Kommentar

Nach den Corona-Lockerungen kommt es jetzt auf uns an: Übertreiben wir es nicht

Nach den nächsten Lockerungen der Coronavirus-Beschränkungen in NRW müssen wir Bürger verhindern, dass alle Dämme brechen. Ein Kommentar.

  • Das Coronavirus ist zwar längst noch nicht ausgerottet, dennoch wurden am 6. Mai massive Lockerungen beschlossen.
  • In NRW darf man jetzt zum Beispiel wieder Menschen aus anderen Hausständen in der Öffentlichkeit treffen.
  • Die Lockerungen sind richtig, meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi, doch sie sollten von den Bürgern mit Augenmaß umgesetzt werden.

Dortmund - NRW kehrt nach den doch harten Coronavirus-Beschränkungen zu einer "verantwortungsvollen Normalität" zurück. Das ist gut, denn es gibt den Menschen in unserem Land eine Perspektive und Hoffnung - nicht nur in der hart getroffenen Wirtschaft. Und es zeigt, dass sie unser diszipliniertes Verhalten der letzten Wochen gelohnt hat.

Coronavirus: Lockerungen in NRW - Bürger sollten das Vertrauen nicht missbrauchen

Die Politik hat jetzt Lockerungen beschlossen. Jetzt liegt der Ball im Feld der Bürger, er liegt bei uns. Es liegt jetzt an uns, Verantwortung zu zeigen. Wir müssen besonnen mit den Lockerungen umgehen. Auf keinen Fall dürfen jetzt die Dämme brechen, weil wir denken, alles sei gut. Nichts ist gut. Das Coronavirus ist noch da. Und es wird zurückkommen. Das Robert-Koch-Institut und weitere Experten rechnen mit einer zweiten Coronavirus-Welle schon in diesem Herbst.

Daher ist es gut - und es muss immer wieder betont werden - dass wir weiterhin Abstand halten, dass wir Maske tragen und dass wir unsere Treffen mit Freunden mit Augenmaß angehen. 

Zur Erinnerung: Wir haben noch keinen Impfstoff und noch keine Medikamente gegen das Coronavirus. Jedenfalls noch nicht. Auch die Tracking-App ist noch nicht auf den Markt. Bis auf die sinkenden Infektionszahlen hat sich also wenig an der Ausgangslage verändert.

Coronavirus: In NRW dürfen sich jetzt unterschiedliche Hausstände treffen

Es ist jetzt zwar wieder möglich, Angehörige aus einem anderen Hausstand in der Öffentlichkeit zu treffen. Und in der Theorie könnte man sich ab dem 11. Mai mit Hausstand A, am 12. Mai mit Hausstand B und so weiter verabreden.

Es liegt aber in der Hand von uns allen, dabei mit Augenmaß vorzugehen. Nicht alles, was in der Theorie möglich ist, muss auch zwingend sein.

Wir haben einen Teil unserer Freiheit zurück und damit sollten wir verantwortungsvoll umgehen, wenn wir in ein paar Wochen nicht wieder zurück zum Lockdown wollen.

Vertrauen und Lockerungen in Zeiten des Coronavirus: Politik glaubt an die Bürger

Die Politik spricht ihren Bürgern nun ein großes Vertrauen aus. Das ist gut, denn ich glaube, dass jeder von uns in der Lage ist, vernünftig damit umzugehen. So viel sollte der Staat jedem von uns zutrauen. Die Kontrolle war in Maßen gerechtfertigt, jetzt ist es Zeit für mehr Vertrauen.

Ob es gerechtfertigt ist, ob wir verantwortungsvolle Bürger sind, das wird sich dann in ein paar Wochen mit Blick auf die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten zeigen.

Coronavirus: Weiterer Lockdown droht, wenn Zahlen der Infizierten wieder steigen

Steigen die Zahlen drastisch an, wäre es gerechtfertigt, zu alten Beschränkungen zurückzukehren. Dass das nicht der Fall sein muss, liegt also in unserer Hand.

Augenmaß, Verantwortungsbewusstsein, Coolness - darauf kommt es jetzt an. Jeder von uns sollte Vorbild für seinen Nebenmann oder seine Nebenfrau sein. Übertreiben wir es nicht.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und spiegelt nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wider.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa, Michael Sohn/AP/POOL/dpa; Collage: RUHR24