Tacheles bei Talkshow

Corona: NRW-Virologin wettert bei Lanz gegen Politiker – „einer der dümmsten Sätze der Pandemie“

Kinder sind Leidtragende der Coronavirus-Pandemie. Jetzt brach eine Virologin aus NRW eine Lanze für sie und redete bei „Markus Lanz“ Tacheles über Versäumnisse der Politik.

NRW – Ob hohe Inzidenzwerte, Bundesnotbremse oder Impfpriorisierung: Das Coronavirus und dessen Bekämpfung bietet viel Diskussionsstoff. Auch das Thema Schulschließungen kommt immer wieder zur Sprache. Eine Virologin aus NRW hat am Dienstagabend (27. April) in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ Klartext zum bisherigen Umgang mit Kindern in der Pandemie gesprochen.

ShowMarkus Lanz
SenderZDF
ProduktionsunternehmenFernsehmacher (2008–2010); Mhoch2 TV (seit 2011)
Längecirca 75 Minuten

Markus Lanz: NRW-Virologin bei ZDF-Talkshow – Kritik am Umgang mit Kindern während Corona

Neben dem ersten Bürgermeister Hamburgs Peter Tschentscher (SPD), Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen) und der Journalistin Anja Maier zählte bei „Markus Lanz“ auch Dr. Jana Schroeder zu den Gästen. Sie ist Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie bei der Stiftung Mathias-Spital in Rheine (NRW).

Das Thema Kinder liegt ihr offenbar besonders am Herzen – ebenso wie das scheinbar stiefmütterliche Verhalten der Politik mit ebenjenen während der Coronavirus-Pandemie. So warnte sie auf ihrem Twitter-Account bereits am 23. März: „Passt gut auf Euch und Eure Kinder auf - die Regierung macht das nicht...“ Auch in der ZDF-Talkshow befasste sich Dr. Jana Schroeder mit Schulschließungen und kritisierte vehement mit Versäumnissen der Politik auf.

Coronavirus in NRW: Virologin übt bei Markus Lanz (ZDF) scharfe Kritik an Politik

Schon zu Beginn legte die NRW-Virologin ein Fehlverhalten dar: Bei Kindern wurde bisher nur reaktiv, nicht proaktiv gehandelt. Zunächst sei das Narrativ gewesen, Kinder stecken sich gar nicht an. Gefolgt von: Kinder stecken sich bei ihren Eltern an. Jetzt heißt es, die Infektionszahlen bei Kindern steigen, weil sie mehr getestet werden. „Aber da kann ich ihnen sagen: Ein Test macht das Licht an, wo vorher dunkel war“, so Dr. Jana Schroeder.

In ihrer Heimatstadt Münster liege die allgemeine Corona-Inzidenz bei aktuell 100, wenn man nur die Kinder betrachtet allerdings bei 222. Das zeigt offensichtlich, dass man dieser Bevölkerungsgruppe mehr Aufmerksamkeit schenken müsste.

Markus Lanz hatte zum Thema Coronavirus auch den NRW-Virologen Hendrik Streeck als Gast.

Markus Lanz: Coronavirus an Schulen unterschätzt – Virologin aus NRW hat klare Meinung

Den Auftakt zur hitzigen Debatte, welche Rollen Schulen und Kinder in Zeiten der Coronavirus-Pandemie treiben, gab dann Talkshow-Gastgeber Markus Lanz selbst: „Die Erzählung war immer: Schulen sind nicht die Treiber der Pandemie. Ich glaube, das ist einer der dümmsten Sätze dieser ganzen Pandemie.“ Es gebe nur Infektionsherde und Nicht-Infektionsherde.

Dem pflichtete die Virologin aus NRW bei und erklärte: „Wir sind in Bezug auf Kinder ganz lange mit der Problembegutachtung beschäftigt gewesen, ohne zur Lösungsfindung zu kommen. Denn die Lösung muss natürlich sein: wie können wir Schulen sicher gestalten?“ Mit ihrer Kritik ist sie nicht alleine, auch Eltern fordern jetzt Änderungen der Corona-Regeln an NRW-Schulen.

Virologin aus NRW haut bei Markus Lanz auf den Tisch: Corona-Gefahr bei Kindern unterschätzt

Die Gesellschaft für Virologie habe schon im August 2020 gewarnt, dass man die Infektionsgefahr, die von Kindern ausgeht, nicht unterschätzen dürfe. „Wenn einem die Kinder, wie man immer gesagt hatte, am Herzen gelegen hätten, hätte man Lockdowns innerhalb der Ferien gestalten können“, schlägt Dr. Jana Schroeder vor.

Eine Corona-Maßnahme, die planbar gewesen wäre und den Schulausfall für Kinder zumindest geschmälert hätte. Um Schulöffnungen trotz hoher Inzidenzen zu ermöglichen, wird in NRW jetzt sogar darüber diskutiert, Schulen mit Unterricht im Freien zu gestalten.

Der Kern ihrer Aussage: Statt unkontrollierter Schulschließung sollte eine verantwortungsvolle Schulöffnung die Devise sein. Denn auch das Risiko für Kinder selbst ist nicht zu unterschätzen. Kinder würden zwar weniger schwer erkranken, „aber es ist ja nicht so, als würde das Infektionsgeschehen an Kindern komplett vorbeigehen. Es gibt akute Schäden und Langzeitschäden.“ Beispielhaft nennt die Virologin das Pims-Syndrom (eine Überreaktion des Immunsystems) und Long-Covid.

Coronavirus: NRW-Virologin bei Markus Lanz mit klarer Forderung bei Schulen und Kindern

Die Forderung der Virologin aus NRW ist klar: „Ich würde mir einfach ein Ehrlichmachen in der Debatte wünschen. Es ist ja nicht so, als würde das Infektionsgeschehen vorbeigehen an den Schulen.“

Sie erwartet eine gewisse Solidarität den Kindern gegenüber und dass die Politik eine Strategie entwickelt, „die die Inzidenzen so weit herunterbringt, dass Kinder sicher in die Schule gehen können“. Hier regte sie auch ein Überdenken der Impfpriorisierung an, die laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ohnehin im Juni aufgehoben werden soll.

Medizinerin Dr. Jana Schroeder gestaltete insbesondere den Anfang der Talk-Sendung im ZDF. Doch das reichte. Ihren Standpunkt zur Corona-Politik in Bezug auf Kinder und Schulen konnte sie offen darlegen und vertreten. Dieser ist ganz klar: „Die Frage ist nicht Schule auf oder Schule zu, sondern Schule sicher?“

Rubriklistenbild: © Markus Hertrich/ZDF/dpa/Screenshot ZDF; Collange:RUHR24