Corona-Hetze

Nach Attacke von Bayern-Trainer Hansi Flick: Solidarität mit Karl Lauterbach

Karl Lauterbach warnt vor einer dritten Corona-Welle, vor Mutationen und voreiligen Öffnungen. Dafür wurde er massiv angefeindet - auch von FC-Bayern-Trainer Hansi Flick. Der will jedoch jetzt eine Aussprache.

NRW - Für den einen sind es unbequeme Wahrheiten, für den anderen Panikmache oder gar das Mitwirken an einer Verschwörung. Seit Beginn der Pandemie wird der Mediziner und Politiker der SPD Karl Lauterbach nicht müde, vor steigenden Fallzahlen und vorzeitigen Lockerungen der Corona-Regeln zu warnen. Zuletzt war er deswegen auf Twitter Drohungen und Hetze ausgesetzt. Zeitgleich ätzte auch Bayern-Trainer Hansi Flick gegen Lauterbach.

Karl LauterbachSPD-Politker, Bundestagsabgeordneter
geboren1963 in Düren (NRW)
WahlkreisLeverkusen

Corona-Pandemie: Hass und Hetze gegen SPD-Politiker Karl Lauterbach erschrecken

Um seine Aussagen zu untermauern, griff der Gesundheitsexperte und frühere Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität Köln regelmäßig auf wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse zurück. Doch obwohl Lauterbach mit seinen Prognosen auch schon häufig richtig lag, brachte er seine Kritiker bisher nicht zur Räson. Im Gegenteil.

In schier endlosen Threads unter Lauterbachs Tweets werden dem Politiker Lobbyismus, Hysterie und Panikmache vorgeworfen. Auch namhafte Kritiker, wie Stefan Homburg, Professor am Institut für öffentliche Finanzen an der Universität Leibniz, kontern stets scharf auf die Tweets Lauterbachs. Homburg tat es ihm zudem gleich und nutzte zuletzt ebenfalls wissenschaftliche Grafiken, um seine Ansichten zu belegen (mehr News zum Coronavirus in NRW).

Dabei sind endlose und wütende Debatten in sozialen Netzwerken nicht selten, sobald unterschiedlicher Ansichten aufeinanderprallen. Doch auch im Falle Karl Lauterbachs gipfelte das letztendlich in einer Welle aus Hass und Hetze, die sich gegen den Politiker richtete. Selbst vor Morddrohungen war der twitternde Politiker offenbar nicht gefeit.

Corona-Pandemie: Hansi Flick kann Warnungen von Karl Lauterbach nicht mehr hören

„Ich bin Politiker und Wissenschaftler, kann einiges ab. Aber diese neue Hass-Welle ist bitter und wirkt auf viele Wissenschaftler einschüchternd“, twitterte Lauterbach am 14. Februar. Am selben Tag hatte auch Bayern-Coach Hansi Flick auf einer Pressekonferenz Karl Lauterbach heftig angegriffen.

„Ich finde, so langsam kann man die ganzen Corona-Experten nicht mehr hören. Herr Lauterbach hat immer irgendwas zu sagen, immer ein Thema, zu dem er sich meldet“, hatte Flick gewettert. Der Trainer forderte, dass sich die „sogenannten Experten und Politiker“ besser zusammensetzen und eine Strategie entwickeln sollten, „damit man irgendwann mal ein Licht im Tunnel sieht“ (mehr News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker).

Lauterbach hatte auf die Attacke direkt reagiert und forderte seinerseits: Man könne immer anderer Meinung sein, doch „als Amateur-Sportler sage ich: nicht unfair sein“. Seine Meinung gebe er in der Regel zum Besten, weil vor allem Journalisten um seine Einschätzung zur Lage in der Corona-Pandemie bitten würden. Karl Lauterbach gilt als Gesundheitsexperte der SPD. Der von Flick als „sogenannter Experte“ kritisierte Lauterbach ist promovierter Mediziner und studierte Epidemiologie in Harvard. Von der Universität Köln wurde er 1998 als Professor berufen.

Nach Corona-Hetze: Karl Lauterbach hat Gesprächsangebot von Hansi Flick angenommen

Als Reaktion auf die massiven Anfeindungen im Netz und die scharfen Äußerungen Hansi Flicks, formierte sich auf Twitter unter dem Hashtag #teamlauterbach anschließend eine Solidaritätsaktion. Tausende User twitterten unter dem Hashtag und bekannten ihre Solidarität zu Lauterbach – wenngleich einige zeitgleich zugaben, nicht immer einer Meinung mit dem Politiker zu sein. Dennoch sollten Hass und Aufrufen zu Gewalt nicht geduldet werden.

Kritisiert wurde zudem, dass Flick mit seinen Äußerungen der Hetze gegen Lauterbach offenbar weiteren Aufschwung gegeben haben könnte. So schreibt ein User: „Nachdem #Rummenigge was von Vorbildfunktion des #FCB faselt, übergibt #flick den Wissenschaftler #Lauterbach dem Mob! Große Leistung“.

Inzwischen hat Flick reagiert. Er habe nicht erwartet, dass seine Aussagen so „eine Welle schlagen würden“. Noch am Montagabend (15. Februar) hatte Hansi Flick Karl Lauterbach ein Gesprächsangebot gemacht. Auch mit anderen Kritikern aus der Bundesliga hat sich Lauterbach bereits ausgesprochen. Nachdem er mit Hans-Joachim Watzke bereits ein gutes Gespräch gehabt hätte, würde er auch das Angebot von Flick annehmen: „Sehr gerne spreche ich mit Hansi Flick. Seine Kritik nehme ich sportlich“, twitterte Lauterbach noch am nächsten Morgen.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa