Corona-Pandemie

Bald wieder Gratis-Corona-Tests: NRW-Chef Wüst will sie nicht für alle

Die Corona-Fallzahlen in NRW explodieren, nun sollen Schnelltests die vierte Welle brechen. Ministerpräsident Wüst will sie jedoch nicht allen kostenlos anbieten.

Dortmund/Berlin – Die vierte Corona*-Welle hat längst begonnen, auch in NRW*. Nordrhein-Westfalen verzeichnet stetig steigende Fallzahlen. Von 15.513 Neuinfektionen in Deutschland am Montag (8. November) wurden dem Robert Koch-Institut 1369 aus Nordrhein-Westfalen gemeldet*. Allerdings liegt die NRW-weite Inzidenz mit einem Wert von 123,2 noch weit unter dem überregionalen Wert 201,1. RUHR24* erklärt, warum NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) jetzt keine Gratis-Corona-Tests für alle will.

KrankheitCovid-19
HauptübertragungswegTröpfcheninfektion/Aerosole
Häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Geruchs- bzw. Geschmacksverlust
RisikogruppenÄltere Menschen, vorerkrankte Menschen
Quelle: Robert Koch-Institut/RKI

Wie in früheren Wellen der Corona-Pandemie betonen Experten, dass der Schlüssel in der Krise das Impfen sei. Bislang sind in Deutschland 55,8 Millionen Menschen vollständig geimpft, das entspricht 67 Prozent der Bevölkerung. Davon stammen laut Angaben des RKI rund 12,6 Millionen aus NRW.

Da es allerdings eine relativ große Bevölkerungsgruppe gibt, die sich offenbar nicht gegen das Coronavirus impfen lassen möchte, fordern derzeit zahlreiche Politiker 2G-Regelungen. Unter den Bundesländern preschte Sachsen zuletzt vor. Ministerpräsident Michael Kretschmer kündigte kürzlich an, dass ab Montag (8. November) landesweit 2G gelte.

Corona-Schnelltests: Kostenlos für Geimpfte und Genesene?

Neben der 2G-Regelung, welche auch Bayern umsetzen möchte, werden auch Stimmen laut, welche eine Rückkehr kostenloser Tests fordern, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Hendrik Wüst, neuer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, brachte solch einen Vorschlag auf: „Die hohen Infektionszahlen unter Ungeimpften führen zu immer mehr Durchbrüchen auch bei den Geimpften“, betonte er gegenüber der Bild am Sonntag. Wüst plädierte allerdings dafür, dass die Schnelltests lediglich gegen das Coronavirus geimpften und von Covid-19 genesenen Personen kostenlos zur Verfügung stehen.

Hendrik Wüst (CDU) möchte keine Corona-Gratis-Tests für alle.

Die Regelung kostenloser Corona-Schnelltests in Deutschland war am 11. Oktober ausgelaufen*. Zahlreiche Teststationen wurden geschlossen. Dieser Schritt sei „offensichtlich ein Fehler“ gewesen, betonte Volker Wissing, Generalsekretär der FDP, jüngst gegenüber dem Handelsblatt.

Die kostenlosen Schnelltests wieder einzuführen, forderte indes nicht nur NRW-Ministerpräsident Wüst, sondern auch die Bundesärztekammer. Kammerpräsident Klaus Reinhardt erklärte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass dieser Schritt nicht gerade dazu geführt habe, Unwillige für eine Corona-Impfung zu motivieren. Dabei habe es sich um eine „Fehlentscheidung“ gehandelt.

Wüst hatte im Interview betont, dass die Fokussierung auf Geimpfte und Genesene vor allem Impfdurchbrüche schnell erkennbar mache und gleichzeitig nicht dafür sorge, den Impfanreiz für Corona-Ungeimpfte zu beseitigen.

Corona in Deutschland: „1G“ gegen die „Scheinsicherheit“

Unabhängig davon, für welche Gruppen die Tests kostenlos sind, forderten auch führende Mediziner, die Rückkehr dazu: Für Sicherheit in der Pandemie sorge lediglich „1G“, sagte beispielsweise Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, dem Deutschlandfunk. Sowohl Ungeimpfte, Geimpfte und Genesen müssten getestet werden, um einer „Scheinsicherheit“ zu entgehen, so der Experte.

Ähnlich äußerte sich auch Hendrik Streeck, Virologe an der Universität Bonn, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die Geimpften und Genesenen haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich.“

Konträr argumentierte Manfred Lucha, Gesundheitsminister von Baden-Württemberg, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er forderte, den Fokus zunächst auf die Booster-Impfungen zu legen. „An oberster Stelle steht das Impfen“, so Lucha. (tu) RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP

Mehr zum Thema