Hohe Zahl von Infizierten

Ausbruch im Tönnies-Schlachthof: Schulen und Kitas müssen wieder schließen - Coronavirus in NRW flammt erneut auf

Im Tönnies-Schlachthof im Kreis Gütersloh (NRW) häufen sich die Infektionen. Jetzt müssen auch Schulen und Kitas im betroffenen Landkreis wieder dicht machen. Auch ein benachbarter Landkreis ist betroffen.

  • Nach der Häufung der Corona-Infektionen im Tönnies-Schlachthof hat der Landrat im Kreis Gütersloh reagiert.
  • Durch die Schließung der Schulen und Kitas soll eine weitere Verbreitung des Coronavirus im Kreis verhindert werden.
  • Auch im benachbarten Landkreis Warendorf steigen die Infektionszahlen.

NRW/Rheda-Wiedenbrück - Am Ende geht es um nicht weniger, als den kompletten Lockdown für die Allgemeinheit zu verhindern. Deshalb haben die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh nun wieder geschlossen. Schon ab Donnerstag (18. Juni) müssen die Kinder in der Region im nördlichen NRW wieder zu Hause bleiben (mehr zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker*). Nun wird wieder eine Notbetreuung eingerichtet, berichtet RUHR24.de*.

Kreis:

Landkreis Gütersloh

Bevölkerung: 

361.828 (2018)

Coronavirus:

849 laborbestätigte Infektionen

Zunächst hatte es aus dem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück Entwarnung gegeben. Während Ausbrüche des Coronavirus in mehreren Schlachthöfen beim Konkurrenten Westfleisch vor einigen Wochen für Aufregung gesorgt hatten, vermeldete Tönnies eine eher geringe Zahl an Infizierten.

Coronavirus bei Tönnies im Kreis Gütersloh: Entschuldigung bei Bevölkerung

Bei Westfleisch im Kreis Coesfeld hatten sich mehr als 200 Mitarbeiter eines Schlachtbetriebs mit dem Coronavirus infiziert. Als Grund für den Corona-Ausbruch war der nicht ausreichende Arbeitsschutz der Mitarbeiter in den Schlachthöfen* ausgemacht worden. Damals hatte sich Tönnies noch gegen einen Generalverdacht gegen die Schlachter-Branche verwehrt. 

Doch um den Mitarbeiterschutz steht es offensichtlich auch in anderen Schlachtbetrieben nicht besser. Und so muss nun auch Tönnies eine Häufung der Infektionen melden. Tönnies-Sprecher André Vielstädte entschuldigte sich nun sogar in der Öffentlichkeit im Namen der Familie Tönnies.

Coronavirus in NRW: Zahl der Neuinfektionen schnellt durch Tönnies nach oben

650 Neuinfizierte in einem einzigen Schlachtbetrieb. Damit trifft die Coronavirus-Krise* den Branchenriesen Tönnies mit voller Wucht. Jetzt muss Deutschlands Marktführer für Schweineschlachtungen den Betrieb im wichtigsten Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück einstellen. Zumindest für die nächsten zehn bis 14 Tage. Von diesem Zeitraum geht zumindest der zuständige Landrat Sven-Georg Adenauer aus.

Ausschlaggebend wird aber nicht die bloße Anzahl der Tage sein, in denen der Betrieb heruntergefahren wird, sondern vor allem, wie sich die Infektionszahlen mit dem Coronavirus entwickeln. Im besten Fall würden diese schnell zurückgehen. Dann könne es auch schneller gehen, dass der Produktionsstopp wieder aufgehoben wird, so der Landrat.

Infektionen im Schlachthof Tönnies in NRW: Grenze für Neuinfektionen überschritten

Dennoch zeigt sich Adenauer durch den Ausbruch durchaus alarmiert. "Das kann doch echt nicht wahr sein", soll laut Deutscher Presseagentur (dpa) seine erste Reaktion gewesen sein, als er von den neuen positiven Tests bei Tönnies erfahren hatte. 

Jetzt gehe es darum, für den gesamten Kreis einen allgemeinen Lockdown zu verhindern. Denn: die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen sei deutlich überschritten. Und so kündigte der Kreis Gütersloh an, alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien wieder zu schließen.

Kreis Warendorf: Viele Neuinfektionen hängen mit Tönnies zusammen

Das sich rasant entwickelnde Infektionsgeschehen in der Fleischfabrik hat damit bereits jetzt Auswirkungen auf die ganze Region. Denn nicht nur die Infektionszahlen im Kreis Gütersloh liegen derzeit hoch, auch im angrenzenden Kreis Warendorf steigt die Zahl der Neuinfektionen ungleich stärker, als im restlichen NRW. 

In einem eigens dafür aufgebauten Testzentrum werden Mitarbeiter des Landkreises sowie die Belegschaft des Fleischkonzerns Tönnies getestet.

So berichten die Westfälischen Nachrichten, dass im Kreis Warendorf 53 Neu-Infektionen mit Tönnies zusammenhängen würden. Zudem würde eine weitere Steigerung der Fallzahlen erwartet.

Coronavirus in NRW: Kreis Gütersloh schließt Schulen und Kitas

Im Kreis Gütersloh werden nun vorsorglich Schulen und Kitas geschlossen. Die Maßnahme soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern. Die Nachricht über die plötzliche Schließung schockte Erzieher, Lehrer, Eltern und nicht zuletzt Kinder.

"Die Nachricht kam eben zur Abholzeit, wir konnten es den Kindern gar nicht mehr richtig erklären", so Marina Pielsticker, Leiterin einer Kindertagesstätte gegenüber der dpa. Es sei hart, das den Kindern zu erklären. 

Armin Laschet: Corona-Ausbruch hat nichts mit Lockerungen in NRW zu tun

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellte dennoch klar, dass der Ausbruch nichts mit den Lockerungen in NRW zu tun habe, sondern mit der Rückkehr der Arbeiter, die ihren Urlaub in der Heimat - Rumänien oder Bulgarien - verbracht hätten, wo das Virus nun herkäme. "Das hat nichts mit Lockerungen zu tun, sondern mit der Unterbringung von Menschen in Unterkünften und Arbeitsbedingungen in Betrieben", so Laschet.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte an, erneut landesweit alle Schlachthofbelegschaften mit Werkvertragsarbeitern auf das Virus testen zu lassen, um festzustellen, ob es sich bei dem Ausbruch um eine Ausnahme handele oder nicht.

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Rubriklistenbild: © Fotos: Friso Gentsch/Hendrik Schmidt/dpa; Collage RUHR24

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