Geschmackloser Twitter-Post

Todesanzeige für Fridays for Future: So instrumentalisiert die AfD das Coronavirus - ein Kommentar

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Die AfD hat eine Todesanzeige für die Fridays for Future Bewegung veröffentlicht. Todesursache: das Coronavirus.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus finden derzeit keine Demonstrationen von Fridays for Future statt. Dass die AfD das mit einer Todesanzeige feiert, ist geschmacklos, findet RUHR24-Redakteur Martin Nefzger. Ein Kommentar.

  • Die Alternative für Deutschland (AfD) hat auf Twitter eine Traueranzeige geteilt.
  • In der wird der vermeintlich durch das Coronavirus hervorgerufene Tod der Fridays for Future Bewegung thematisiert.
  • Einer angeblich demokratischen Partei ist solch ein Verhalten nicht würdig, findet RUHR24-Redakteur Martin Nefzger.

Dortmund/Paderborn - Wegen der Ausbreitung des Coronavirus steht das öffentliche Leben in NRW und ganz Deutschland nahezu still. Restaurants und Cafés sind geschlossen, gemeinsame Besuche im Park verboten. Grundlegende Freiheiten, die eine Demokratie ausmachen, sind extrem eingeschränkt.

Coronavirus schränkt die Demokratie ein: Demonstrationen finden nicht statt

Das betrifft besonders die Versammlungsfreiheit. Wer sich derzeit öffentlich mit mehr als einer weiteren Person trifft, riskiert in NRW empfindliche Strafen. Sogar Demonstrationen, eigentlich essenziell für eine pluralistische und demokratische Gesellschaft, können nicht stattfinden.

Die Organisatoren und Teilnehmer der Bewegung "Fridays for Future", die noch vor wenigen Wochen zu tausenden für einen ambitionierteren Klimaschutz kämpften, können davon ein Lied singen. Vorbei sind die Großdemos in Städten wie Dortmund, Essen, Düsseldorf oder Köln. Die Plätze, auf denen Freitag für Freitag Scharen von jungen Menschen für ihre Überzeugungen eintraten, bleiben leer.

Coronavirus-Einschränkungen sind nötig - politische Profilierung nicht

Diese Einschränkungen müssen wir hinnehmen, weil sie nötig sind, um denKampf gegen das Coronavirus, über den RUHR24 im Live-Ticker berichtet, zu gewinnen. Dafür mag es durchaus akzeptabel sein, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zeitweise einzuschränken.

Nicht akzeptabel ist es dagegen, wenn eine Partei diese Einschränkungen missbraucht, um sich selbst zu profilieren. Es ist erschreckend, dass es eine Partei, die selbst darauf besteht demokratische Werte zu vertreten, freut, wenn demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt werden.

AfD veröffentlicht Todesanzeige für Fridays for Future

Doch genau das tut die AfD. Aus scheinbarer Freude über das vorübergehende Ende der Fridays for Future Demonstrationen teilte der Kreisverband Paderborn auf Twitter eine Todesanzeige ebenjener Bewegung. Dabei bezeichnet die Partei die Anhänger der Freitagsdemonstrationen gar als "Kindersoldaten des Ökosozialismus" und beleidigt damit das Andenken der abertausenden Kinder, die tatsächlich in jungen Jahren in den Krieg ziehen und teilweise sterben müssen.

Dass die AfD kein Freund der Fridays for Future Bewegung ist, ist nicht neu. Dass sie nichts dagegen hat, dass die Demonstrationen wegen der Ausbreitung des Coronavirus nicht stattfinden, liegt nahe. Doch dass sich die Partei nicht einmal während der durch SARS-CoV-2 ausgelösten Krise mit Spott über junge Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen, zurückhält und die Aussetzung demokratischer Prinzipien feiert, ist geschmacklos und zeigt das wahre Gesicht der selbsternannten Alternative.

AfD präsentiert nach Post gegen Fridays for Future Ausreden

Naheliegend sind an dieser Stelle Vergleiche zu extremistischen Gruppierungen, die - wie in Dortmund - Todesanzeigen von Menschen veröffentliche, die ihren Ansichten widersprechen. Mit dem Vorgehen, das die AfD mit dem aktuellen Post zeigt, versuchen sonst Faschisten ihre Widersacher mürbe zu machen. Einer angeblich demokratischen Partei ist solch ein Verhalten nicht würdig.

Am Ende wird die AfD wie immer Ausreden für ihr Verhalten finden. Bereits jetzt ist die Traueranzeige vom Account des Kreisverbandes Paderborn verschwunden. Sie sei "ein Netzfund" und "satirisch gemeint" gewesen. Weiter schreibt die AfD: "Nun haben wir ins Wespennest der wohlstandsverwahrlosten linksgrünen Twittergemeinde gefasst. Insofern kommt damit klar, dass #FFF abgeflaut ist und heult leise."

Zum Heulen ist jedoch nur eines: das Verhalten der AfD. Die Häufung solcher Entgleisungen verdeutlicht die Mentalität der Partei und ihrer Mitglieder. Mit ihren Aktionen spalten sie die Gesellschaft immer weiter. Auch in einer Zeit, in der wir im Kampf gegen das Coronavirus doch eigentlich alle zusammenhalten sollten.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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