Ministerium gibt zu

Tests an Schulen in NRW: Nicht alle Schüler können verpflichtende Corona-Selbsttests durchführen

In NRW müssen sich seit Ende der Osterferien alle Schüler zweimal die Woche auf Corona testen lassen. Doch nicht für alle Kinder sind die aktuellen Tests geeignet.

Düsseldorf – Stäbchen ins Nasenloch, fünfmal drehen, rein ins andere Nasenloch, nochmal fünfmal drehen. Was vor mehr als einem Jahr noch undenkbar gewesen ist, ist für alle Schüler in NRW in Zeiten des Coronavirus* nun Realität. Corona-Tests sind seit Ende der Osterferien zweimal die Woche für jeden Schüler Pflicht. Wer sich weigert, darf nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Doch es gibt ein weiteres Problem: Die vom Land bestellten Tests sind nicht für jeden Schüler geeignet. RUHR24* erklärt, was dahinter steckt.

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BildungsministerinYvonne Gebauer (FDP)
7-Tages-Inzidenz (15. April)158,6

NRW-Schulen bestellen Corona-Tests, die nicht für alle Schüler geeignet sind

Konkret geht es um die Anwendung der vom Land NRW bestellten Corona-Tests bei Grundschülern und Schülern aus Sonderschulen. Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) gab bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (14. April) zu, dass die bestellten Tests nicht für alle Altersgruppen und Schulformen gleich geeignet seien.

Es geht um jene 5,5 Millionen Corona-Tests, die das Land nach den Osterferien pro Woche von der Firma Siemens-Healthcare erhält. Die Bestellung, so heißt es aus dem Bildungsministerium in Düsseldorf, sei das „einzig wertbare Angebot“ gewesen. Man habe es per Dringlichkeitsvergabe eingeholt.

NRW: Corona-Test für Schulen nur begrenzt verfügbar

Gebauer und ihrem Ministerium schienen bei der Beschaffung der Corona-Tests die Hände gebunden zu sein. „Es gab auf dem Markt keine anderen verfügbaren Selbsttests* in der erforderlichen Menge“, heißt es aus Düsseldorf. Ohne diese Tests wäre ein Einstieg in das Wechselmodell mit Präsenzphasen in den Schulen nicht möglich gewesen.

Die Handhabung der Corona-Selbsttests – sie sollen laut aktueller Schulmail des Landes NRW grundsätzlich zu Beginn des Unterrichtes durchgeführt werden – klingt zunächst einfach: Sie müssen nur etwa zwei Zentimeter tief in jedes Nasenloch geschoben werden und liefern innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis.

Corona-Selbsttest an NRW-Schulen für junge Schüler nicht unkompliziert

Der Abstrich muss allerdings mit zehn Tropfen einer sogenannten Pufferlösung in einem Röhrchen vermischt werden. Von da aus müssen dann wiederum fünf Tropfen dieser Lösung auf die sogenannte Testkassette getropft werden. Diese zeigt dann an, ob man Corona hat oder nicht.

Aber: Lehrer an NRW-Grundschulen kritisieren bereits, dass die Tests für eine Klasse rund 30 bis 45 Minuten dauern, dadurch also Unterrichtszeit verloren geht. Vor allem in den Klassen 1 und 2 seien die Selbsttests nur schwer alleine durchführbar.

Für Grundschüler oder Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf erscheint die neue Aufgabe zu Beginn des Unterrichts offenbar doch nicht so einfach zu sein. Zumal Lehrer die Selbsttestung nur beaufsichtigen und nicht selbst an den Schülern durchführen sollen, wie Yvonne Gebauer am Mittwoch noch einmal betonte (hier weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

NRW: Schulen sollen Schüler mit Video auf Corona-Selbsttests vorbereiten

Stattdessen sollen jüngere Schüler durch Erklärungen unterstützt werden - etwa durch Videos. Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf dürfen ihre Tests zudem daheim durch die Eltern vornehmen lassen. Diese beaufsichtigen und werten den Corona-Test dann aus und sind verantwortlich für die korrekte Durchführung. Von Eltern und Lehrern gibt es längst die Forderung, diese Test-Möglichkeit auf Schüler aller Schulformen auszuweiten.

Und so liefert Siemens Healthcare nun pro Woche vorerst für Woche 5,5 Millionen Corona-Selbsttests an alle Schulen in NRW. Die Landesregierung wolle indes „bei den weiteren Beschaffungsvorgängen künftig darauf achten, dass die Testverfahren möglichst noch alters- und kindgerechter durchgeführt werden können.“

NRW schließt Corona-Spucktetst an Schulen vorerst aus

Sogenannte Spucktests sollen vorerst allerdings mit Verweis auf eine Aussage des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht an NRW-Schulen zum Einsatz kommen. Sie waren vom Bundesinstitut Anfang des Jahres für Kinder als ungeeignet eingestuft worden.

Das Robert-Koch-Institut um Chef Lothar Wieler kann Corona-Spucktests für Kinder nicht empfehlen.

Hoffnung gibt es allerdings auf einen künftigen Einsatz der sogenannten „Lolli-Tests“, die in NRW bereits in Modellversuchen zum Einsatz gekommen sind. Die von der Uniklinik Köln entwickelte Methode gilt als kindgerechter als jene, für die mit Stäbchen in Nase oder Rachen gebohrt werden muss. Das Problem bei diesen Tests ist, dass sie in Laboren ausgewertet werden müssen – und die wiederum haben nur begrenzte Kapazitäten.

Offizieller Corona-Test aus Testzentren gilt auch an Schulen in NRW

Immerhin: Das Testen will die NRW-Landesregierung flexibel halten, in dem es Schülern auch gestattet sein soll, statt eines Selbsttests in der Schule einen offiziellen Test in einem Testzentrum in der Schule vorzuweisen. Er darf allerdings nicht älter als 48 Stunden sein.

Und was passiert, sollte ein Schüler im Unterricht positiv getestet worden sein? Hier schreibt das NRW-Schulministerium folgendes vor: „Die betroffene Person muss unverzüglich und in altersgerechter Weise unter Einhaltung der allgemeinen Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen isoliert werden.“ Ein PCR-Test ist in der Folge nötig.

Schüler, die positiv getestet wurden, sollen in diesem Fall nicht mit dem ÖPNV Heim oder zu einem Testzentrum fahren, sondern möglichst abgeholt werden. Eine Quarantäne der gesamten Klasse ist bis zum Erhalt des PCR-Testergebnisses nicht nötig. Schüler, die engen Kontakt zur positiv getesteten Person hatten (etwa Sitznachbarn), sollen sich aber strikt an Hygieneregeln halten. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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