Schulgipfel soll helfen

Schulen in NRW: Kein Corona-Konzept nach den Ferien – SPD fordert drastische Einschnitte

Für den Start in das neue Schuljahr nach den Sommerferien gibt es bislang kein Konzept, wie Schüler vor Corona geschützt werden sollen. Dabei ist die infektiöse Delta-Variante auf dem Vormarsch.

NRW – Nach den Ferien soll es für Schüler in ganz Deutschland wieder durchgehend Präsenzunterricht geben – trotz Corona, trotz des Fakts, dass die meisten Kinder ungeimpft sein werden, trotz Ausbreitung der Delta-Variante. Wie das gelingen soll, ist noch unklar. Bislang endet die Strategie für sichere Schulen bei einer regelmäßigen Testung der Schüler. SPD-Chefin Saskia Esken reicht das nicht. Auch die Grünen fordern schnelles Handeln.

BundeslandNRW
Sommerferien5. Juli bis 17. August
1. Schultag18. August

Schule und Corona: Kinder in NRW besser Schützen - Schulgipfel jetzt

Lösungen für einen sicheren Schulbesuch noch bevor die Sommerferien in NRW enden? Blickt man auf die vergangenen Ferienzeiten seit Ausbruch der Corona-Pandemie, klingt das eher nach Utopie. Doch die Stimmen aus der Politik, die schon jetzt, zum Ende der ersten Ferienwoche, auf einen Schulgipfel drängen und harte Einschnitte in anderen Bereichen fordern, als in jenen, die vor allem die junge Generation berteffen, werden lauter.

Gegenüber der WAZ äußerte sich nun Saskia Esken (SPD) zu dem Thema. Die Bundestagsabgeordnete fordert, dass Jugendliche besser vor Corona geschützt werden müssten. Dem Irrglauben, dass Kinder und Jugendliche nicht durch Corona gefährdet seien, dürfe man sich nicht länger hingeben.

Dies gilt besonders seit Ausbreitung der Delta-Variante, welche sich nun, da ein größerer Teil der Erwachsenen Bevölkerung gegen Corona geimpft ist, bevorzugt unter jenen ausbreitet, die noch nicht geimpft sind. Also auch unter Kindern und Jugendlichen. Auch in NRW. Und so mahnt Prof. Dirk Brockmann, Epidemiologe an der Humboldt-Universität zu Berlin laut einem Bericht des ZDF, Kinder in der aktuellen Diskussion nicht wieder zu vergessen.

NRW: Sommerferien für bessere Planung nutzen, wie Schüler vor Corona geschützt werden können

Auch Saskia Esken betont: Long-Covid-Folgen, wie dauerhafte Ermüdungserscheinungen (Fatigue), könnten jungen Menschen eine gute Zukunft für lange Zeit verbauen. Eine Ansteckung im Klassenzimmer gilt es daher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu vermeiden (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Doch Distanzunterricht in den Schulen kann und darf auf Dauer keine Lösung sein. Wie die Tagesschau berichtet, stellten Forscher der Frankfurter Goethe-Universität erst kürzlich fest, dass Distanzunterricht ähnlich effektiv sei, wie Sommerferien. Am Ende des vergangenen Schuljahres führte das zu großem Noten-Frust bei vielen Schülern. Und tatsächlich: Die Entwicklung der Kompetenzen von Schülern während der Schulschließungen hätte laut der Forscher im vergangenen Jahr irgendwo zwischen Stagnation und echten Einbußen gelegen.

Einfach nur Kind sein – in Zeiten der Corona-Pandemie war das für viele gar nicht einfach.

Für die SPD-Politikerin liegt die Lösung laut dem Bericht in der WAZ daher in einer ganz anderen Strategie: Es muss harte Einschnitte in allen anderen Bereichen geben. Sie nennt Großveranstaltungen wie beim Fußball mit tausenden Besuchern oder auch eine strenge Quarantänepflicht für Reiserückkeherer, Betriebe müssten zudem ihre Mitarbeiter weiterhin diszipliniert testen.

Schule in NRW: Kinder verdienen Rücksicht von Älteren zum Schutz vor Corona

Über ein Jahr lang habe die junge Generation nun verzichtet, so die SPD-Chefin. Vor allem auch, um die ältere Generation zu schützen. Jetzt dürften Jüngere erwarten, dass ihnen dieselbe Rücksichtnahme von der (geimpften) älteren Generation ebenfalls zuteilwerde.

Ähnliche der Forderungen der SPD-Politikerin, will auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, dass größere Anstrengungen unternommen werden, um Kinder und Jugendliche zu schützen. „Wir laufen mit Ansage in einen zweiten Corona-Herbst, und wieder unternimmt die Bundesregierung viel zu wenig, um Kitas und Schulen zu sichern“, so die Politikerin gegenüber der WAZ.

Damit sich das Planungsversagen nicht wiederholt, fordert sie jetzt unverzüglich zu einem Kita- und Schulgipfel zusammenzukommen. Damit es Lösungen geben kann, bevor die Kinder in den Klassenzimmern wieder zusammensitzen und nur panikartige Schnellschusslösungen anberaumt werden – denn dann könnte es erneut auf die vermeintlich einfachste aller Lösungen hinauslaufen: Schulschließungen.

Rubriklistenbild: © INA FASSBENDER

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