Nach Regel-Änderung

Corona in NRW: Änderung bei Corona-Tests an Schulen – Sorge wegen Sicherheit

Wie sicher sind die Corona-Tests an Grundschulen? Das Schulministerium nimmt jetzt Stellung dazu.

Düsseldorf – Nachdem NRW* an Grundschulen die PCR-Testung aufgrund überlasteter Labore deutlich zurückfahren musste, gibt es unter Eltern nun die Befürchtung, dass positive Corona-Fälle unerkannt bleiben könnten. Ist diese Sorge berechtigt? Das Schulministerium hat sich gegenüber RUHR24* geäußert – und bemüht sich um Beruhigung.

7-Tage-Inzidenz in NRW1084,1
Anteil COVID-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten8,20 Prozent
7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz4,38

NRW stellt Corona-Tests an Schulen um – wie sicher sind die Antigen-Schnelltests?

Zum Hintergrund: Das Land hatte am Dienstag (25. Januar) mitgeteilt, das Corona-Testverfahren an Grundschulen wieder umzustellen. Hatte man nach einem positiven Pool-Test bislang jeden einzelnen Schüler nochmal einem PCR-Test unterzogen, setzt das Land nun bei dem „Kontrolltest“ nur noch auf Antigenschnelltests. Diese schlagen aber bekanntlich nicht ganz so gut an, wie PCR-Tests.

Gegenüber RUHR24 berichtet ein Leser von einem Fall in einer NRW-Grundschule. Dort seien die Antigenschnelltests einer gesamten Schulklasse zunächst negativ gewesen, das verspätet eingetrudelte Ergebnis des PCR-Pooltests jedoch positiv auf das Coronavirus* ausgefallen. Seine Befürchtung: Das neue Testverfahren an den NRW-Grundschulen könnte das Infektionsgeschehen weiter nach oben treiben*.

Corona: Sorge wegen Antigenschnelltests an NRW-Grundschulen

Ist die Sorge berechtigt? Gegenüber RUHR24 versucht das NRW-Schulministerium Ängste zu nehmen. Ein Sprecher verweist darauf, dass die zwei an NRW-Schulen genutzten Antigenschnelltests beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet seien, in Deutschland durch das „CE“-Zertifikat (geprüfte Sicherheit) zugelassen und durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) evaluiert und in einer entsprechenden Liste mit der Bewertung „Stand der Technik“ versehen wurden.

Aber heißt das auch, dass die genutzten Antigenschnelltests auch anschlagen, wenn Schülerinnen oder Schüler mit geringer oder mittlerer Viruslast Corona-positiv sind? Ein Blick auf die zwei an NRW-Schulen genutzten Antigenschnelltests gibt Aufschluss. Genutzt werden derzeit Antigen-Selbsttests dieser zwei Hersteller:

  • Anbio (Xiamen) Biotechnology Co., Ltd., exakte Produktbezeichnung: COVID-19 Antigen-Schnelltest (kolloidales Gold) / Nasenabstrich
  • Safecare Biotech (Hangzhou) Co., Ltd., exakte Produktbezeichnung: COVID-19 Antigen-Schnelltest (Abstrich) zum Selbsttest.

Die Evaluierung des Paul-Ehrlich-Instituts ergibt für den Antigenschnelltest von „Anbio“ eine 100-prozentige Treffsicherheit bei Corona-Positiven mit hoher Viruslast. Bei einer mittleren Viruslast werden nur noch 52,2 Prozent als positiv angezeigt, bei niedriger Viruslast niemand mehr. Corona-positiv mit mittlerer oder geringer Viruslast werden durch den „Anbio“-Test also häufig nicht als positiv identifiziert.

Corona: Paul-Ehrlich-Institut gibt Werte für Antigenschnelltests an NRW-Grundschulen an

Ähnlich sehen die Werte des PEI für den Antigenschnelltest von „Safecare“ aus. Corona-Positive mit hoher Viruslast werden zu 100 Prozent erkannt, solche mit mittlerer Viruslast nur noch zu 60,9 Prozent und solche mit niedriger Viruslast zu 0 Prozent.

Vorgabe des PEI ist es, dass Corona-Positive mit hoher Viruslast zu 75 Prozent erkannt werden. Die in NRW genutzten Antigenschnelltests sind also im Falle von Getesteten mit hoher Viruslast deutlich besser, als vom PEI vorgegeben.

PCR-Tests sind laut RKI sicherer als Antigenschnelltests

Auch PCR-Tests erkennen laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht in jedem Fall, ob eine Person Corona-positiv ist. Allerdings deutlich häufiger, als es bei Antigenschnelltests der Fall ist. PCR-Tests seien laut RKI also nach wie vor die beste Methode, Corona-Fälle zu identifizieren.

Aber: Aufgrund der Komplexität des Verfahrens stehen PCR-Testkapazitäten nicht unbegrenzt zur Verfügung. „Es gilt also, die vorhandenen Testkapazitäten bestmöglich und effizient zu nutzen, ohne diese zu überlasten“, warnt das RKI. Genau das wird jetzt in NRW gemacht – die PCR-Tests werden stark priorisiert eingesetzt*.

Im Falle eines positiven Corona-Pool-Tests müssen NRW-Grundschüler einzelne Antigenschnelltests machen. Ein zweiter PCR-Test zur Kontrolle wird nicht mehr gemacht.

Dass die Antigenschnelltests die PCR-Tests an Grundschulen nicht ersetzen können, weiß auch das NRW-Schulministerium. Die Selbsttests seien jedoch geeignet, Personen mit hoher Viruslast und damit infektiöse Personen zu isolieren.

Es könnte also sein, dass der PCR-Pooltest einer Grundschulklasse positiv ausfällt und beim darauffolgenden „Kontrolltest“ mit den Antigenschnelltests nur die Schüler als positiv identifiziert werden, die eine hohe Viruslast haben. Jene mit geringer oder mittlerer Viruslast würden mitunter negativ getestet – selbst wenn sie Corona-positiv wären. Zur Wahrheit gehört aber auch: Menschen mit geringer Viruslast sind deutlich weniger infektiös, als solche mit hoher Viruslast. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul, David Young/DPA; Collage: RUHR24

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