Kommentar

Schluss mit der Toleranz für radikale und egoistische „Querdenker“

Am 9. August 2020 kamen 2800 Menschen auf den Hansaplatz in Dortmund, um bei der Querdenken231-Demo gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu demonstrieren.
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Am 9. August 2020 kamen 2800 Menschen auf den Hansaplatz in Dortmund, um bei der Querdenken231-Demo gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu demonstrieren.

Unbequeme Meinungen muss man aushalten. Menschen, die sich offen gegen das Gesetz stellen und Bullshit hinausposaunen aber nicht. Es muss Schluss sein mit der Toleranz gegenüber radikalen Corona-„Querdenkern“, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund – Corona-Maßnahmen-Kritiker, die keine Masken tragen. „Querdenker“, die das neue Infektionsschutzgesetz mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 vergleichen. Die Absurditäten auf Demos der sogenannten „Querdenker“ nehmen immer skurrilere Züge an. Das kann so nicht weitergehen: Es reicht mit der Toleranz gegenüber einigen radikalen Lautsprechern.

Name des VirusCoronavirus / Sars-Cov-2
Name der ausgelösten KrankheitCovid-19
Covid-19-Tote in Deutschland13.884 (Stand 21. November 2020)

Corona-Querdenker: Demos und kritisches Denken ist gut - aber unter Einhaltung der Regeln

Damit das klar ist: Es ist gut, dass Menschen Gesetzesänderungen und Grundrechtseinschränkungen kritisch hinterfragen. Dafür soll und muss jeder Bürger auf die Straße gehen dürfen. Und es ist wichtig, dass den gemäßigten Kritikern nicht die Lust am Kritisieren genommen wird - aus Angst, mit Radikalen in einen Topf geworfen zu werden.

Was nicht geht, sind Menschen, die auf Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen Lügen und Mutmaßungen verbreiten („Es gibt kein Sterben durch Corona in diesem Land“), oder solche, die sich nicht an die Regeln halten und weder die Maskenpflicht, noch die Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus einhalten.

Teile der „Querdenker“-Szene sind zutiefst unsozial

Wir leben in einem Staat, der auf Solidarität setzt. In einem Sozialstaat, in dem wir Rücksicht auf JEDEN Bürger nehmen - also auch auf die verletzlichen Mitmenschen, etwa Alte oder Kranke. Der Egotrip einiger selbsternannten „Querdenker“ ist zutiefst unsozial und kaum zu ertragen. Ganz nach dem Motto: „Hauptsache mir geht es gut.“

Die Taktik – zumindest des radikalen Teils – der „Querdenker“ ist offensichtlich: In dem sie versuchen, aktuelle Maßnahmen mit Taten aus der Zeit des Nationalsozialismus zu vergleichen, versucht man die Politik zu diskreditieren – und verharmlost damit den millionenfachen Mord an ganzen Bevölkerungsgruppen. Zudem verhöhnen die radikalen „Querdenker“ die Tausenden Opfer des Coronavirus in Deutschland und die Millionen Toten weltweit.

Trotz Kritik für Corona-Maßnahmen nicht mit Demokratiefeinden gemein machen

Es ist schwer nachvollziehbar, wie man sich als kritisch denkender Mensch – so sehr uns die Corona-Maßnahmen einschränken – mit radikalen Spinnern in einen Pulk stellen kann. Der Zweck heiligt in diesem Fall nicht die Mittel, weil man sich mit demokratiefeindlichen Spinnern gemein macht. Da helfen alle noch so heuchlerischen Plakate nichts, auf denen von „Frieden und Freiheit“ die Rede ist (hier mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24.de lesen).

Video: Aufarbeitung nach „Querdenken“-Demo in Leipzig gefordert

Wer Hass sät, wer den Rechtsstaat aushöhlen möchte, muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats bekämpft werden. Es ist gut, dass die Polizei inzwischen Demonstrationen auflöst, auf denen gegen Auflagen verstoßen wird. Radikale „Querdenker“ müssen mit den gleichen Maßstäben behandelt werden, wie alle anderen Menschen in Deutschland auch.

Deutschland eine Diktatur? Ein Blick nach Belarus genügt

Szenen wie auf der „Querdenker“-Demo in Leipzig, bei der Demonstranten in einem Marsch eine Polizeikette überrannten, dürfen nie wieder passieren. Übrigens: In einer Diktatur, die Deutschland laut einigen „Querdenkern“ angeblich sein soll, wären die Demonstranten gnadenlos niedergeknüppelt worden. Belarus lässt grüßen.

Toleranz gegen Radikale, nur um keine negativen TV-Bilder zu produzieren? Damit sollte endlich Schluss sein – sonst macht sich der Staat lächerlich. Und es ist auch wichtig, dass Gemäßigte, die die Mehrheit in Deutschland ausmachen, endlich die Stimme erheben. Das Schauspielhaus Bochum hat es jüngst vorgemacht. Hinweis: Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

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