Schule in der Corona-Krise

Längere Weihnachtsferien für NRW: Für SPD ist die Corona-Maßnahme eine „Unverschämtheit“

In NRW sollen die Weihnachtsferien 2020 zum Schutz vor Corona zwei Tage früher starten. Was Schüler freut, ist für andere der Grund zu harscher Kritik.

Update, Freitag (13. November), 13.30 Uhr: Es hat eine aufgeheizte Debatte im NRW-Landtag darüber gegeben, wie viel Sinn die von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vorgeschlagene Verlängerung der Weihnachtsferien mache.

Erneut bekräftigte Oppositionsführer Thomas Kutschaty (SPD) seine Argumente gegen die Verlängerung und sprach laut dpa von einer unlogischen „Verzweiflungstat“. Zunächst habe es immer geheißen, Schulen seien keine Corona-Hotspots. Wenn dem wirklich so sei, so der Politiker, müssten alle Schüler bis zum letzten Tag vor Weihnachten in die Schule gehen.

Zudem könne niemand ernsthaft davon ausgehen, dass sich alle Schüler vor Weihnachten allein in ihren Zimmern aufhielten. Weiterhin bezeichnete Kutschaty den unabgestimmten Beschluss als „Unverschämtheit“. Ein weiteres Mal zeige dieser überraschende Vorstoß, dass die Regierung das Parlament nicht an Entscheidungen zum Corona-Krisenmanagement beteiligen wolle. Eine ähnlichen Vorwurf äußerte auch ein Politiker aus Dortmund vor wenigen Tagen in Berlin.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) äußerte sich zum Streitthema Weihnachtsferien in der Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags nicht.

Erstmeldung, Freitag (13. November), 12 Uhr: NRW - In diesem Jahr sollen die Weihnachtsferien in NRW zwei Tage früher startet. Anstatt am 22. sollen Schüler am 18. Dezember das letzte Mal vor Weihnachten die Schule besuchen - wenn es nach Schulministerin Yvonne Gebauer und der Landesregierung in NRW geht. Durch den verfrühten Start der Ferien, soll das Corona-Infektionsrisiko gesenkt werden. Doch es gibt Kritik an dem Vorstoß - und alternative Vorschläge.

BundeslandNRW
SchulministerinYvonne Gebauer (FDP)
vorgezogene Corona-WeihnachtsferienMontag, 21. Dezember (statt Mittwoch, 23. Dez.)

Weihnachtsferien wegen Corona vorgezogen: NRW-Schulministerin erntet Kritik

Was die meisten Schüler freuen dürfte, treibt vor allem berufstätigen Eltern die Sorgenfalten auf die Stirn: nach einem Vorstoß der NRW-Schulministerin, sollen die Weihnachtsferien in NRW corona-bedingt zwei Tage früher starten. Zwischen dem Start der Ferien und Heiligabend würden dann sechs, anstatt zwei Tage liegen. Doch weil es nicht nur Freude, sondern auch Kritik an dem Vorstoß gibt, soll darüber heute (13. November) ab 10 Uhr im Landtag debattiert werden.

Der Grund für die vorgezogenen Weihnachtsferien ist klar: Es soll das Corona-Infektionsrisiko reduziert werden, damit Familien ein „möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest“ feiern könnten, so Gebauer laut einem Bericht des WDR. Denn wenn an Heiligabend Schulkinder, Eltern und Großeltern Weihnachten feiern, wird es in Deutschland traditionell kuschelig oder auch mal feucht-fröhlich. Beste Bedingungen also für das Coronavirus, sich weiter in NRW zu verbreiten (alle Corona-News im Live-Ticker von RUHR24.de).

Corona-Weihnachtsferien als Vorquarantäne: NRW will Vorschlag von Drosten folgen

Wenn aber die Menschen vor Weihnachten einem Vorschlag des Virologen Christian Drosten folgen und sich freiwillig in eine „Vorquarantäne“ begeben würden, könnte das das Corona-Infektionsrisiko minimieren. Doch das funktioniere nur, wenn die Kinder nicht mehr die Schule besuchen müssen. Soweit die Argumentation der Schulministerin. Denn das wir Weihnachten nicht im Kreis der Familie feiern können, sollte unbedingt vermieden werden, erklärte unlängst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch was, fragen einige Kritiker, sollen berufstätige Eltern in NRW nun machen, wenn ihre Kinder plötzlich nicht mehr früher in die Weihnachtsferien, und nicht mehr wie geplant zur Schule gehen? Eltern- und Lehrerverbände stellen daher die Frage, wie die Kinder in den zwei Tagen betreut werden sollen. Denn die wenigsten haben am Ende des Jahres noch Urlaubstage über, die sie nun kurzerhand nehmen könnten. So sieht es laut Spiegel auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Andrea Heck, Vorsitzende des Elternvereins NRW, sieht darin jedoch kein Problem. Gegenüber dem WDR erklärt sie, das Eltern jetzt noch fünf Wochen Zeit hätten, um sich zu organisieren. Das sollte bei den Meisten ausreichen. Für alle anderen will Yvonne Gebauer nun über eine Notbetreuung nachdenken.

Weihnachtsferien in NRW starten früher: Kritik an Notbetreuung - wider dem Corona-Schutz

Für Alleinerziehende käme der Vorschlag der vorgezogenen Weihnachtsferien in der Corona-Krise einer Hiobsbotschaft gleich, erklärt allerdings Nicola Stroop, Vorständin des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW gegenüber dem Spiegel. Die Vorschläge des Verbands, um die verfrühte Schul-Schließung machbar zu machen: Eine gesicherte Notbetreuung oder ein finanzieller Ausgleich für die Eltern, die dann nicht arbeiten gehen können.

Kritik kam unter anderem auch aus der Opposition: Thomas Kutschaty (SPD) nannte die vorgezogenen Weihnachtsferien laut dpa einen „Hau-Ruck-Aktion ohne Plan“. Wenn die Maßnahme wirklich wirksam sein soll, müssten Eltern und Kinder in eine komplette Quarantäne. Das werde jedoch nicht gelingen, so der Oppositionsführer.

Eltern müssten arbeiten, ältere Schüler gingen in die Einkaufszentren, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen und auch in die Kitas gehen die kleineren Kinder weiter. Und auch in der Notbetreuung wären die Kinder wieder in der Schule. Ähnlich sieht es auch die GEW. Die Corona-Maßnahme wären nur wirksam, wenn sie wirklich als vorgezogene Quarantäne genutzt würde.

Darüber hinaus wollen SPD und Grüne den Vorstoß als Anstoß dafür nutzen, noch einmal darüber zu sprechen, wie in der Corona-Krise Bildung und Infektionsschutz besser zusammengebracht werden könnte - und so steht auch am Freitag (13. November) erneut die Debatte über einen Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht auf dem Plan.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch

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