es stehen viereinhalb Monate ohne Einnahmen, aber mit vielen Kosten bevor", heißt es vom Verband der Dortmunder Schausteller. Die Familien und Betriebe, die in der Region für große Events wie der Osterkirmes oder anderen großen Rummeln sorgen, stünden vor "nie gekannten Herausforderungen".

Schausteller müssen auch in NRW Volksfeste wegen Coronavirus absagen

Die Osterkirmes in Dortmund* musste bereits abgesagt werden, weitere Veranstaltungen wie "Once upon a Time", die Huckarder Pfingstkirmes, die Bodelschwingher Kirmes, das Lütgendortmunder Dorffest, die Lütgendortmunder Bartholomäuskirmes oder Aplerbecker Bierfest fallen aufgrund der Coronavirus-Regelungen (hier geht es zum NRW-Ticker*) aus.

Großveranstaltungen sind bis zum 31. August 2020 nicht erlaubt. Das trifft nicht nur die "kleineren" Feste in Dortmund, sondern auch die Mega-Events, die bundesweit Menschen nach NRW* locken: etwa die Cranger Kirmes in Herne-Wanne oder die Rheinkirmes in Düsseldorf.

Schausteller aus Dortmund haben vor Coronavirus-Krise in Geschäfte investiert

Bitter: Dortmunder Schaustellerfamilien haben teilweise zu Beginn des Jahres noch in ihre Geschäfte investiert - vorerst umsonst. Und so heißt es vom Dortmunder Verband traurig: "Mit zunehmendem finanziellen Schaden verlieren Schausteller zwangsläufig ihre Berufung, Menschen Freude zu bereiten."

Der Vizepräsident Deutscher Schausteller und Marktkaufleute Patrick Arens aus Dortmund formuliert es so: "Das kleine Stück vom Glück liegt auf Eis." Immerhin: Die CDU in Dortmund möchte den Schaustellern aus der Patsche helfen, und eine Kirmes im Westfalenpark oder ein Riesenrad am Phoenix See möglich machen.

Der Dortmunder Schausteller Patrick Arens hat mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen.

5000 Schaustellerfamilien, so heißt es vom Deutschen Schaustellerbund, seien von der Corona-Krise "ins Mark" getroffen worden. Ihre letzten Einnahmen konnten viele auf den Weihnachtsmärkten im Dezember vergangenen Jahres erzielen. Die Kassen sind also leer, die Existenzen bedroht.

Schausteller in NRW Hoffen auf öffentliche Gelder und Zeit nach dem Coronavirus

Doch ganz ohne Hoffnung sind die Schausteller in der Region nicht. Die Betriebe blicken voller Erwartungen auf Hilfen des Staates und hoffen so, nach der Coronavirus-Krise wieder für die Menschen in NRW und ganz Deutschland da zu sein. 

Unterdessen gibt es aber auch Kritik am Vorgehen der Regierung. Der Deutsche Schaustellerbund teilt nicht die Einschätzung, dass Volksfeste ein höheres Infektionsrisiko böten, als andere Orte - immerhin fänden die Veranstaltungen auf sehr großen Plätzen, unter freiem Himmel und damit an frischester Luft statt.

Schausteller-Präsident Albert Ritter: "Wir bezweifeln, dass die Ansteckungsgefahr auf einem Volksfest derart hoch ist, dass sie seine dauerhafte Absage rechtfertigt." Die Cranger Kirmes in Herne findet aufgrund des Coronavirus in diesem Jahr nicht im Sommer statt. Allerdings gibt es schon Pläne, das Volksfest eventuell im Oktober stattfinden zu lassen.

Video: "Eher unwahrscheinlich": Söder dämpft Oktoberfest-Hoffnungen

Längst hätten die Schausteller zudem den veranstaltenden Kommunen eine Hygieneoffensive angeboten, die nicht nur eine Verdopplung der Sanitäranlagen beinhalte, sondern auch den Aufbau von Desinfektionsstationen, die Nutzung von Masken, die Verpflichtung des Personals auf Abstandsregeln und Etiketten.

Übrigens: Jetzt kommt in fast ganzDeutschland die Maskenpflicht. Hier kommen Menschen in Zeiten der Coronavirus-Krise noch an Masken. Denn es gibt Alternativen

Gleichzeitig fühlen sich viele Schausteller als Sektor zweiter Klasse degradiert, auf den laut Bundesregierung lange verzichtet werden könne. Die Kritik richtet sich unter anderem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Volksfeste in einem Atemzug mit "Partys" in Zusammenhang brachte. Dabei würden die rund 5000 Schaustellerfamilien in Deutschland das soziale Miteinander fördern, so die Schausteller. 

Coronavirus: Schausteller appellieren an soziale Funktion von Volksfesten

"Die gesellschaftliche Funktion der Volksfeste, die sich mehrheitlich an das Familienpublikum wenden, sollte gerade in diesen für uns alle schweren Zeiten nicht unterschätzt werden", heißt es in einem vom Schaustellerpräsident Albert Ritter unterschrieben Papier des Verbands. Die Menschen würden sich nach einer Zeit der Verunsicherung und Isolation danach, sehnen, "wieder einmal unbeschwert fröhlich und zuversichtlich sein zu können".

So sollen auch Weihnachtsmärkte stattfinden, wie der in Essen, wo ein Highlight aufgrund der Corona-Krise aber fehlen wird*.

Und nicht nur was den sozialen Aspekt betrifft, sendet Ritter eine Botschaft an die Regierung. Er verweist auch auf den finanziellen Bereich. 1,6 Milliarden Euro an Steuern würden auf Volksfesten jedes Jahr erwirtschaftet - bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro.

Die Forderung der Schausteller lautet folglich: Restriktionen für Volksfeste lockern oder die Aufspannung eines Rettungsschirms für die 55.000 Arbeitskräfte in dem Sektor.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr zum Thema