Kommentar

Corona: Schulschließungen nach einzelnen Infektionen sind fatal

Die Schule in NRW geht wieder los, da gibt es Schulschließungen nach einzelnen Coronafällen. Das geht so nicht, meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi. 

  • Nach dem Schulbeginn in NRW am 12. August hat es nach einzelnen Corona-Fällen erste Schulschließungen gegeben.
  • In Dorsten etwa hatte sich eine Lehrerin mit Covid-19 angesteckt.
  • Dass Schulen komplett geschlossen werden, muss der absolute Einzelfall bleiben, fordert RUHR24-Autor Daniele Giustolisi.

Dortmund - Seit dem 12. August läuft die Schule in NRW wieder - natürlich mit besonderen Auflagen aufgrund der Corona-Pandemie. Doch kurz nachdem die erste Schule im münsterländischen Dorsten geöffnet wurde, wurden die Schüler wieder nach Hause geschickt. Eine Lehrerin hatte sich mit Corona angesteckt. Die Schüler - und auch die Eltern - schauten in der Folge in die Röhre.

Name

Coronavirus

Symptome

häufig Husten, Fieber, Gelenk- und Halsschmerzen

Übertragungswege

Aufnahme virushaltiger Flüssigkeitspartikel über die Atemwege, die beim Atmen, Husten, Sprechen und Niesen entstehen.

Coronavirus: Schulschließungen nach Start in NRW sind ärgerlich

Ärgerlich ist, dass die Frau vor Schulbeginn an mehreren Konferenzen teilgenommen hatte. Dabei hatte sie engeren Kontakt zu 43 Personen. Die für die Schule logische Schlussfolgerung: Der komplette Unterricht muss ausfallen. Diese und auch weitere Schulen müssen sich die Frage gefallen lassen, warum Konferenzen solcher Art in Corona-Zeiten nicht digital abgehalten werden, um das Infektionsrisiko so minimal wie möglich zu halten.

Nicht nur für die betreuenden Eltern kann es so nicht weitergehen. Die Schüler in Deutschland haben ein Recht auf Bildung. Dass jetzt permanent darum gezittert werden muss, ob eine Schule aufgrund eines Einzelfalls direkt dicht gemacht wird, kann kein Dauerzustand sein. Im Herbst und Winter dürfte diese Angst für alle Beteiligten noch größer werden, wenn erst einmal die Erkältungssaison startet.

Coronavirus: Es wird weiterhin Infektionen geben

Man muss daher kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass sich in den nächsten Wochen immer wieder mal Lehrer mit Covid-19 infizieren werden. Soll dann jedes Mal der komplette Unterricht ausfallen? Anders gefragt: Würde ein ganzer wirtschaftlicher Betrieb seine Pforten schließen, gäbe es nur einen einzigen Corona-Fall in der Belegschaft?

Coronavirus: Flexibler Unterricht an Schulen nötig

Klar: Schüler, Lehrer und am Ende auch Eltern müssen vor einer Ansteckung mit Covid-19 geschützt werden, kommt es in einer Schule zu einem Infektionsfall. Notfalls müssen die Schulen - wie es teilweise auch schon gemacht wird - flexibel mit digitalem Unterricht reagieren. Dass für den "Distanzunterricht" die nötigen Voraussetzungen gibt, dafür sind die Bundesländer in Deutschland zuständig.

Schulschließungen sollten selbst in der Corona-Pandemie nur das allerletzte Mittel der Wahl sein, findet RUHR24-Autor Daniele Giustolisi.

Es sind jetzt dringend die jüngst von einer ganzen Reihe von namhaften Virologen geforderten "pragmatischen Konzepte" nötig, die Schulschließungen verhindern müssen. Auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin veröffentlichte Anfang August eine lange Stellungnahme zur Verhinderung von Schulschließungen. Diese Hinweise aus der Wissenschaft sollten die Verantwortlichen in die Gesundheitsämtern dringend beachten.

Coronavirus: Schulen müssen dringend Maßnahmen beachten

Zu den nötigen Maßnahmen gehört es etwa, die Klassengrößen zu reduzieren und alle denkbaren, räumlichen Ressourcen auszuschöpfen. Notfalls muss der Unterricht auch mal in einer ruhigen Ecke auf dem Pausenhof stattfinden – wo das möglich ist. Dass durchgehend Lüftungs-, Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Und ja, auch die Maske (für Schüler UND Lehrer) ist laut vielen Experten kein Allheil-, aber ein probates Mittel.

Außerdem ist die Bildung von festen Gruppen wichtig. Gibt es einen Corona-Fall, müsste schlimmstenfalls nur diese kleine Gruppe in Quarantäne. Virologen wie Christian Drosten sprechen derzeit von einer "Isolierung in Cluster", wie es in Japan bereits erfolgreich war. Sie sieht in der Regel nur eine kurzzeitige Quarantäne von wenigen Tagen vor.

Coronavirus: Lehrer sind entscheidender Faktor

Ein entscheidender Faktor in den Schulen sind die Lehrer. Auch an ihrem Privatverhalten liegt es, ob sie sich mit dem Virus infizieren und in der Folge Hunderte Schüler keinen Unterricht erhalten. 

Die Schließung einer Schule, selbst wenn sie nur wenige Tage dauert, ist ein schwerer Eingriff in die Zukunftschancen und die Rechte der Kinder. Das sollte jedem Lehrer, jedem Schulleiter und jedem Gesundheitsamt bewusst sein. Eine komplette Schulschließung wegen des Coronavirus darf nur das allerletzte Mittel sein. Dieser Artikel entspricht der Ansicht des Autors und muss nicht unbedingt die Meinung der gesamten Redaktion wiedergeben.

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