„Bin sehr besorgt“

„Mit diesem Beschluss läuft die 3. Welle an“: Lauterbach hat nach Corona-Gipfel düstere Vorahnung

Die beschlossenen Corona-Lockerungen von Bund und Ländern kommen nicht bei jedem gut an. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigt sich besorgt.

NRW - Nach der Verkündung des verlängerten Lockdowns (bis zum 28. März) und der geplanten Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie folgen jetzt Reaktionen weiterer Politiker in der Öffentlichkeit. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) befürchtet, dass die Beschlüsse eine dritte Corona-Welle auslösen könnten.

Karl Wilhelm LauterbachPolitiker, Professor für Epidemiologie und Gesundheitsexperte
Geboren21. Februar 1963 in Düren (NRW)
ParteiSPD

Neue Beschlüsse nach Corona-Gipfel: Karl Lauterbach zeigt sich „sehr besorgt“

Die neuen Regeln auf die sich Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in der langen Corona-Konferenz geeinigt haben, erinnern ein wenig an einen Lockdown light. Denn bereits ab Montag (8. März) soll der Handel zum Teil wieder öffnen dürfen, auch die Regeln bei privaten Treffen werden gelockert.

Die Öffnungen in den kommenden Tagen und Wochen finden mit angezogener Handbremse statt, aber es soll sie geben. Karl Lauterbach hat bei Twitter einige Bedenken geäußert, berichtet auch Merkur.de.* Er sei zum Teil „sehr besorgt“ über die Ergebnisse des Corona-Gipfels.

Geplante Öffnungen trotz Corona: Lauterbach warnt vor dritter Welle

So schreibt er: „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass mit diesem Beschluss die 3. Welle langsam anläuft.“ Es könne sein, dass Terminshopping und Außengastronomie kurz anliefen, doch „spätestens Anfang April liegt die Inzidenz über 100 und das Intermezzo ist beendet“, warnt der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach.

Bund und Länder hatten sich in den Beratungen darauf geeinigt, Öffnungen in der Außengastronomie mit vorheriger Terminbuchung frühestens ab dem 22. März zu erlauben. Gleiches gilt für Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos (mehr News zu Corona aus NRW auf RUHR24.de).

Kritik an zu frühen Corona-Lockerungen: Intensivmediziner erinnert an Mutation

Lauterbach steht mit seiner Kritik an den neuen Corona-Lockerungen nicht allein da. Auch Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) blickt mit großer Sorge auf die Öffnungsstrategie. „Ich rechne damit, dass wir durch die beschlossenen Öffnungsszenarien deutlich steigende Zahlen von Neuinfektionen erleben werden - und dann auch vermehrt Intensivpatienten mit Covid-19“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag (4. März).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) im Gespräch.

Insbesondere in Hinblick auf die britische Corona-Mutation und den R-Wert von 1,01 hält Marx die Lockerungen für zu früh. Auch er teilt die Bedenken Lauterbachs und macht deutlich: „Die Sorge ist, dass wir in eine dritte Welle rutschen.“

Bund und Länder beschließen Öffnungen: Notbremse ab einer Inzidenz von 100 sei wichtig

Damit das nicht passiert, haben Merkel und die Länderchefs in ihrer stufenweisen Öffnungsstrategie eine Notbremse vorgesehen. Sie greift, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf über 100 steigt. Ab solch einem Zeitpunkt treten die Regeln, die noch bis zum 7. März gelten, wieder in Kraft.

Karl Lauterbach hierzu: „Wichtig ist die Notbremse ab Inzidenz 100. Wenn diese erreicht sein wird, spätestens Anfang April, muss man neu aufsetzen mit den dann hoffentlich vorhandenen Antigen Selbsttests.“ Der Weg bis dahin koste allerdings „viele Covidfälle und bringt auch der Wirtschaft wahrscheinlich wenig“, so der SPDler weiter.

Lauterbach konnte den Beschlüssen aber auch etwas Positives abgewinnen. So lobte er, dass der Impfstoff von AstraZeneca künftig auch älteren Menschen verabreicht werden dürfte und Impfintervalle gestreckt werden sollen. Die geplanten Corona-Selbsttests bezeichnete er in einem weiteren Tweet außerdem als „ideale Brückentechnologie bis zur Impfungs-Herdenimmunität“. *Merkur.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

Mehr zum Thema