Lothar Wieler

RKI-Chef brodelt vor Kamera – er warnt vor „sehr schlimmen“ Weihnachten

RKI-Chef Lothar Wieler im Livestream mit dem sächsichen Ministerpräsidenten.
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RKI-Chef Lothar Wieler im Livestream mit dem sächsichen Ministerpräsidenten.

Vor dem nächsten Coronagipfel zwischen Bund und Ländern hat RKI-Chef Lothar Wieler eine flammende Rede gehalten – und „richtig düstere“ Zukunftsprognosen gegeben.

Deutschland - Die Corona-Zahlen in Deutschland explodieren und erreichen jeden Tag neue Höchststände. Am Donnerstag (18. November) meldet das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals 65.371 Neuinfektionen und eine Inzidenz von 336,9. RKI-Chef Lothar Wieler ist jetzt der Kragen geplatzt.

Corona-Zahlen in Deutschland: RKI-Chef Wieler rechnet bald mit 400 Toten am Tag

In einer Online-Diskussionsrunde mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) hat sich Lothar Wieler mehr als besorgt über die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie in Deutschland gezeigt. „Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. (...) Wir waren noch nie so beunruhigt wie jetzt“, begann der Wissenschaftler seine flammende Wutrede.

Die Corona-Zahlen seien derzeit nicht nur dramatisch hoch mit steigender Tendenz - die Dunkelziffer dürfte laut dem RKI-Chef sogar derzeit dreimal so hoch sein wie offiziell registriert (mehr Nachrichten zum Coronavirus in NRW lesen).

Das Robert Koch-Institut hat erneut steigende Corona-Zahlen in Deutschland gemeldet.

Das würde sich bald schon auf die Anzahl der Todesopfer auswirken: Zuletzt seien in Deutschland rund 0,8 Prozent der Infizierten verstorben. Bei mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag müsse man hierzulande deshalb schon bald mit bis zu 400 Toten am Tag rechnen. „Daran gibt es nichts mehr zu ändern“, so die bittere Prognose des Wissenschaftlers in dem Video (ab Min. 15).

RKI-Chef Lothar Wieler gibt düstere Corona-Prognose für Weihnachten 2021 ab

Auch die Lage in den Krankenhäusern spitze sich zu: Laut Wieler müsse derzeit beispielsweise mancherorts für Schlaganfall-Patienten zwei Stunden nach einem freien Intensivbett gesucht werden - weil alle Betten mit Covid-Patienten belegt seien.

Einmal mehr appellierte RKI-Chef Wieler deshalb an die Politik, jetzt vernünftige Gegenmaßnahmen einzuführen. Sonst sei das vergangene Jahresende im Lockdown offenbar nur ein Vorgeschmack auf dieses Jahr gewesen: „Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern“, so Wieler und fügte hinzu: „Sie sehen, die Prognosen sind superdüster. Sie sind richtig düster.“

Gleichzeitig zeigte er sich von den Politikerinnen und Politikern enttäuscht: Seit längerem habe das RKI klare Handlungsempfehlungen an die Politik ausgesprochen und gewarnt. Diese seien versäumt worden. Ein Fehler: „Wir haben zu schnell in zu vielen Bereichen geöffnet.“

Corona: RKI-Chef Wieler appelliert an Bevölkerung und Politik, Impfungen durchzusetzen

Die einzige Möglichkeit, das Ruder nochmal herumzureißen, sieht Wieler darin, entweder „bevölkerungsbezogene Maßnahmen“ einzuleiten oder die Impfquote zu steigern. „Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen. Sonst kriegen wir die Krise nicht in den Griff“, wetterte der Wissenschaftler im Livestream.

Auch diesbezüglich zog er die Politik in die Verantwortung: Regeln, wie beispielsweise 3G, bei denen man durch eine Testung die Impfung umgehen könne, trügen nicht dazu bei, die Impfquote zu steigern: „Wir müssen nicht ständig was Neues erfinden. Alle diese Konzepte und Rezepte sind vorhanden. Ich kann nach 21 Monaten es auch schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es nicht vielleicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen.“

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