Gewerkschaft schlägt Alarm

Corona: Heftige Zustände auf Ruhrgebiets-Baustellen

Im Ruhrgebiet drohen Baustellen der nächste Corona-Hotspot zu werden. Experten schlagen jetzt Alarm. Die Zustände seien beunruhigend.

  • Das Coronavirus ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.
  • Dafür scheinen die Hygienemaßnahmen auf Baustellen nicht die besten zu sein.
  • Die Gewerkschaft IG BAU schlägt jetzt Alarm und übt heftige Kritik.

Dortmund - Der Blick auf manche Baustellen im Ruhrgebiet zeigt: Corona scheint hier schon vorbei zu sein. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) schlägt jetzt jedenfalls Alarm. Auf vielen Baustellen - etwa in Dortmund - werde gegen Abstands- und Hygieneregeln verstoßen.

Name

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)

Mitglieder

Circa 247.000

Gründung

1. Januar 1996

Zugehörigkeit

Deutscher Gewerkschaftsbund

Coronavirus-Alarm auf Baustellen: IG BAU mit heftiger Kritik

"Viele Baufirmen nehmen die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus auf die leichte Schulter. Das ist fatal", sagt die Vorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund, Gabriele Henter. Immer häufiger werde wieder "im alten Trott" gearbeitet – wie vor der Corona-Pandemie. Zuletzt schreckte ein Corona-Ausbruch am Flughafen Frankfurt auf, wo sich 17 Menschen infizierten.

Die Gewerkschaft stellt bei Besuchen auf Baustellen zum Beispiel in Dortmund immer wieder "grobe Corona-Sünden" fest. Oft sei selbst das Händewaschen nicht möglich. Auch Desinfektionsmittel für eine gute Handhygiene sei auf vielen Baustellen Mangelware.

Baustellen als Sammelbecken fürs Coronavirus? Kritik von Gewerkschaft

Und dann gibt es noch die Sammeltransporte, mit denen viele Bauarbeiter zu ihrem Arbeitsplatz kommen und von dort aus wieder gemeinsam abreisen. Diese Transporte seien laut IG Bau "längst wieder an der Tagesordnung". Arbeitgeber, so die IG Bau, müssten Einzelfahrten möglich machen - etwa durch finanzielle Anreize.

Ähnlich fatale Zustände gäbe es auch in den Frühstücks- und Mittagspausen, wo Bauarbeiter in Bauwagen dicht an dicht zusammensäßen.

Dabei gibt es längst klare Regelungen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hatte Mitte des Jahres konkrete Standards für Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vorgelegt. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft setzte diese in Form des "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Baugewerbe" in die Praxis um.

IG BAU: Bauarbeiter sollen Schutz vor Corona einfordern

Die Gewerkschaft IG BAU sieht die Schuld an den Corona-Zuständen daher naturgemäß nicht etwa bei den Bauarbeitern, sondern bei den Arbeitgebern. Sie seien für den vollen Gesundheitsschutz und für die Umsetzung und Einhaltung der Standards verantwortlich. Bauarbeiter müssten diesen Schutz aber auch "selbstbewusst" einfordern.

Oft kein Händewaschen, keine Masken, kein Abstand: Auf vielen Baustellen im Ruhrgebiet gibt es trotz Corona schlechte Hygienebedingungen.

Wer glaubt, Bauarbeiter seien aufgrund des Arbeitsplatzes unter freiem Himmel besser geschützt, täusche sich laut IG BAU. Spätestens beim Innenausbau und beim Sanieren sehe das dann schon ganz anders aus.

Bauarbeiter kämpfen in der Corona-Krise um mehr Geld

Zum Hintergrund: Zusätzlich zu besseren Corona-Maßnahmen kämpft das Bauhauptgewerbe derzeit für seine 850.000 Beschäftigten um bessere Löhne. Ein Plus von 6,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro pro Monat mehr für die Baubeschäftigten werden gefordert. Die letzte Verhandlungsrunde war allerdings gescheitert.

Der Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) verweist unterdessen auf coronabedingte Auftragseinbußen und auf bereits bestehende, "branchenspezifische Lösungen, durch die die Fahrt- und Wegezeiten berücksichtigt und vergütet werden".

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