Gefährdung sehr hoch

NRW: Inzidenz steigt drastisch an – und auch andere Corona-Zahlen bereiten Sorgen

Die Corona-Inzidenz in NRW steigt seit Wochen an. Sie hat die Marke von 100 überschritten. Doch es gibt andere Zahlen, von denen nur selten die Rede ist - und die sich auch negativ entwickeln.

Dortmund - Seit Samstag (20. März) hat NRW eine 7-Tages-Inzidenz von 100 überschritten. Spätestens jetzt schrillen bei den verantwortlichen Ministern in NRW die Alarmglocken. Zumal erste Städte und Kreise bereits auf eine Inzidenz von 200 zurasen. Unterdessen entwickeln sich auch andere Corona*-Zahlen negativ. RUHR24.de* erklärt, welche Werte das sind und was das für NRW bedeutet.

Covid-19-Fälle in NRW37.400 (aktuell, 21. März 2021)
7-Tages-Inzidenz103,5
Gemeldete Fälle total577.474

Corona-Inzidenz in NRW: Zahlen steigen seit Wochen - doch andere Werte sind auch negativ

Die Corona-Zahlen in NRW scheinen einen dramatischen Verlauf zu nehmen. Die befürchtete dritte Welle - sie ist längst da. Seit Mitte Februar, als NRW eine 7-Tages-Inzidenz von 55,8 hatte, ist dieser Wert drastisch gestiegen. Inzwischen liegt er bei 103,5 (Stand 21. März). Die Grundlage für die Fortführung von Schließungen und die Rücknahme von Lockerungen* ist gegeben.

Unterdessen zeigt ein Blick auf den Anteil der 7-Tages-Fallzahl je Altersgruppe Positives - zumindest im Falle der Bevölkerungsgruppe der über 80-Jährigen. Lag der Anteil der Menschen zwischen 80 und 89 Jahren unter allen Covid-19-Infizierten in NRW Anfang Februar noch bei 9,4 Prozent, ist der Wert nun drastisch gesunken. Er lag am 20. März nur noch bei 2,6 Prozent.

Ähnlich rückläufig ist dieser Wert in der Altersgruppe 90+. Kein Wunder - die über 80-Jährigen kamen in NRW zuerst in den Genuss der Corona-Impfungen, sind inzwischen zum großen Teil durchgeimpft und so gut wie immun gegen Corona.

Corona in NRW: Zahl der Covid-19-Kranken unter Kindern und Jugendlichen steigt

Gleichzeitig zeigt sich in der Altersgruppe der 0- bis 9-Jährigen eine gegenteilige Entwicklung. Ihr Anteil unter allen Covid-19-Kranken in NRW steigt seit Mitte Januar dramatisch. Waren es damals nur vier Prozent, lag der Wert am 20. März schon bei fast zehn Prozent.

Auch der Anteil der 10- bis 19-Jährigen unter allen Covid-Kranken in NRW ist seitdem gestiegen. Von 7,1 Prozent Ende Januar auf 11,5 Prozent am 20. März. Auch die Inzidenz unter den unter 15-Jährigen stieg laut RKI deutschlandweit zuletzt „rasant“*.

NRW: Corona-Infektionen unter Kindern steigen rasant

Ein Grund für die steigenden Corona-Zahlen unter Kindern und Jugendlichen könnte laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der höheren Übertragbarkeit der in NRW inzwischen grassierenden britischen Mutation liegen. In Kitas habe es zuletzt mehr Corona-Ausbrüche als vor Weihnachten gegeben, teilte das RKI zuletzt mit.

Reinhard Berner, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin, vermutet unterdessen, dass nun mehr Corona-Positive Kinder und Jugendliche entdeckt werden, weil in den Schulen mehr getestet wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) sieht Kinder aber nach wie vor nicht als Treiber der Pandemie. Im Gegenteil: Sie sieht Kinder eher als „Opfer“, da sich diese in der Regel bei Erwachsenen ansteckten - und nicht umgekehrt.

Unterdessen zeigt in NRW ein Blick auf die Zahl der Menschen, die an oder mit Covid-19 gestorben sind, eine positive Entwicklung. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, starben in NRW 176 Menschen an einem Tag an oder mit den Folgen des Virus. Seitdem ist diese Zahl drastisch gesunken.

Am Freitag (19. März) und Samstag (20. März) wurden nur noch sechs bzw. neun Verstorbene gezählt. Auch hier zeigen sich die Erfolge der gestarteten Impfungen. Doch ein Großteil der Risikogruppe ist noch gar nicht geimpft - denn ab dem Alter von 60 Jahren ist das Risiko, an Corona zu sterben, höher, als unter dieser Altersgrenze.

Kostenlose Corona-Tests in NRW: Führen sie zu steigenden Infektionszahlen?

Seit Anfang März ist die Zahl der Corona-Tests in NRW massiv gestiegen. Seitdem hat jeder Bürger ein Recht auf mindestens einen kostenlosen Schnelltest. Außerdem verkaufen Discounter wie Aldi und Lidl Selbsttests für daheim*. Könnte es also sein, dass die Corona-Inzidenz deswegen steigt? Zunächst ist der Gedanke nicht falsch. Wenn mehr getestet wird, werden auch mehr Fälle aufgedeckt.

Warnt vor der ernsten Corona-Lage in Deutschland und NRW: Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Wichtig ist aber gleichzeitig auch ein Blick auf die Positiv-Rate unter allen Tests. Dieser Wert zeigt, ob sich tatsächlich mehr Menschen anstecken, losgelöst von der Anzahl der Tests. Und hier zeigt sich: Seit Mitte Februar steigt dieser Wert an.

In der Woche vom 15. bis zum 21. Februar waren 6,3 Prozent aller offiziell gemeldeten Corona-Tests positiv. In der Woche vom 8. bis 14. April lag dieser Wert schon bei 7,5 Prozent. Das ist zwar deutlich weniger, als noch kurz nach Weihnachten, als in NRW 13,2 Prozent aller Corona-Tests positiv waren, aber die Tendenz scheint eindeutig.

R-Wert in NRW: Corona-Infektionen steigen, weil Reproduktionszahl steigt

Indes ist auch ein Blick auf den sogenannten R-Wert in NRW aufschlussreich – auch Reproduktionszahl genannt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) beschreibt sie, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Ist dieser Wert über 1, dann steigt die Anzahl täglicher Neuinfektionen. Ist der Wert unter 1, sinkt die Zahl der Neuinfektionen.

In NRW lag der R-Wert seit Mitte Oktober 2020 unter 1. Doch seit Mitte Februar hat sich die Lage geändert. Der Wert steigt drastisch und ist längst über 1 gestiegen. Zuletzt lag dieser in NRW bei 1,21. (Hier weitere Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen). Bei SARS-CoV-2 ist das Ziel aber, die Reproduktionszahl stabil bei unter 1 zu halten.

Das RKI schätzt daher in seinem Situationsbericht von Samstag (20. März) die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als „sehr hoch“ ein. Mit Besorgnis schaut die Bundesbehörde auf die Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle - die in NRW im Vergleich zu Ende Februar laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine leicht steigende Tendenz zeigt.

Dass bei Armin Laschet, Karl-Josef Laumann und Co. die Alarmglocken läuten, liegt also nicht nur an der gestiegenen 7-Tages-Inzidenz, sondern an vielen weiteren Faktoren. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.DIGITAL.

Rubriklistenbild: © DIVI, Federica Gamberini/dpa; Colllage: RUHR24

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