Schreien gegen das Virus

Neuer Corona-Test in NRW entwickelt – schmerzfrei aber mehr als skurril

Corona-Selbsttests sind aktuell kaum noch wegzudenken. Allerdings sind sie unangenehm. Eine neue Erfindung verspricht die Rettung – allerdings kann noch nicht jeder profitieren.

Remscheid/NRW – Es treibt den Menschen Tränen in die Augen – und das sogar buchstäblich. Bei Corona-Schnelltests werden Stäbchen bis zu acht Zentimeter tief in die Nase oder den Rachen geschoben, um die Schleimhäute zu erwischen. Ein unangenehmes Unterfangen. Eine neue Vorrichtung in Remscheid (NRW) könnte jetzt Abhilfe schaffen.

StadtRemscheid
BundeslandNordrhein-Westfalen
RegierungsbezirkDüsseldorf

Corona in NRW: Revolution bei Test-Verfahren bahnt sich an – neuer QuBA in Remscheid

Seit Ende Februar können Bürger Corona-Schnelltests auch in Supermärkten kaufen. Mit ihnen können Privatperson selbst überprüfen, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind. So soll die Virusausbreitung möglichst schnell eingedämmt werden. Die Hürde, sich das Stäbchen aber weit genug in die Nase einzuführen, ist aber groß.

Viele reagieren mit Niesreiz und tränenden Augen. Das führt zu häufigen Fehlern beim Corona-Selbsttest. Am Berufsausbildungszentrum der Industrie in Remscheid wurde jetzt eine Vorrichtung installiert, die das Testen in Deutschland revolutionieren könnte: der Quick Breath Analyzer (QuBA).

Corona: Durch Schreien Corona-Infektion nachweisen – Atem-Test im QuBA in Remscheid

Der QuBA ist eine Metallbox, so groß, dass ein Mensch im Inneren stehen kann. Was für Außenstehende wie eine Aggressionstherapie wirkt, soll verlässlich das Coronavirus nachweisen. Denn wer die Metallbox betritt, muss nur eines tun: schreien. Und das für acht bis zehn Sekunden. Alternativ darf man auch singen.

In der Schreikabine wird vor Betreten die Luft mittels einer speziellen Filteranlage innerhalb weniger Sekunden gesäubert, sodass ein Reinraum entsteht, der für jeden Nutzer steril ist. Durch das Schreien werden dann in kurzer Zeit viele Aerosole ausgeschüttet, erklärte der niederländische Erfinder Peter van Wees der Bild. Diese Aerosole werden dann per Atemtest auf das Coronavirus untersucht.

Peter van Wees hat den QuBA erfunden. Für ein Corona-Ergebnis muss man nur schreien.

Corona-Test im QuBA in Remscheid (NRW): Verfahren soll schnell und verlässlich sein

Ein Ergebnis hat man binnen einer Minute, gültig ist es dann bis zu 72 Stunden. Man könne bis zu 80 Tests in der Stunde durchführen sagt der Erfinder. Die Motivation des Niederländers, eine solche Kabine zu entwickeln, ist ehrenhaft. Er habe im Fernsehen gesehen, wie das Stäbchen von kleinen Kinder gebraucht wurde. Daraufhin dachte sich der QuBA-Erfinder: „Das muss anders gehen“, sagte er im WDR.

Solche Corona-Atemtests wurden bereits 2020 untersucht. Zwei Teams, eines des Klinikums Dortmund und eines der Universität Edinburgh, zeigten schon im Oktober vergangenen Jahres, dass solche Tests eine hohe Trefferquote haben – während der Studie immerhin zwischen 80 und 81,5 Prozent. Beim QuBA in Remscheid soll die Treffsicherheit immerhin schon bei 94 Prozent liegen.

QuBA: Testdurchlauf in NRW – spektakuläre Wende bei Corona-Tests könnte anstehen

In Remscheid scheint man bisher zufrieden mit der Testung zu sein: „Ich denke, wenn sich das Verfahren durchsetzt, ist es ein sehr gutes Verfahren, weil man kann in kurzer Zeit viele Leute durchschleusen“, sagte Dr. Frank Neveling vom Gesundheitsamt der Stadt über den QuBA. Als Bedingung nennt er allerdings eine sehr hohe Trefferquote.

Auch am Berufsausbildungszentrum herrscht Zufriedenheit. Offenbar kann man sich die Schreikabine als dauerhafte Lösung vorstellen. Über den stolzen Preis von 150.000 Euro sagte Geschäftsführer Alexander Lampe: „Die ganzen Schnelltests, die Hemmnisse mit Corona, mit Infektionen, mit Quarantäne könnten viel, viel teurer werden als eine Investition.“ Zumal die Kosten eines einzelnen Tests dann verhältnismäßig gering sind.

Es geht schnell, viele können sich testen lassen und die Trefferquote scheint bislang verlässlich. Was also spricht gegen den QuBA? Aktuell ist die Kabine noch nicht in Deutschland als Medizin-Produkt zugelassen. Verläuft der Testdurchgang in NRW positiv, könnte sich das bald ändern. Und ein weiterer Schritt im Kampf gegen das Coronavirus kann gegangen werden.

Rubriklistenbild: © Holger John/dpa

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