Aussage über Covid-Plan überrascht

Armin Laschet: NRW-Ministerpräsident deutet Änderung der Corona-Strategie an

Im Kampf gegen das Coronavirus äußert NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Kritik an Merkels Strategie - und deutet Änderungen an. Was steckt dahinter?

Düsseldorf – Lange Zeit galt ein Inzidenz-Wert von 50 als die magische Grenze, ab deren Unterschreitung auch Lockerungen der Corona-Maßnahmen gelten können. Doch spätestens seit der jüngsten Bund-Länder-Konferenz ist das Schall und Rauch. Das neue Ziel von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tage stößt bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auf Kritik.

LandNordrhein-Westfalen
MinisterpräsidentArmin Laschet (59, CDU)
RegierungCDU / FDP

NRW Ministerpräsident Armin Laschet: Nicht immer neue Corona-Grenzwerte erfinden

Man könne nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfinde, sagte er am Montagabend (15. Februar) beim digitalen Neujahrsempfang des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats.

Laschet merkte darin an, neben der Inzidenzzahl müsse man auch Schäden durch den Lockdown etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben. Auch den Schaden des Distanzunterrichts für Schüler sprach der CDU-Politiker an – er warnte vor lebenslangen Schäden für Kinder und Jugendliche (hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Laschet vs. Merkel: NRW-Ministerpräsident distanziert sich von Corona-Politik der Kanzlerin

Mit seinen Aussagen dürfte Armin Laschet sich im Jahr der Bundestagswahlen im Kampf um den Posten als Bundeskanzler positionieren. Es scheint, als wolle sich der NRW-Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende von seinem bayrischen Konkurrenten Markus Söder (CSU) abgrenzen wollen, der eher die striktere Corona-Politik Angela Merkels unterstützt.

Diese Politik bezeichnete Laschet am Montag als „bevormundend“. Laschet sagte, die Haltung „Bürger behandeln wie unmündige Kinder“ sei immer noch populär. Auf Dauer sei das keine Lösung. Laschet sprach sich für eine abwägende Strategie in der aktuellen Pandemie aus. Er wolle keinen einseitigen Fokus auf die Inzidenz-Werte legen.

Armin Laschet über Corona-Politik von Merkel: „Nicht immer neue Grenzwerte erfinden“

„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“, warnte Laschet, der nicht das ganze Leben an den Inzidenzwerten abmessen wolle. Damit deutet NRWs Ministerpräsident eine Abkehr von der aktuellen Corona-Politik an. Mit Blick auf die Bundestagswahlen im September, bei denen die Corona-Pandemie nicht vorbei sein dürfte, erscheint die Strategie Laschets als eine Art vorgezogenes Wahlversprechen, sollte der Rheinländer Kanzler werden. Nach dem Motto: „Seht her liebe Deutsche, mit mir bekommt ihr eure Freiheit zurück.“

Wie sich das auf Länderebene äußert, sieht man an den aktuellen Schul-Öffnungen in Nordrhein-Westfalen. Unter anderem hatte Laschet gegen Merkel durchgesetzt, dass Länder selbst über die Rückkehr zum Präsenzunterricht entscheiden könnten – auch bei einem Inzidenzwert über 50 bzw. 35.

Armin Laschet: NRW-Ministerpräsident gilt eigentlich als Merkel-nah

Dass sich Armin Laschet stark von Angela Merkels Corona-Politik abgrenzt, ist nicht neu. Vor allem in der Corona-Frage gerieten die Politiker zuletzt immer wieder aneinander. Dabei gilt Laschet als derjenige aktuelle CDU-Politiker, der am stärksten für eine Fortsetzung des Kurses von Angela Merkel und eine „CDU der Mitte“ steht – nur offenbar nicht mit Blick auf Corona.

Dass die Orientierung an Inzidenzwerten aus epidemiologischer Sicht Sinn ergibt, dürfte aber auch Armin Laschet nicht bestreiten – zumal NRW – etwa in Hamm – inzwischen erste Corona-Mutationen erreicht haben. Breiten diese sich aus, warnen Virologen wie Regierungsberater Rolf Apweiler vor einem Inzidenzwert von über 400 in nur einem Monat.

Gegenüber dem WDR hält er eine Rückkehr zur Normalität in den kommenden Monaten für utopisch. Man müsse, so Apweiler, dahin kommen, dass man das Coronavirus ähnlich handhaben könne wie die Grippe – durch ständig angepasste Impfstoffe.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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