Keine Böller dieses Jahr?

Silvester-Verbot 2020 wegen Corona: Warum diese Forderung aktuell im Raum steht

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Die Deutsche Umwelthilfe möchte das Silvester-Feuerwerk abschaffen - steht dafür aber auch in der Kritik.

Macht das Coronavirus auch Silvester 2020 einen Strich durch die Rechnung? Ein Feuerwerks-Verbot steht im Raum - aber warum?

Nordrhein-Westfalen - Das Jahr neigt sich dem Ende zu und für viele ist das Highlight des Jahres, Silvester mit viel Feuerwerk zu feiern. Ginge es nach der Deutschen Umwelthilfe (DUH), würde es kein Feuerwerk mehr an Silvester geben. Der Verband der pyrotechnischen Industrie findet das Vorhaben dagegen gar nicht gut und äußert Kritik.

UmweltschutzorganisationDeutsche Umwelthilfe
Mitglieder443
GeschäftsführungJürgen Resch, Sascha Müller-Kraenner
Gründung1975
VorsitzHarald Kächele
SitzHannover

Böllerverbote in NRW: Deutsche Umwelthilfe will Feuerwerk abschaffen - und erntet Kritik

Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor dem Böllern und Feuerwerk an Silvester. Es sei „dringend schnelleres und mehr Engagement nötig“, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher fordert die Umweltschutzorganisation, wie auch schon im Vorjahr, einen vollständigen Verkaufsstopp und Verbotszonen für Feuerwerk.

Mittlerweile seien mehrere Händler und auch Städte mit auf den Zug der Deutschen Umwelthilfe aufgesprungen. Unter anderem hätten NRW-Städte (alle News zum Coronavirus in NRW im Ticker auf RUHR24.de) wie Aachen, aber auch Berlin, Stuttgart und München „bereits Böllerverbote verhängt bzw. bestehende Verbotszonen erheblich ausgedehnt“.

NRW: Hat eine hohe Luftbelastung durch Feuerwerk einen Einfluss auf Corona-Infektionen?

Zudem wurden von der DUH mehr als 50 Lebensmittelgeschäfte und Baumärkte befragt, ob sie weiterhin Feuerwerkskörper zu Silvester verkaufen würden. Das Ergebnis: Sieben Unternehmen erhalten von der Umweltorganisation eine „grüne Karte“, da sie den Verkauf komplett eingestellt haben. Dazu gehört die Baumarktkette Hornbach. Bei Rewe und Edeka würden dagegen nur einzelne Filialen auf den Verkauf verzichten.

Grund für das Anliegen der Deutschen Umwelthilfe sei die zusätzliche Luftbelastung an Silvester „mit fast 5.000 Tonnen Feinstaub“. Neben der Belastung für Umwelt und Tiere, die sich bei lautem und hellem Feuerwerk schnell erschrecken und Angst bekommen können, sei die laufende Coronavirus-Pandemie ein weiterer Grund mit dem Böllern aufzuhören: „Denn immer mehr Studien weisen auf den Zusammenhang zwischen hoher Luftbelastung und schwerem Krankheitsverlauf bei Covid-19 hin.“

Kritik an Deutscher Umwelthilfe: Pyrotechnik-Verband sieht das anders

Von anderen Seiten herrscht Kritik gegen das Vorhaben der Deutschen Umwelthilfe. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) aus Ratingen (NRW) wirft der Umweltorganisation einen „Instrumentalisierungsversuch“ vor, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Sie würde „die Corona-Pandemie als Hebel für die erneute Forderung von Feuerwerksverboten zu nutzen“ und „die Angst der Menschen in diesen schweren Zeiten ausnutzen“.

Die Aussage der DUH, dass die Feinstaubbelastung an Silvester einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Covid-19 haben kann, sei laut Dr. Fritz Keller, einem Experten des Verbands der pyrotechnischen Industrie, falsch. Denn die Studien würden sich nur auf Gebiete mit „permanent hohen Feinstaubbelastungen“ beziehen.

Video: Diese Einzelhandels-Ketten wollen in Zukunft kein Feuerwerk mehr verkaufen

Stattdessen wäre es laut Dr. Fritz Keller darum gegangen, „ob Personen in Ballungsgebieten mit einer permanent hohen Feinstaubbelastung durch Industrie, Verkehr und Feuerungsanlagen in der Folge prozentual schwerer erkranken, als in Gebieten, in denen über einen großen Zeitraum hinweg die Feinstaubemissionen geringer sind.“

Da die Feinstaubbelastung durch das Silvester-Feuerwerk nur einmalig auftreten würde, wäre der Einfluss auf die Gesundheit stark begrenzt: „Zwischen Verläufen der COVID-19-Erkrankung und der kurzfristigen Erhöhung der Feinstaubwerte - wie es an Silvester der Fall ist - wurden keinerlei Zusammenhänge identifiziert.“ Das berichtet auch wa.de*.

Kritik an Deutscher Umwelthilfe: Falsche Zahlen laut dem VPI

Zudem heißt es in der Kritik noch, dass die Deutsche Umwelthilfe falsche Zahlen verwendet hätte. Laut dem VPI seien die Emissionen des Feinstaubs PM10 deutlich geringer, als die von der DUH angegebenen 5.000 Tonnen und auch schon vom Umweltbundesamt bestätigt. Die Zahlen der Umweltorganisation seien nur „veraltete Schätzwerte“ (alle News zum Coronavirus auf RUHR24.de).

Die Kritik und auch die Verkäufer von Feuerwerkskörpern zeigen: Auch wenn die Deutsche Umwelthilfe es gerne so schnell wie möglich umsetzen würde ‒ ein Silvester in Deutschland ohne Feuerwerk wird vorerst noch etwas dauern. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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