Stadt plante Sonderweg

Corona-Risiko Schule: NRW verbietet Solingen den Sonderweg beim Unterricht

Schüler einer Schule tragen im Unterricht Masken. Das Fenster ist weit geöffnet
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Alltag an den Schulen in NRW: Masken und Lüften als nahezu einziger Infektionsschutz.

Die NRW-Stadt Solingen plante in Sachen Schule einen Corona-Sonderweg zu gehen. Dem hat das Land NRW jedoch eine Absage erteilt.

Solingen - Immer wieder hagelt es Kritik an dem Entschluss, dass Schulen in NRW trotz steigender Corona-Zahlen weiterhin geöffnet bleiben sollen. Präsenzunterricht als einziger Weg? Da wollte die Stadt Solingen nicht mehr mitmachen und erarbeitete einen Plan, mit dem die Schüler in einer Art Schichtsystem unterrichtet werden sollten. Doch das Land NRW lehnte den Vorschlag ab.

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Infizierte in NRW148.699 (4. November)

Corona in NRW: Solingen folgte Empfehlung des RKI zum Unterricht in Schulen

Der Plan orientierte sich an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßte das Vorhaben als vorbildlich. Und im Grunde ist die Idee hinter dem Corona-Konzept aus Solingen auch nicht völlig neu.

So plante die Stadt im bergischen Land laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Klassen an allen weiterführenden Schulen zu halbieren. Je zur Hälfte sollten die Schüler im Wechsel Präsenz- und Distanzunterricht bekommen. Damit wären die Lerngruppen verkleinert, die Kontakte reduziert und die Abstände zwischen den Schülern in den Klassen vergrößert worden. Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussklassen der Sekundarstufen I und II sollten von der Regelung ausgenommen werden.

Damit folgte die Stadt Solingen in Teilen den Empfehlungen des RKI. Das Institut hatte in einer 15-Seitigen Übersicht vom 12. Oktober bereits die Bildung kleiner Lerngruppen an Schulen empfohlen. Anlass für die Empfehlungen des RKI waren Überlegungen, wie es trotz des grassierenden Coronavirus in den Schulen in NRW nach den Herbstferien weiter gehen kann.

„Keine Corona-Hotspots“: Bildungsministerin Karliczek für Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen

Doch noch am Dienstagabend (3. November) erteilte das Land NRW dem Corona-Plan der Stadt Solingen eine Absage. Per Erlass wies das Gesundheitsministerium in Düsseldorf auf Anweisung des Schulministeriums nach einem Bericht der dpa die Kommune an, den geplanten Blockunterricht nicht umzusetzen. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) äußerte sich dazu in einer Online-Pressekonferenz: Er sei außerordentlich enttäuscht und außerordentlich besorgt, die Landesentscheidung sei ein Fehler.

Corona an Schulen in NRW: Solingen wollte Schulschließungen verhindern

Da es sich jedoch um eine Anweisung des Landes handele, müsse die Stadt nun ihre Pläne begraben, so ein Sprecher der Stadt. Man habe dennoch eine andere Auffassung als das Land und werde das dem Ministerium auch deutlich darlegen. Das Land trage nun die volle Verantwortung, falls die gravierende Entwicklung andauere und es zu ungeregelten Schulschließungen käme, so der Stadtsprecher. Die Verhinderung von Schulschließungen hatte die Stadt als wichtiges Ziel des Solinger Plans genannt.

Als Begründung für die Entscheidung gibt das Schulministerium in NRW wiederum an, dass der „Solinger Weg einem gleich gerichteten Vorgehen innerhalb des Landes widerspreche“. Zudem würde das Konzept den vielfältigen Bedürfnissen der Schüler nicht gerecht werden, vor allem nicht unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit (mehr zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Corona in NRW: Kinder könnten Virus aus Schulen in Familien tragen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte das Solinger Konzept dagegen als vorbildlich begrüßt. Gleichzeitig nannte die Gewerkschaft die Lage an den Schulen „riskant“. Beschäftigte würde jeden Tag ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, so die Gewerkschaft. Eltern äußern gleichzeitig immer wieder die Sorge darum, dass ihre Kinder sich in der Schule infizieren könnten und so das Virus in die Familien trügen.

Tatsächlich ist die Zahl der bestätigten Corona-Fälle bei Schülern und Lehrern seit Ende der Ferien deutlich angestiegen. Wie aus einem Bericht des Schulministeriums hervorgeht, wurden nach Ende der Herbstferien in der letzten Oktoberwoche 1808 Corona-Fälle bei Schülern verzeichnet. Vor den Herbstferien in NRW seien es noch 853 Fälle gewesen.

SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty reagierte auf die Entscheidung mit Unverständnis. Solingen habe vorbildlich gehandelt und Verantwortung bewiesen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich jedoch vor kurzem dagegen ausgesprochen, einen Teil der Schüler zu Hause zu unterrichten.

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